Martin Torp

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Martin Torp (* 9. Dezember 1957 in Flensburg) ist ein deutscher Komponist, Pianist, Organist und Maler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entstammt einer musikliebenden Theologenfamilie deutsch-norwegischen Ursprungs. Als Schüler erlernte er das Klavier-, Orgel- und Cellospiel, unternahm erste Kompositionsversuche und widmete sich zudem intensiv der Malerei. Nach Abitur und Zivildienst studierte er indische Rhythmik in Varanasi und Kirchenmusik an der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg. 1985 ging er nach Berlin, wo er seither lebt. Trotz eines Gaststudiums bei Volker Stelzmann an der Universität der Künste Berlin (1988/89), mehrjährigem Tonsatzunterricht im Rahmen seines Musikstudiums und privaten Konsultationen bei dem Eisler-Schüler Gerhard Rosenfeld in den Jahren 1997-2001 sah sich Torp auf den Gebieten Malerei und Komposition als Autodidakt. In beiden Bereichen weisen seine Arbeiten ein hohes handwerkliches Niveau und ein klares künstlerisches Profil auf. Als Maler hat er vielfach ausgestellt, und als Organist und Pianist deutschlandweit solistisch konzertiert. Eine von ihm selbst eingespielte CD mit eigenen Klavierwerken wurde vom Bremer Neue-Musik-Label Hastedt produziert. 1998 erhielt er ein Kompositions-Stipendium der Fritz-Berg-Stiftung. Ab dem Jahr 2002 erschienen einige von ihm zusammengestellte CDs mit Musik des 20. Jahrhunderts bei Decca und Deutsche Grammophon. 2005 schuf Martin Torp als einer von acht beauftragten Komponisten zum 450. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens einen Teil des „Oratoriums für den Frieden“, dessen Uraufführung auf CD veröffentlicht wurde. 2008 verlegte der Furore Verlag Torps Orchesterfassung des Klavierzyklus „Das Jahr“ von Fanny Hensel. Kompositionen von Martin Torp wurden von diversen Rundfunk- und Fernsehanstalten im In- und Ausland ausgestrahlt.

Werk und Stilistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torps kompositorisches Schaffen umfasst alle musikalischen Gattungen, mit Ausnahme der Oper. Er schrieb unter anderem ein abendfüllendes Oratorium, eine chorsymphonische Kantate, zwei Sinfonien für großes Orchester, ein Klavierkonzert sowie zahlreiche Kammermusik- und Klavierwerke. Zahlenmäßig überwiegen in seinem Œuvre Kammer- und Klaviermusik. Torp komponiert zumeist in einer erweiterten Form von Tonalität. Auch hat er keine Scheu vor sanglicher Melodik und pulsierender Rhythmik. Manche seiner Kompositionen verarbeiten Einflüsse aus außereuropäischen Musiktraditionen wie der indonesischen und der japanischen, einige weisen Jazz-Prägung auf. Auch avantgardistische Gestaltungsmittel (Cluster, Mikrointervalle, Geräusche etc.) kommen bei Torp gelegentlich vor, in seinen Kompositionen aber meistens nur sehr sparsam dosiert. Für Experimentelles hat er die skizzenhafte Notationsform des „Improvisations-Konzepts“ entwickelt. Diese ermöglicht den Interpreten ein Maximum an Spontaneität und resultiert zumeist in hochkomplex und frisch wirkenden Miniaturen. Als Maler bevorzugt Martin Torp die Abstraktion, die er für besonders musikverwandt hält. Nicht wenige seiner Bilder beziehen sich auf eigene Musik. Phasenweise hat er sich auch der Portrait- und Landschaftsmalerei gewidmet.

Werkverzeichnis (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vokalwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siehe, ich mache alles neu, Oratorium für 5 Soli, Chor und Orchester, 1997-2001
  • Sanctus, chorsymphonische Kantate für Chor, Blechbläser-Ensemble und Schlagzeug, 2009/10
  • Vier Motetten (Text: Gerhard Tersteegen) für Chor a cappalla, 2004
  • Im Licht der Liebe. Vier geistliche Gesänge (Text: Angelus Silesius) für Chor und Orgel, 2004
  • Du führst den Geist ins Weite. Ein geistliches Lied nach Hildegard von Bingen für Bariton, Streichquintett und Schlagzeug, 2005
  • Frühlingslieder (12 Lieder nach eigenen Texten) für mittlere Stimme und Klavier, 2006
  • Die 12 Monate (12 Haiku für Mezzosopran, Violine und Klavier, nach eigenen Texten), 2007
  • Psalm 96 für mittlere Stimme und Orgel, 2007
  • Lust & Liebe (12 Lieder nach Kontaktanzeigen) für mittlere Stimme und Klavier, 2010

Orchesterwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sinfonie Nr. 1 („Berliner Sinfonie“), 2002
  • Sinfonie Nr. 2, 2002/04
  • Klavierkonzert, 2006
  • Sinfonia piccola (Sinfonietta, nach Bildern von Gerhard Richter), 2003/04
  • Cantico delle creature. Streichorchesterfassung vom Finalsatz des Streichquartetts Nr. 2, 1995/99
  • Symphonic Prelude, 2008

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brassphony.Kleine Sinfonie für 10 Blechbläser, 2003
  • Quintett für Klavier und Streichquartett, 1997/98
  • 3 Streichquartette (1992, 1995, 2001)
  • Adagio für Streichquartett, 2001
  • Romanza con Fuga für Saxophonquartett oder Streichquartett, 2000
  • Klaviertrio, 2004
  • Märchenbilder (ein leichtes Klaviertrio), 2006
  • Tripelfuge (Besetzung variabel) 1987
  • Streichtrio, 2009
  • Sonate für Violoncello und Klavier, 2000
  • 4 kleine Stücke für Alt-Saxophon und Klavier, 2001
  • 4 Stücke für Violoncello solo (nach eigenen Bildern), 1993
  • Cantiques d'amour. 7 Miniaturen für Klarinette solo, 2000
  • Meditation für Klarinette solo, 2007
  • Consolations für Violine solo, 2005

Klavierwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 5 Klavierstücke (Präludium, Impromptu, Bagatelle, Nocturne, Capriccio), 1990-95
  • Media vita in morte sumus (zu einem eigenen Bild), 1996
  • Resurrexit (zu einem eigenen Bild), 1996
  • Sonatine, 1999
  • Sonne, Mond und Sterne. Erinnerungen an meine Kindheit (3 Stücke zu eigenen Bildern), 1997/98
  • Märchen der Welt (7 Märchen aus 6 Kontinenten, mit jeweils 9-13 Klavierstücken) 2000-2009
  • Im Mondlicht (Klavierstück zu dem gleichnamigen Bild von Hans Thiemann), 2001
  • Präludium und Fuge, 2003
  • 2 Sonaten (2008 und 2009)
  • Still-Leben. 16 Miniaturen für Klavier, 2008
  • Klee-Blätter. 6 Klavierstücke zu Bildern von Paul Klee, 2008
  • Ikonen. Klavierstücke nach russischen Ikonenmotiven, 2009
  • Orpheus und Eurydike. 5 Stücke für Klavier zu 4 Händen, 1992-94
  • Prima vista. 12 kleine Stücke zu vier Händen, 2005
  • 3 Stücke für die linke Hand, 1998
  • Manus dextra. 3 Klavierstücke für die rechte Hand allein, 2005

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apocalypsis. 7 Orgelstücke zu eigenen Bildern nach der Johannes-Offenbarung, 1992
  • Genesis. 7 Orgelstücke nach Genesis 1,1 - 2,4, 1995
  • Suite in 7 Teilen nach Szenen aus dem Neuen Testament für 2 Spieler an einer Orgel, 1998

Orgel plus 1 Melodie-Instrument[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Triptychon. 3 Meditationen über Farben für Klarinette und Orgel, 1996
  • City-Prayers für Alt-Saxophon und Orgel, 2008
  • Marianisches Triptychon für Alt-Saxophon und Orgel, 2008
  • Sonata d'amore für Oboe d'amore und Orgel, 2010

Improvisations-Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 5 Improvisationen für 2 Klaviere (zu eigenen Bildern), 1991
  • 7 Graphische Notationen für 2 Klaviere, 1991
  • Klangfarben (zwölfteiliger Zyklus zu eigenen Bildern) für Orgel, 1996
  • Modern Art (siebenteiliger Klavierzyklus zu moderner Kunst) 2008

Bearbeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Jahr. Klavierzyklus von Fanny Hensel, für Orchester, 2007/08
  • 14 persische Volkslieder, leichte Arrangements für Klavier, 2000/05

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlos W. Lange: Booklet-Text der CD Martin Torp. Klavierwerke, Label: Hastedt 2009
  • Wolfgang-Andreas Schultz: „Siehe, ich mache alles neu“. Uraufführung des Oratoriums von Martin Torp in Nürnberg, Musica Sacra. Zeitschrift für katholische Kirchenmusik, 124. Jahrgang/Heft 2, März/April 2004, S. 30
  • Robert Anderson: Spiritual Journey. Martin Torp's oratorio ‚Siehe, Ich mache Alles neu‘ Music & Vision. Classical Music Magazine, 18 January 2004, Robert Anderson, London UK
  • Christoph Schlüren: Pittoreskes, Inbrünstiges und „neue Sparsamkeit“ – CD von Martin Torp, Neue Musikzeitung (nmz), Regensburg 13. Dezember 2009

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]