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Maria Miterlöserin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Maria Miterlöserin (lat. Maria coredemptrix) ist ein von der römisch-katholischen Kirche gelegentlich verwendeter Titel bzw. eine Anrufung für Maria, die Mutter Jesu, der den Glauben ausdrücken soll, dass sie auf einzigartige Weise am Erlösungswerk Christi teilnehme.[1] Diese Anrufung wird in Verbindung mit der Anrufung Maria, Mittlerin der Gnaden (Maria mediatrix) gesetzt, insgesamt aber heute als unangebracht abgelehnt.

Als Erster bezeichnete um ca. 180 n. Chr. Irenäus von Lyon Maria als „Ursache des Heils“ (causa salutis) in seinem Werk Adversus haereses (3.22.4):[2][3]

„Wie jene [scil. Eva] den Adam zum Manne hatte, dennoch aber Jungfrau war [...] und durch ihren Ungehorsam für sich und das gesamte Menschengeschlecht den Tod verschuldet hat: so hatte auch Maria ihren vorbestimmten Mann und war dennoch Jungfrau und wurde durch ihren Gehorsam für sich und das gesamte Menschengeschlecht die Ursache des Heils.“

Irenäus von Lyon: Adversus haereses (3.22.4)

Seit dem 15. Jahrhundert wird der Titel Co(n/r)redem(p)trix verwendet. Doch erst ab dem 19. Jahrhundert gab es eine größere theologische Auseinandersetzung mit diesem Begriff,[4] die heute nicht zuletzt eine ökumenische Dimension hat. Zeitweise galt der Begriff als in Grenzen zulässige römisch-katholische Glaubenslehre.[5]

Im Vorfeld des Zweiten Vatikanums plädierten etwa 500 Konzilsväter dafür, Maria als „Mediatrix“, und rund 50 dafür, sie als „Miterlöserin“ zu definieren. Das Konzil gebraucht in Lumen gentium 60 ff den Titel „Mittlerin“ bzw. spricht von einer „Mittlerschaft“ Marias. Johannes Paul II. gebraucht in Redemptoris Mater 38 die Bezeichnung „Mittlerschaft in Christus“.[6] Im 20. Jahrhundert gab es des Weiteren erfolglose Bemühungen, durch Petitionen an den Heiligen Stuhl die Verkündigung eines fünften marianischen Dogmas Maria Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden zu erreichen.[7] In der Note Mater populi fidelis, die das Dikasterium für die Glaubenslehre am 4. November 2025 veröffentlicht hat, wird der Titel „Miterlöserin“ als unangebracht abgelehnt, da er die Erlösungstat Christi verschleiere:[8]

„Angesichts der Notwendigkeit, die Christus gegenüber untergeordnete Rolle Marias im Erlösungswerk darzulegen, ist die Verwendung des Titels der Miterlöserin immer unangebracht, wenn es darum geht, Marias Mitwirkung daran zu definieren. Dieser Titel birgt die Gefahr in sich, die einzigartige Heilsvermittlung Christi zu verschleiern und kann daher zu Verwirrung und einem Ungleichgewicht in der Harmonie der christlichen Glaubenswahrheiten führen, denn »in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen« (Apg 4,12 EU).“

In neuester Zeit hat sich am umfassendsten mit dem Begriff der Professor für Theologie in Steubenville, USA, Mark Miravalle, befasst:

  • Mark Miravalle: Mary: Co-redemptrix, Mediatrix, Advocate, Queenship Publishing, Goleta, California 1993.
  • Mark Miravalle: Mary Co-redemptrix, Mediatrix, Advocate: Theological Foundations II, Queenship Publishing, Goleta, California 1997.
  • Mark Miravalle: Contemporary Insights on a Fifth Marian Dogma. Mary Co-redemptrix, Mediatrix, Advocate: Theological Foundations III, Queenship Publishing, Goleta, California 2000.
  • Mark Miravalle: Mary Co-redemptrix: Doctrinal Issues Today, Queenship Publishing, Goleta, California 2002.
  • Mark Miravalle: With Jesus: The Story of Mary Co-Redemptrix, Queenship Publishing, Goleta, California 2003.

Ansonsten:

  • Franz Courth: Mittlerschaft, Miterlöserschaft Marias, in: LThK 3. A., Bd. 7 (1998), Sp. 346f.
  • Ina Eggemann: Die „ekklesiologische Wende“ in der Mariologie des II. Vatikanums und „Konziliare Perspektiven“ als neue Horizonte für das Verständnis der Mittlerschaft Marias, Oros, Altenberge 1993.
  • Manfred Hauke: Maria, ‚Gefährtin des Erlösers‘ (Lumen gentium 61). Die Mitwirkung Mariens bei der Erlösung als Forschungsthema, in: Sedes Sapientiae, Mariologisches Jahrbuch 6/1–2 (2002), S. 85–121.
  • Heinrich Maria Köster: Miterlöserschaft, Mittlerschaft Mariens, in: LThK 2. A., Bd. 7 (1962), 486f.
  • Ludwig Ott: Grundriss der Katholischen Dogmatik, 10. Auflage, Herder: Freiburg 1981 (1. A. 1952) S. 256. ISBN 3-451-13541-8.
  • Cornelis A. de Ridder: Maria als Miterlöserin? Die Diskussion über die Mitwirkung der Mutter Gottes am Erlösungswerk Christi in der heutigen römisch-katholischen Theologie, Göttingen 1965.
  • Cornelis A. de Ridder, in: Georg Söll (Hg.): Maria. Fragen und Antworten. Dogmengeschichtliche Mariologie, Leipzig 2. Aufl. 1984.
  • Johannes Stöhr: Maria als Miterlöserin – neuere Diskussionen, in: Theologisches 51 (5–6/2021), Sp. 223–232.
  • Telesphore Cardinale Toppo et al. (Hgg.): Maria "Unica Cooperatrice alla Redenzione: Atti del Simposio sul Mistero della Corredenzione Mariana, Fatima, Portogallo 3-7 Maggio 2005, Academy of the Immaculate, New Bedford, Massachusetts 2005.
  • Bibliotheca corredemptionis B. V. Mariae, Casa Mariana Editrice, Frigento 1998ff. (bis 2005 acht Bände).

Einzelnachweise

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  1. Ludwig Ott: Grundriss der Katholischen Dogmatik, 10. Auflage, Herder: Freiburg 1981 (1. A. 1952), S. 256.
  2. Stefano de Fiores über Maria als causa salutis bei Irenäus von Lyon (Memento vom 28. September 2008 im Internet Archive)
  3. Bibliothek der Kirchenväter. Abgerufen am 26. August 2025.
  4. Frederick William Fabers The sorrows of Mary, Gabriel Roschinis Compendium Mariologiae, Juniper P. Carol, u. a.
  5. Conway, Bertrand L., The Question Box, New York: Paulist Press/Deu Books, 1962, Nihil Obstat and Imprimatur granted, p293, "This is the belief of all Catholics. And anyone who would say that Mary is divine (idolatry) or that she is equal to Christ (blasphemy) would immediately be branded a heretic. Nevertheless, it is Catholic doctrine that Mary is truly 'co-redemptrix' and 'mediatrix of all graces.'"
  6. Vgl. z. B. Courth 1998.
  7. Der Titel „Maria Miterlöserin“ – ein legitimer Wunsch?, Zenit vom 8. Dezember 2009 (Memento vom 23. Februar 2012 im Internet Archive) (abgerufen am 17. Februar 2011)
  8. Dikasterium für die Glaubenslehre: Mater populi fidelis. 4. November 2025, abgerufen am 4. November 2025.