Marie Grubbe

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Wappen der Familie Grubbe, dänisches Adelsjahrbuch 1895

Marie „Maren“ Grubbe (* 25. August 1643 in Havreballegård; † Januar 1717 in Allerslev) war eine Vertreterin des dänischen Hochadels, deren Lebensweg von ihren Zeitgenossen als unkonventionell und skandalös verstanden wurde und deren Person Eingang in die europäische Literatur fand, bzw. verfilmt wurde.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marie Grubbe wurde am 25. August 1643 als Tochter des dänischen Landedelmanns Erik Lauridsen Grubbe zu Tjele und Gammelgaard und dessen Frau Maren Iversdatter Juul in Havreballegård bei Aarhus im Königreich Dänemark geboren. Ihre Mutter verlor sie schon in der Kindheit.

Mit 14 Jahren wurde sie nach Kopenhagen zu ihrer Tante väterlicherseits, Regitze Grubbe, gebracht. Regitze stand dem dänischen Hof nahe, da sie mit einem illegitimen Sohn König Christians IV. und Karen Andersdatters, Hans Ulrich Gyldenlöwe (1615–1645), verheiratet war. Zum Zeitpunkt des Eintreffens Marie Grubbes bei ihrer Tante war diese jedoch bereits verwitwet. Regitze Grubbe führte ihre Nichte am dänischen Hof ein. Maßgeblich ihrem Einfluss wird es zugeschrieben, dass Marie Grubbe am 16. Dezember 1660 mit dem illegitimen Sohn König Friedrich III. von Dänemark und Norwegen, Ulrich Friedrich Gyldenlöwe, Graf von Laurvig (1638–1704), verheiratet wurde. Gyldenlöwe musste dafür seine im Jahr zuvor geschlossene illegitime Ehe mit der bürgerliche Sophie Urne, der Mutter seiner beiden Söhne, auflösen. Trotz mehrerer Versöhnungsversuche durch ihren Vater war die Ehe unglücklich. 1664 begleitete Marie ihren Mann nach Oslo, als er Vizekönig von Norwegen wurde. 1667 schickte Gyldenlöwe Marie zu ihrem Vater zurück und drängte auf Scheidung. Ihr wurden zahlreiche Affären, u.a. mit Joachim Lambert, dem Sekretär ihres Mannes, und Stygge Høeg, dem Mann ihrer Schwester, nachgesagt. Es ist ein Brief erhalten, in dem sie sich bedankt, dass er ihren Ehebruch nicht mit dem Tod ahnte, wie es sein Rechte gewesen wäre. 1670 wurden sie mit Billigung des Königs geschieden. Gyldenlöwe zahlte Marie Grubbe 12.000 Reichstaler aus, die sie aus ihrem mütterlichen Erbe in die Ehe eingebracht hatte. Nach der Scheidung nahm Marie Grubbe wieder ihren Mädchennamen an und unternahm ausgedehnte Reisen, die sie unter anderem nach Paris und nach Nürnberg führten.

Bei der Scheidung wurde Marie Grubbe das Recht zugesprochen, wieder heiraten zu dürfen. 1673 wurde sie auf Betreiben ihres Vaters mit dem Edelmann Palle Clausen Dyre († 1707) verheiratet. 1685 zogen sie auf den Hof ihres Vaters. Dort begann Marie ein Verhältnis mit Søren Sørensen Møller, einem ehemaligen Kutscher ihres Vaters und späteren Landvogt von Tjele. 1690 wandte sich der 85-jährige Erik Grubbe deshalb an den König und bat darum, seine Tochter enterben und lebenslang in einem Kloster arretieren zu dürfen. Marie Grubbe blieb bis zur rechtskräftigen Scheidung 1691 von Palle Dyre auf dem Hof ihres Vaters in Tjele arretiert. Wegen ihres Ehebruchs behielt Dyre ihre Mitgift, so dass sie nunmehr mittellos war.

Mit der Scheidung von Dyre verlor Marie Grubbe ihr elterliches Erbe und ihr wurde untersagt, im Königreich Dänemark ein drittes Mal zu heiraten. Sie schloss demzufolge die Ehe mit ihrem Liebhaber Søren Sørensen Møller 1691 im deutschen Holstein. Das Paar lebte in großer Armut, bis es Møller gelang, eine Fährmannsstelle auf der Insel Falster, nahe Stubbekøbing, zu bekommen. Diese Stelle sicherte mäßig den Lebensunterhalt der Eheleute. Zusätzlich erhielt sie vermutlich eine Unterstützung durch die Königswitwe Charlotte Amalie von Hessen-Kassel. Verwitwet starb Marie Grubbe wohl im Januar 1717 in Allerslev. Ludwig Holberg besuchte sie und schrieb ihre Lebensgeschichte nieder.

Der selbstbestimmte Lebenswandel Marie Grubbes brachte sie in einen Konflikt mit ihrer Gesellschaft und vor allem ihren Standesgenossen. Absolut inakzeptabel aber erschien ihre Verbindung mit einem weit unter ihrem Stand rangierenden einfachen Landarbeiter. Der indiskrete und für die damaligen Verhältnisse ungewohnt souveräne Umgang mit ihrem Leben und vor allem ihren Liebesbeziehungen führte die ehemalige Hochadlige Marie Grubbe an den Rand der Gesellschaft. Diese als Absturz begriffene Biografie wurde von den Zeitgenossen sehr aufmerksam verfolgt und diente literarischen und filmischen Verarbeitungen als Grundlage.

Literarische und filmische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster beschrieb Ludvig Holberg die Lebensgeschichte Marie Grubbes, die er in Gesprächen mit ihr zu Anfang des 18. Jahrhunderts auf Falster aufnahm.

Hans Christian Andersen nahm sich 1869 der Lebensgeschichte Marie Grubbes in seiner Erzählung Hønse-Grethes Familie (dt: Hühnergretes Familie) an.

1876 legte Jens Peter Jacobsen seinen Roman Frau Marie Grubbe vor, der allerdings in einigen historischen Datierungen ungenau und fehlerhaft ist, so zum Beispiel bei der Altersangabe Møllers zum Zeitpunkt des Kennenlernens Marie Grubbes.

1940 wurde ihr Leben in einer Oper von Ebbe Hamerik dargestellt.

1983 veröffentliche Wilhelmine Corinth den Roman Die Fährfrau, das leidenschaftliche Leben der Marie Grubbe.

1990 wurde die Lebensgeschichte Marie Grubbes in einer Koproduktion der DDR, Polens, Ungarns und Dänemarks verfilmt.[1]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]