Marián Čalfa

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Marián Čalfa (* 1. Mai 1946 in Trebišov, Tschechoslowakei) ist ein ehemaliger tschechoslowakischer Politiker und kommunistischer Funktionär. Nach den Geschehnissen der Samtenen Revolution 1989 wurde er am 10. Dezember 1989 zum Ministerpräsidenten der Regierung des nationalen Einverständnisses (10. Dezember 1989 bis 27. Juni 1990) ernannt und führte das Land zu den ersten demokratischen Wahlen. Auch nach den Wahlen blieb er Ministerpräsident bis Juli 1992.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marián Čalfa wurde in der Slowakei geboren und studierte 1964 bis 1970 Rechtswissenschaften an der Karls-Universität Prag. Seit seinem 18. Lebensjahr war er Mitglied der KSČ. 1970 bis 1972 arbeitete er für die Nachrichtenagentur ČTK, ehe er ab 1972 für die Staatskanzlei des tschechoslowakischen Ministerpräsidenten tätig war. Ab 1988 war er Vorsitzender des Legislativrates der tschechoslowakischen Regierung. Im Zuge der Samtenen Revolution im Herbst 1989 wurde er kurzzeitig stellvertretender Ministerpräsident in der Regierung von Ladislav Adamec. Aufgrund seiner politisch relativ unbelasteten Vergangenheit übernahm er, einer breiten Öffentlichkeit unbekannt, von Adamec am 7. Dezember 1989 das Amt des Ministerpräsidenten und bildete im Zuge der Verhandlungen mit den Vertretern des tschechischen Bürgerforums bzw. der slowakischen Öffentlichkeit gegen Gewalt (VPN) anschließend die „Regierung des nationalen Einverständnisses“, welche neben 10 Vertretern der KSČ, 4 Vertretern der Blockparteien 7 von den Oppositionsgruppen benannte Parteilose angehörten. Im Januar 1990 trat er aus der KSČ aus.

Nach den ersten freien Parlamentswahlen am 8./9. Juni 1990, welche im tschechischen Landesteil das Bürgerforum und in der Slowakei die Öffentlichkeit gegen Gewalt gewann, beauftragte Staatspräsident Václav Havel ihn erneut mit der Bildung der Föderationsregierung, welcher nunmehr ausschließlich Vertreter der bisherigen Oppositionsbewegungen angehörten. Später schloss sich Čalfa selbst ebenfalls der VPN an. Er blieb Ministerpräsident bis zu den Parlamentswahlen am 5./6. Juni 1992, bei dem die VPN nicht mehr den Einzug ins Parlament gelang.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik war er von 1992 bis 2011 in Prag als Rechtsanwalt und teilweise auch unternehmerisch tätig.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]