Colascione

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Colascione

Der Colascione (auch Calascione, ital. , [kolaˈʃoːne]; franz. Colachon [kɔlaˈʃɔ̃]) ist ein Lauteninstrument. Der Colascione war vor allem in Unteritalien in Gebrauch. Das älteste dort bekannte Instrument trägt die Jahreszahl 1564. Seine Vorläufer waren aber schon lange vorher aus islamischen Ländern bekannt.

Bau[Bearbeiten]

Das Lauteninstrument besitzt einen Wirbelkasten mit Flankenwirbeln und einen 42 bis 54 cm langen und 28 bis 34 cm breiten Korpus, insgesamt ist es zwischen 135 und 200 cm lang. Das Instrument besitzt zwei bis sechs Saiten, die in Quinten gestimmt sind. Das lange Griffbrett ist von 16 bis 24 Darmbünden umschlossen.

Marin Mersenne gab die Anzahl der Saiten noch mit zwei bis drei an. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts assimilierte sich der Colascione und wurde wie die Mandola mit fünf bis sechs Saiten ausgestattet. Johann Mattheson erwähnt ihn 1713 in seinem Das neu-eröffnete Orchestre als gelegentliches Begleitinstrument in der Kammermusik.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde er in Italien aus der Kirche verwiesen und geriet bald in Vergessenheit. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wiesen die Brüder Colla aus Brescia den Colascione und den Colasciontino (Mezzo-Colascione) als neuartige Instrumente aus, war nicht der Wahrheit entsprach. Heutzutage ist der Colascione nur selten anzutreffen, zum Beispiel bei den sizilianischen Sunaturi [1].

Anstelle einer Holzdecke auf dem Korpus hatten einige Instrumente eine geteilte Pergamentdecke nach morgenländischer Art.

In der Literatur wird der Colascione oft mit dem Calichon verwechselt, einer Bassvariante der Mandora.

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten]

Bemerkenswert ist die große Ähnlichkeit des Colascione mit Instrumenten wie der Dutâr oder auch der Sitâr. Dennoch gibt es eine große Abweichung, welche durch den Steg auf der Decke gegeben ist. Möglicherweise wurde die Sitâr in Süditalien unter dem Einfluss des Lautenbaus zum Colascione entwickelt.

Der älteste erhaltene Colascione weist den abgeknickten Wirbelkasten einer Laute auf.

Werke[Bearbeiten]

Giuseppe Antonio Brescianello komponierte 18 Partiten für Colascione [2].

Literatur[Bearbeiten]

  • Curt Sachs: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Breitkopf und Härtel, Wiesbaden 1979, S. 227f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Curt Sachs:Real-Lexikon der Musikinstrumente, zugleich ein Polyglossar für das gesamte Instrumentengebiet (1913)
  2. IMSLP: Brecianello 18 Colascione Partitas