Marktkirche St. Jacobi (Einbeck)

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Blick vom Marktplatz auf den Ostgiebel der Marktkirche
Innenansicht durch das Mittelschiff zum Altar

Die Marktkirche St. Jacobi in Einbeck ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche am Westende des Marktplatzes. Das gotische Gebäude mit schlankem Westturm aus Buntsandstein steht seit 1988 unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Existenz einer Marktkirche im Jahr 1238 kann indirekt aus einer Urkunde erschlossen werden, in der in Einbeck eine „kleinere Kirche“ erwähnt wird. Da die Stiftskirche St. Alexandri älter und größer ist, muss es sich um die Marktkirche handeln. Dieser Vorgängerbau aus dem frühen 13. Jahrhundert ist archäologisch nur durch ein kurzes bogenförmiges Stück gemörteltes Kalkbruchsteinfundament belegt, vermutlich die Reste einer halbrunden Apsis.

Eine sichere urkundliche Erwähnung der heutigen Kirche findet sich erst 1327. Sie ist eine Pseudobasilika, da die Gewölbe des Mittelschiffs in Höhe der Gewölbescheitel der schmalen Seitenschiffe beginnen. Sie hat einen geradem Ostabschluss und kein Querhaus und mit. Durch bauliche und stilistische Vergleiche wird ein Baubeginn des Langhauses schon um 1270 und ein Abschluss mit der Errichtung des oberen Geschosses einer typisch niedersächsischen Doppelturmfassade im frühen 14. Jahrhundert angenommen. Um die Kirche herum befand sich ein kleiner Friedhof, der mit einer Mauer zur Stadt abgegrenzt war.

Im späten 14. Jahrhundert wurden die Seitenschiffe komplett auf Turmbreite erneuert und Mittel- und Seitenschiffe mit Kreuzrippengewölben versehen, so dass sich für die gesamte Kirche eine Grundfläche von etwa 36 x 23 Metern ergibt. Der Westbau wird als viereckiger Einzelturm weitergeführt, der sich im oberen Teil achteckig fortsetzt, der um 1500 beendet worden ist. Wächterstube und heutige Turmhaube entstanden im Jahr 1543 und wurden nach Blitzeinschlägen mehrfach erneuert. Wegen unzureichender Fundamente im Turmbereich mussten bereits 1471/73 intensive Gewölbesanierungen durchgeführt werden. Das nördliche Seitenschiff musste vollständig erneuert werden. Der 65 Meter hohe, stark nach Westen geneigte Kirchturm erhielt 1741 eine barocke Stützfassade. Trotzdem steht der Turm heute noch etwa 1,50 Meter aus dem Lot und ist als „Schiefer Turm von Einbeck“ bekannt. Eine weitere Turmsanierung erfolgte 1855/56 und im 19. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff und -innere zweimal grundlegend saniert. Vor 1826 wurde am Ostgiebel eine Sakristei angebaut, weiterhin erhielt er nach Entwürfen von Conrad Wilhelm Hase zwei Strebebögen. 1912 wurden die drei Fenster der Ostwand farbig verglast.[1]

Im östlichen Fenster der Südseite befindet sich das Wappen der Einbecker Patrizierfamilie Raven. Der Bürgermeister Jobst Raven stiftete, zusammen mit seinem Bruder Georg, der Marktkirche 1590 neben dem Fenster einen Kelch.[2]

Schäden an der Fassade, die auf mangelhafte Arbeiten in den 1970er Jahren zurückzuführen sind, veranlassten ab 2011 eine weitere grundlegende Sanierung des Turms, die 2014 abgeschlossen sein soll.[3] Die Sanierungsarbeiten werden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) gefördert. Die Restaurierungsarbeiten am Oktogon des Turms wurden bereits 2011 abgeschlossen. Hier wurden fünf der acht Maßwerke des Turms komplett erneuert. Das obere Turmquadrat als nächster Bauabschnitt wurde 2012 fertig saniert und aktuell ist die Sanierung des mittleren bis unteren Turmquadrats bis 2014 in der Durchführung.[4]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde zur Nutzung durch die nahebei wohnenden Bürger gebaut und wird bis heute von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Einbeck (Kirchenkreis Leine-Solling) genutzt. Im 15. Jahrhundert diente sie vorübergehend auch dem Clarissenkloster als Kirche. Das Patronatsrecht gab St. Alexandri im Zuge der Reformation auf Vermittlung von Herzog Philipp I. 1529 auf.[5]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Ausstattung ist ein Tafelaltar aus dem 14. Jahrhundert sowie ein Flügelaltar mit einer Kreuzigungsszene aus dem 15. Jahrhundert erhalten[6], der im 16. Jahrhundert in der Kapelle von St. Spiritus aufgestellt war.

Außerdem sind die beiden Sonnenuhren von 1603[7] und 1790 sowie die Kanzel[8] von 1637 hervorzuheben.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel

Die Orgel baute Johann Friedrich Schulze 1861/2 und Heinrich Schaper reparierte sie zwei Jahre danach.[9] 1961 nahm Rudolf Janke eine Instandsetzung und Veränderung der Disposition nach barockem Vorbild vor.[10] 1984 erfolgte eine erneute Instandsetzung durch die Firma Alfred Führer in Wilhelmshaven.

Das Schleifladen-Instrument hat 24 klingende Stimmen auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[11]

I Hauptwerk C–
Bordun 16′
Prinzipal 8′
Gedackt 8′
Oktave 4′
Quinte 22/3
Oktave 2′
Terzian I-II
Mixtur V
Trompete 8′
II Oberwerk C–
Gedackt 8′
Quintadena 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Nachthorn 2′
Quinte 11/3
Zimbel III
Krummhorn 8′
Pedalwerk C–
Subbass 16′
Violon 16′
Gedacktbass 8′
Violon 8′
Oktave 4′
Oktave 2′
Posaune 16′

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Heege: Einbeck im Mittelalter. Isensee, Oldenburg 2002, ISBN 3-89598-836-7, S. 139–143.
  2. Horst Hülse: DI 42 / Nr. 112, Marktkirche St. Jacobi. In: www.inschriften.net
  3. Die Welt, 7. April 2011
  4. Bachmann & Wille: St. Jacobi Kirche in Einbeck, abgerufen am 18. April 2015.
  5. Johannes Kaiser: Die Reformation im welfischen Territorium, 2011, S. 7
  6. Horst Hülse: DI 42 / Nr. 17, Marktkirche St. Jacobi. In: www.inschriften.net
  7. Horst Hülse: DI 42 / Nr. 135, Marktkirche St. Jacobi. In: www.inschriften.net
  8. Horst Hülse: DI 42 / Nr. 159, Marktkirche St. Jacobi In: www.inschriften.net
  9. Uwe Pape: Heinrich Schaper, August Schaper: Orgelbauer in Hildesheim. 2009, S. 153.
  10. Marktkirche hat wieder ihr Instrument. In: Hannoversche Presse, Ausgabe Einbeck, 13. Juli 1961
  11. Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marktkirche St. Jacobi (Einbeck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 49′ 6″ N, 9° 52′ 0″ O