Margaret Masterman

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Margaret Masterman (* 4. Mai 1910 in London; † 1. April 1986 in Cambridge) war eine britische Philosophin und Linguistin.

Margaret Masterman war die Tochter des Politikers Charles F. G. Masterman und seiner Frau Lucy Blanche Lyttelton, ebenfalls politische engagiert und Dichterin. Sie studierte moderne und mittelalterliche Sprachen sowie Ethik (Moral Science) am Newnham College (später lernte sie auch noch Chinesisch).

1932 heiratete sie den Philosophen Richard Bevan Braithwaite, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter hatte.

Masterman war 1933/34 eine der ausgesuchten Studenten, die Ludwig Wittgenstein´s Vorlesung (Blue Book) in Cambridge niederschreiben durften (die anderen waren der enge Mitarbeiter und Freund von Wittgenstein Francis Skinner, der Mathematiker Reuben Goodstein, die Philosophin Alice Ambrose und der Mathematiker H. S. M. Coxeter).

Außerdem war sie eine Pionierin in der Computerlinguistik und gründete 1956 die Cambridge Language Research Unit (CLRU). Obwohl nicht offiziell Teil der Universität, wurde dort wichtige Forschungsarbeit in Computerlinguistik und maschineller Übersetzung in Großbritannien geleistet. Sie finanzierten sich durch Forschungsgelder aus den USA, Großbritannien und der EU. Das Zentrum litt allerdings damals an mangelnder Computerkapazität. Masterman unternahm deshalb mit dem Aufkommen von PCs 1980 einen neuen Anlauf das Institut wiederzubeleben, was aber nach ihrem Tod aufgegeben wurde.

Ihre Auffassung von Sprache unterschied sich stark von der an Syntax-Grammatiken orientierten Schule von Noam Chomsky. Sie betonte vielmehr die Bedeutung von breath groups (Atem-Gruppen), Redundanz in der Sprache und Rhythmus für die Sprache und ihr Ausgangspunkt war die semantische Analyse. Als Vorbild diente ihr dabei das Chinesische.

Sie war eine der Gründerinnen des Lucy Cavendish College für Frauen in Cambridge und 1965 bis 1975 deren Vizepräsident. Sie selbst war mit Lucy Cavendish (1841-1925, geborene Lyttleton) verwandt, einer Pionierin in der Frauenbildung.

Als Philosophin spielte sie eine wichtige Rolle in der Herausbildung des Paradigma-Begriffs durch Thomas S. Kuhn, den sie 1965 in einem Aufsatz kritisierte.[1]

Sie befasste sich auch mit Schriftstellerei (sie schrieb Theaterstücke und Romane) und hatte breit gefächerte Interessen (wie Gregorianischen Gesang).

Literatur[Bearbeiten]

  • William Williams, Frank Knowles Margaret Masterman. In Memoriam, Computers and Translation, 2, 1987, Jstor
  • Masterman Language, Cohesion and Form, Herausgeber Yorick Wilks, Cambridge University Press 2010 (Gesammelte Aufsätze)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Masterman "The Nature of a Paradigm", in Imre Lakatos, Alan Musgrave Criticism and the Growth of Knowledge, Proceedings of the 1965 International Colloquium in the Philosophy of Science 4, 3. Auflage, Cambridge University Press, 1970, S. 59–90