Martinskirche (Grünstadt)

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Die Martinskirche von Nordwesten
Martinskirche Grünstadt von Nordosten

Die protestantische Martinskirche ist das Wahrzeichen und mit ihrem 60 Meter hohen Turm auch das höchste Gebäude von Grünstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünstadt wurde am 21. November 875 erstmals urkundlich erwähnt, als König Ludwig der Deutsche der Abtei Glandern bei Metz dieses Hofgut zurückerstattete. Die Örtlichkeit wird bereits in dieser Urkunde „Grinstat“ genannt und die Besitzrechte sind schon älterer Natur, da sie nur restituiert werden. Diese Siedlung war also wesentlich älter als jene Urkunde von 875, die nichts über den Baubestand aussagt. Es wird von einem Klosterhof mit kleiner Kirche ausgegangen, aus der sich über eine Benediktinerpropstei, die mehrfach neu er- bzw. umgebaute, heutige protestantische Martinskirche mit Grablege des Hauses Leiningen-Westerburg entwickelte. Das Patronat des Hl. Martin von Tours wurde von der Klosterkirche in Glandern übernommen.

Die alte Grünstadter Martinskirche erscheint 1121 erstmals urkundlich. In einer Urkunde von 1212 bekräftigte Bischof Luitpold von Worms dem Kloster Glandern die Rechte an den Martinskirchen in Grünstadt bzw. in Mertesheim und erlaubte, ihre Gefälle zu dessen Nutzen zu verwenden. Dieses Dokument wird bestätigt durch eine weitere Urkunde des Papstes Honorius III., ausgestellt im Lateran, am 27. März 1218.[1] Anstelle der ursprünglichen, wohl gegen 1000 erbauten Kirche entstand zwischen 1493 und 1520, im Auftrag der Abtei Glandern, ein spätgotisches Gotteshaus, dessen Bauinschrift von 1494 noch erhalten ist. Die Bauarbeiten wurden an einen Werkmeister aus Frankfurt vergeben, und somit ist der gotische Kirchenbau wohl der sogenannten Frankfurter Schule am Mittelrhein zuzuordnen. 1549 wird die Kirche als „baufällig“ bezeichnet. Seit 1562 ist sie evangelisch, später war sie zeitweise Simultankirche. 1617/18 entstand der jetzige Turm bis zur Höhe der Galerie.

Die Kirche wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg stark zerstört. Unter Einbeziehung des alten Turmes wurde dann unter Graf Georg Hermann zu Leiningen-Westerburg (1679–1751), der auch den Grundstein legte, in den Jahren 1726 bis 1736 ein neues Langhaus errichtet. Die weiträumige Kirche erhielt fünf Fensterachsen und einen dreiseitig geschlossenen Altarraum. 1738 wurden Emporen eingebaut und 1743 der Turm erhöht.

Am 6. Dezember 1942 brannte das Gotteshaus nach einem Luftangriff vollständig aus. Der 1951 begonnene Wiederaufbau fand 1963 mit der Errichtung des Turmhelms einen Abschluss. Seit 1958 steht in der Kirche die Kanzel des Bildhauers Otto Rumpf. 1986 wurde die Einrichtung vervollständigt. Die Wandvertäfelung wurde in Erinnerung an den früheren Kanzelbaldachin als Rückwand mit halbkreisförmigem Giebel entworfen. Das vor dem Brand gerettete Lutherbild des Malers Johann Adam Schlesinger hat hier einen würdigen Platz gefunden.

Unter den Abendmahlgeräten befindet sich ein Brotteller, von dessen Platte vier gewundene Stäbe aufsteigen und einen flachen Baldachin tragen, auf dem sich das Lamm Gottes erhebt. Die Arbeit wurde von einem Silberschmied in Worms mit der Meistermarke HS im Rechteck gefertigt. Gestiftet hat ihn Gräfin Margaretha zu Leiningen. Einen Kelch aus vergoldetem Silber stiftete Johanna Dorothea zu Leiningen. Feine Ziselierungen finden sich am Schaft und am Nodus sowie an dem profilierten Rand des Kelchfußes. Die Meistermarke „IIH“ lässt keine Zuschreibung zu. Zwei große, silberne Abendmahlskannen sind Stiftungen des örtlichen Brauereibesitzers Johannes Jost (1850–1916).

Am alten Pfarrhaus zu Boßweiler ist die spätgotische Sakramentsnische der alten Martinskirche als Spolie eingemauert. Ihre Entstehung wird um 1500 datiert.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Hummel (Hrsg.): Baukunst in der Evangelischen Kirche der Pfalz. Speyer 1988, ISBN 3925536116.
  • Ludwig Blankenheim: Aus Grünstadts vergangenen Tagen. Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen 1955.
  • Walter Lampert: 1100 Jahre Grünstadt. Stadtverwaltung Grünstadt, 1975, S. 34–39 und 317–319.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Martinskirche (Grünstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Xaver Glasschröder: Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, München, 1903, Seiten 193 bzw. 195, Urkundenregeste Nr. 456 und 459
  2. Landesamt für Denkmalpflege: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Pfalz, VIII. Stadt und Landkreis Frankenthal, Oldenbourg Verlag, München, 1939, Seite 159

Koordinaten: 49° 33′ 45,4″ N, 8° 9′ 51,6″ O