Mandora

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Zeichnung einer Mandora von 1636

Mandora, französisch Mandore luthée, ist der Name einer Reihe verschiedener historischer Lauteninstrumente.

In der Renaissancezeit bezeichnet der Name eine kleine, vier- oder fünfchörige Laute. Michael Praetorius nannte sie in seinem Werk Syntagma musicum (1615–1619) Mandürchen (entspricht weitgehend der Quinterne), auch Mandörgen. Sie war möglicherweise die Vorläuferin der Mandoline. Namens- und formverwandt ist auch die seit dem 18. Jahrhundert gebaute Mandola.

Im Übergang zur Rokokozeit bezeichnet Mandora ein Lauteninstrument mit ca. 70 cm Mensur und sechs Chören. Auch Instrumente mit sieben, acht oder neun Chören sind erhalten. Die Mandora war meist in E gestimmt (e' - h - g - d - A - G) oder in D (d' - a - e - c - G - F).

Gallichon

Die Bass-Variante des Instruments wurde Gallichon oder Colachon oder auch Calichon genannt (wurde und wird oft mit einem anderen Lauteninstrument verwechselt, dem Colascione), war mit Mensuren zwischen 85 und 93 cm deutlich größer, mit Einzelsaiten bezogen und in A gestimmt (a - e - c - G - D - C, auch: a - e - c - G - D - A,).

Während die Mandora ein beliebtes Solo-Instrument war, wurde der Calichon als Generalbassinstrument verwendet, so bei Georg Philipp Telemann (dort Colchedon oder auch Chalcedon genannt) oder Johann Sigismund Kusser[1] (in seiner Oper "Erindo", Hamburgh 1694[2]). Johann Mattheson erwähnt ihn als Begleitinstrument in der Kammermusik ("Das neu-eröffneten Orchestre", 1713, S. 277.279).

Kurz vor 1800 fand ein Ringtausch zwischen Mandora und Gitarre statt. Die Gitarre übernahm die sechste Saite und die Stimmung der Mandora (e' - h - g - d - A - G, später auch e' - h - g - d - A - E). Die Mandora übernahm von der Gitarre die inzwischen eingeführte Besaitung mit einzelnen Saiten statt Chören.

Ein späteres Erbe dieser Entwicklung auf Seiten der Mandora war die Gitarrenlaute.

Musik für die Mandora wurde in Form der Tabulatur notiert.

Komponisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Kirsch: Die Mandora in Österreich. Zur Bestimmung eines Lautentyps des 18. Jahrhunderts. Neues vom Pasqualatihaus 4 (1994), S. 63–81
  • Dieter Kirsch: Musik für Mandora in der Universitätsbibliothek Eichstätt; Sammelblatt Historischer Verein Eichstätt 86 (1993), S. 14–19
  • Dieter Kirsch, Lenz Meierott (Hgg.): Berliner Lautentabulaturen in Krakau. Mainz, 1992
  • Josef Klima: Gitarre und Mandora, die Lauteninstrumente der Volksmusik. In: Österreichische Musikzeitschrift, Band 18, Heft 2, 1963, S. 72–78
  • A. Koczirz: Zur Geschichte der Mandorlaute. Die Gitarre 2 (1920/21), S. 21–36
  • Leipzig Mandora Book. (Manuskript um 1730) Tree Edition, Lübeck 2007
  • Rudolf Lück: Zur Geschichte der Basslauten-Instrumente Colascione und Calichon. DJbM 5 (1960), S. 67–75
  • Ernst Pohlmann: Laute, Theorbe, Chitarrone. Bremen, 1968 (1982)
  • Pietro Prosser: Calichon e mandora nel Settecento: Con un catalogo tematico del repertorio solistico. Diss. Universität Pavia, 1996
  • Pietro Prosser: Uno sconosciuto metodo manoscritto (1756) Considerazioni sull’identificazione della mandora nell XVIII secolo; in: M. Tiella, R. Romano (Hgg.): Strumenti per Mozart; Rovereto, 1991; S. 293–335
  • James Tyler: The mandore in the 16th and 17th centuries. In: Early Music, Vol. 9, No. 1, Oxford University Press, 1981, S. 22–31 + 416

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Möller: Zupfinstrumente in G. F. Händels dramatischen Werken. In: Gitarre & Laute Band 7, 1985, Heft 6, S. 24–27, hier: S. 25.
  2. Helmuth Christian Wolff: Die Barockoper in Hamburg (1678–1738). Habilitationsschrift, Wolfenbüttel 1957, Band 1, S. 237.