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Margarethe Bacher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Margarethe Bacher (* 11. November 1934 in Bačko Dobro Polje, Jugoslawien; † 8. Januar 2005) war eine deutsche Köchin. Sie führte ihre Hostellerie Bacher in Neunkirchen-Kohlhof zu einem Michelin-Stern, den sie 26 Jahre hielt. Sie galt als Grande Dame der Haute Cuisine und führte das beste Restaurant des Saarlands.

Margarethe Bacher wurde als „Volksdeutsche“ in Jugoslawien geboren, ihr Vater wurde 1945 im Zweiten Weltkrieg eingezogen, ihre Großeltern von Partisanen erschossen. Bacher wurde mit ihrer jüngeren Schwester und ihrer Mutter zwei Jahre lang in ein Internierungslager eingesperrt. Nach Rückkehr des Vaters musste die Familie zwangsweise sieben Jahre auf einem jugoslawischen Staatsgut arbeiten. 1953 kam die Familie nach Kaiserslautern.[1]

Durch Vermittlung eines befreundeten Pfarrers besuchte Bacher die Hauswirtschaftsschule in Bad Liebenzell und arbeitete danach in einem gastronomischen Großbetrieb im Schwarzwald, wo sie fast nur Teller spülte aber auch das Kochen für sich entdeckte. Ihre Gesellenlehre bewältigte sie nebenbei in Spezialkursen, sie schloss mit Bestnote ab[1] und begann die Karriere der Sterneköchin 1958 als Küchenhilfe in der Casino-Küche der Neunkircher Eisenwerke, wo sie sich innerhalb eines Jahres die Position der Küchenchefin erarbeitete. Bacher bildete seit 1965 selbst aus, so zählte sie Petra Roth-Püngeler, Werner Püngeler, Cliff Hämmerle, Alexander Kunz und Wolfgang Quack zu ihren Schülern.[2]

1978 machte Margarethe Bacher sich mit ihrem Restaurant Hostellerie Bacher in Neunkirchen selbständig, das ganze Küchenteam der Kasino-Küche folgte ihr. 1979 erhielt sie einen Michelin-Stern, den sie bis zur Übergabe der Geschäftsleitung im Sommer 2024 an ihren Geschäftspartner und langjährigen Souschef Hermann Wögerbauer behielt.[3][1] Bacher war hochgelobt von den Gastrokritikern und galt als beste Köchin Deutschlands. Sie war eine der führenden deutschen Köchinnen der „Nouvelle Cuisine“ und nahm regelmäßig an Wettbewerben teil – Goldmedaillen-Gewinnerin bei der Olympiade der Köche.[4] Auch ihre Mitarbeiter nahmen erfolgreich an Wettbewerben teil.[1]

1989 zog das Restaurant in den Stadtteil Kohlhof um, an ihrem 65. Geburtstag kam 1999 ein Gästehaus mit zwölf Zimmern, Konferenzraum, Sauna und Hallenbad dazu. Der Gault Millau verlieh ihr 2002 für ein Menü 17 von 20 möglichen Punkten, 2003 belegte sie den 33. Platz beim bundesweiten Voting der Fachzeitschrift Gastrotel.[1]

2021 wurde in Neunkirchen eine Straße nach Margarethe Bacher benannt.[5]

Drei Tage vor ihrem Tod wurde Margarethe Bacher mit der Bürgermedaille der Stadt Neunkirchen ausgezeichnet, da sie als das „Aushängeschild“ und „kulinarische Visitenkarte“ der Stadt galt und wesentlich zum Imagewandel Neunkirchens beigetragen habe.[1] Bacher erlag im Alter von 70 Jahren einem Krebsleiden.[6] Bachers Geschäftspartner und Ehemann ihrer Nichte[2], Hermann Wögerbauer, musste nach ihrem Tod einen Schuldenberg und einen aufgelaufenen Sanierungsstau bewältigen.[1] Unter dem Namen Hostellerie Bacher-Wögerbauer wurde Bachers Betrieb vorerst weitergeführt. Ende September 2023 wurde bekannt gegeben, dass der Restaurantbetrieb zum 1. Oktober 2023 schließt, nur der Hotelbetrieb geht weiter.[7]

  • 1979: Michelin-Stern
  • 1993: Saarländischer Verdienstorden
  • 2005: Bürgermedaille der Stadt Neunkirchen[1]
  • Margarethe Bacher: Desserts: süße Verführungen. Falken-Verlag, Niedernhausen/Ts. 1987.
  • Margarethe Bacher: Mein Lieblingsgericht – Desserts. Bassermann, Niedernhausen/Ts. 1997.

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f g h Anja Kernig: SZ-Serie Frauen in Neunkirchen: Hochdekorierte Spitzengastronomin. In: Saarbrücker Zeitung. Saarbrücker Zeitung Medienhaus GmbH, 21. Januar 2021, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  2. a b Christian Lauer: Margarete Bacher: Als ihr legendäres Restaurant in Neunkirchen für immer schloss. In: SOL.DE. Orange News GmbH, 14. Mai 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  3. Heinz Horrmann: Letzter Bissen. In: Die Welt vom 5. Februar 2005.
  4. Margarethe Bacher ist tot. In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung vom 10. Januar 2005 (Bezahlinhalt).
  5. Redaktion: Margarethe-Bacher-Straße offiziell eingeweiht. In: www.neunkirchen.de. Kreisstadt Neunkirchen, 20. Dezember 2021, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  6. Verlust für Gourmets. Sterne-Köchin Bacher gestorben. In: n-tv.de vom 10. Januar 2005.
  7. Margarete Bacher: Ihr legendäres Restaurant in Neunkirchen schließt für immer, auf sol.de