Mahrtenehe

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Unter dem Motiv der Mahrtenehe versteht man die Beziehung zwischen einem Sterblichen und einem verführerischen, aber Albdruck verursachenden, überirdischen weiblichen Wesen.

Die „Mahrte“ oder einfach „Mar“ wird entweder vom mittelhochdeutschen Wort „maere“ für Märchen oder Fabel hergeleitet - bezieht sich also auf die Ehe mit einem Fabelwesen. Es könnte aber auch ein altes Wort für ein überirdisches Wesen in menschlicher oder menschenähnlicher Gestalt sein. Im englischen nightmare und im alten deutschen Begriff Nachtmahr findet man das Wort wieder. Ehen oder Liebesbeziehungen mit solchen überirdischen Wesen werden fast immer gestört.

Melusinensage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die berühmteste Erzählung dieses Typus ist die Melusinensage – die Geschichte einer Fee, die einen armen Ritter heiratet, mit ihm zahlreiche Söhne zeugt und mit ihrem sagenhaften Reichtum aus jenseitigen Quellen Burgen, Städte und Klöster baut. Sie ist die mächtige Ahnherrin des historisch tatsächlich sehr bedeutenden Geschlechts der Lusignan aus dem Poitou in Südwest-Frankreich. Die Ehe ist erfolgreich und von großer Liebe gekennzeichnet – nur darf der Ritter seine Frau Melusine niemals an Sonnabenden besuchen. Das tut er eines Tages doch und sieht, wie sich im Bade ihr Unterleib in einen Schwanz eines Tatzelwurms (den Unterleib einer Schlange) verwandelt. Nachdem der Ehemann dies öffentlich ausspricht, müssen sie sich trennen – Melusine fliegt zum Fenster hinaus, verwandelt sich in eine geflügelte Schlange und kommt nur nachts, um ihre noch kleinen Kinder zu säugen. Die Lusignans tragen Melusine in ihrem Wappen.

Weitere literarische Beispiele sind die Person der Laudine für den Yvain/Iwein von Chrétien de Troyes bzw. Hartmann von Aue sowie die Figur der Meliur in Partonopier und Meliur von Konrad von Würzburg und auch Undine von Friedrich de la Motte Fouqué.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Armin Schulz: Spaltungsphantasmen. Erzählen von der ›gestörten Mahrtenehe‹. In: Wolfram-Studien 18 (2004), S. 233–262.
  • Volker Mertens: Der deutsche Artusroman. 1998/2005, S. 72.
  • Wei Tang: Mahrtenehen in der westeuropäischen und chinesischen Literatur., Würzburg 2009.
  • Armin Schulz: Poetik des Hybriden. Schema, Variation und intertextuelle Kombinatorik in der Minne- und Aventiureepik: Willehalm von Orlens - Partonopier und Meliur – Wilhelm von Österreich – Die schöne Magelone., Berlin 2000, S. 88–90.