Grünstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum katholischen Priester siehe Peter von Grünstadt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Grünstadt
Grünstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Grünstadt hervorgehoben
Koordinaten: 49° 34′ N, 8° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Dürkheim
Höhe: 161 m ü. NHN
Fläche: 18,09 km²
Einwohner: 12.967 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 717 Einwohner je km²
Postleitzahl: 67269
Vorwahl: 06359
Kfz-Kennzeichen: DÜW
Gemeindeschlüssel: 07 3 32 024
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kreuzerweg 2
67269 Grünstadt
Webpräsenz: www.stadt-gruenstadt.de
Bürgermeister: Klaus Wagner (CDU)
Lage der Stadt Grünstadt im Landkreis Bad Dürkheim
Bad Dürkheim Grünstadt Grünstadt Haßloch Meckenheim (Pfalz) Niederkirchen bei Deidesheim Ruppertsberg Forst an der Weinstraße Deidesheim Wattenheim Hettenleidelheim Tiefenthal (Pfalz) Carlsberg (Pfalz) Altleiningen Ellerstadt Gönnheim Friedelsheim Wachenheim an der Weinstraße Elmstein Weidenthal Neidenfels Lindenberg (Pfalz) Lambrecht (Pfalz) Frankeneck Esthal Kindenheim Bockenheim an der Weinstraße Quirnheim Mertesheim Ebertsheim Obrigheim (Pfalz) Obersülzen Dirmstein Gerolsheim Laumersheim Großkarlbach Bissersheim Kirchheim an der Weinstraße Kleinkarlbach Neuleiningen Battenberg (Pfalz) Neuleiningen Kirchheim an der Weinstraße Weisenheim am Sand Weisenheim am Sand Weisenheim am Sand Erpolzheim Bobenheim am Berg Bobenheim am Berg Dackenheim Dackenheim Freinsheim Freinsheim Herxheim am Berg Herxheim am Berg Herxheim am Berg Kallstadt Kallstadt Weisenheim am Berg Weisenheim am Berg Landkreis Alzey-Worms Worms Ludwigshafen am Rhein Frankenthal (Pfalz) Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Germersheim Neustadt an der Weinstraße Landkreis Südliche Weinstraße Landau in der Pfalz Kaiserslautern Landkreis Kaiserslautern Donnersbergkreis Kaiserslautern Landkreis SüdwestpfalzKarte
Über dieses Bild

Grünstadt [ˈɡʀʏnːʃtat][2] ist eine verbandsfreie Stadt im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz mit rund 13.000 Einwohnern. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, der sie selbst jedoch nicht angehört.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Leiningerland an der Nordgrenze des Pfälzerwaldes ungefähr zehn Kilometer nördlich von Bad Dürkheim an der Kreuzung zwischen der Deutschen Weinstraße und der A 6. Der Hausberg von Grünstadt ist der sogenannte Grünstadter Berg.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Grünstadt selbst (mit etwa 10.000 Einwohnern), gehören noch die Ortsteile Asselheim (ca. 1300 Einwohner) und Sausenheim (ca. 2300 Einwohner) zum Stadtgebiet.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jahresniederschlag ist mit 529 mm sehr niedrig. Er liegt im unteren Zehntel der in Deutschland erfassten Werte. Nur an 7 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Die Niederschläge variieren kaum und sind gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 15 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte bis zur ersten urkundlichen Erwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Peterspark Grünstadt wurden seit römischer Zeit die Toten begraben und dort befand sich die älteste Kirche

Das Gebiet von Grünstadt ist uraltes Kulturgebiet. Im Stadtbereich haben bereits mittelsteinzeitliche Jäger aus der Zeit um 5000 v. Chr. ihre Spuren hinterlassen, ebenso Bauern der Jungsteinzeit um 2000 v. Chr. Aus der Bronzezeit (1500-750 v. Chr.), der Hallstattzeit (700-450 v. Chr.) und der Latènezeit (450 v. Chr. - zur Zeitenwende), sind Siedlungsreste und vielfache Bodenfunde vorhanden.

In der Römerzeit bis zum Jahr 450 n. Chr. bestanden drei Ansiedlungen, eine davon nahe dem heutigen Peterspark. Sie ist eine der Keimzellen Grünstadts und war auch in der merowingischen und fränkischen Periode besiedelt. Dort hatten die Römer ihre Begräbnisstätte und die christlichen Franken übernahmen diese. Möglicherweise bestand hier ein römischer Burgus und eine Tempelanlage, die später zur Kirche wurde. An diesem Platz besaß jedenfalls bereits um 800 das elsässische Kloster Weißenburg eine Peterskirche mit Pfarrhof (wovon letzterer auf die Bedeutung des Ortes hinweist), einen Herrenhof mit großem Wirtschaftsgebäude und 14 Bauernhöfe.

Um die gleiche Zeit bestanden noch eine südliche Siedlung im Bereich der heutigen Martinskirche, die dem lothringischen Kloster Glandern (auch Lungenfeld genannt), im heutigen Longeville-lès-Saint-Avold gehörte und vermutlich dazwischen auch eine mittlere Ansiedlung. Grünstadt entwickelte sich erst allmählich aus diesen drei Einzelsiedlungen. Eine davon - offenbar die südliche - ging auf einen fränkischen Sippenvorsteher mit Namen "Grimdeo" oder "Grindeo" zurück. Keinesfalls leitet sich der Stadtname von der Farbe "grün" ab, wie aufgrund neuzeitlicher Sprachforschungen eindeutig nachgewiesen ist.

875 bis 1500[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünstadt - die Südsiedlung um St. Martin - wurde am 21. November 875 erstmals urkundlich erwähnt, als König Ludwig der Deutsche der Abtei Glandern bei Metz dieses Hofgut zurückerstattete. Die Örtlichkeit wird bereits in dieser Urkunde "Grinstat" genannt und die Besitzrechte sind schon älterer Natur, da sie nur restituiert werden. Diese Siedlung war also wesentlich älter als jene Urkunde von 875, die nichts über den Baubestand aussagt. Es wird von einem Klosterhof mit kleiner Kirche ausgegangen, aus der sich über ein Benediktinerpriorat die mehrfach neu erbaute, heutige protestantische Martinskirche, mit Grablege des Hauses Leiningen-Westerburg entwickelte.

Etwa zeitgleich, um 900, ist auch die nördliche Siedlung des Klosters Weißenburg (beim heutigen Peterspark) in dessen Güterverzeichnis aufgeführt und sogar eingehend beschrieben, mit dem schon erwähnten Besitzstand (Kirche, Pfarrhof, Herrenhaus und zahlreiche Gebäude), der bereits damals auf ein hohes Alter des Ortes schließen lässt. Die Siedlung verschwand später bzw. verlagerte sich nach Süden hin zu den beiden anderen. Die Peterskirche und der zugehörige Friedhof, deren Anfänge wohl schon aus römischer Zeit herrühren, blieben trotzdem und obwohl sie weit außerhalb der späteren Stadt Grünstadt lagen, bis ins 19. Jahrhundert als religiöses Zentrum und Nekropole erhalten. Die mehr als 1000-jährige Kirche hat man 1819 abgebrochen, das alte Patrozinium "St. Peter" ging dabei auf die Kapuzinerkirche (heutige kath. Pfarrkirche) über. Den Friedhof schloss man erst 1874 und wandelte ihn in den heutigen Peterspark um.

1155 wird Grünstadt in einer Urkunde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa genannt, in der er dortige Güter dem Kloster Ramsen schenkt; Papst Honorius III. bestätigt 1218 dem Kloster Glandern den Besitz der Grünstadter Martinskirche; 1245 bescheinigt Papst Innozenz IV. dem Kloster Höningen seinen Besitz in Grünstadt. Um 1300 gab das Kloster Weißenburg seine Grünstadter Besitztümer den Grafen von Leiningen zum Lehen.

1500 bis 1700[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutherisches Gesangbuch, Grünstadt 1757

1481 bis 1505 gehörte Grünstadt zur Kurpfalz, dann wieder zu Leiningen, das 1549 auch den dortigen Besitz des Klosters Glandern (Südteil um die Martinskirche) als Lehen erhielt. (Erst 1735 konnten die Leininger diesen ehemaligen Besitz des Klosters Glandern oder Lungenfeld als ihr Eigentum erwerben.) 1556 verlieh Kaiser Karl V. der Gemeinde die Marktrechte womit sie vom Dorf zum Marktflecken aufstieg. Im Jahr zuvor hatte Graf Philipp I. von Leiningen in seiner Grafschaft das lutherische Bekenntnis verpflichtend eingeführt und die übrigen christlichen Konfessionen (Katholiken und Reformierte) verboten. 1573 übernachtete Heinrich III. von Frankreich, damals noch König von Polen, in Grünstadt.

1596 und 1597 wütete in Grünstadt die Pest, woran in kurzer Zeit über 250 Einwohner starben.

Grünstadt um 1680, stilisierte Darstellung auf Holz, in einem alten Haus der Stadt. Hinten der Grünstadter Berg, links die große Martinskirche, rechts die kleinere Peterskirche, vorn ein Stück Stadtmauer.

Ab 1610 ließen die Grafen in Grünstadt Geldstücke prägen und richteten eine Münze ein.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges blieb die Stadt von größeren Zerstörungen verschont, erneut wütete zwischen 1625 und 1629 jedoch die Pest. Viele Einwohner starben oder verließen die Gegend, in Grünstadt waren zeitweise spanische Soldaten einquartiert. 1673 konvertierte Graf Ludwig Eberhard von Leiningen zum katholischen Glauben und gewährte daraufhin den Katholiken Duldung in seiner Grafschaft. Er ließ die Kapuziner hierher kommen, die bald ein Kloster gründeten aus dem die heutige katholische Pfarrkirche St. Peter und das zugehörige Klostergebäude hervorgingen. 1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, brannten französische Soldaten die Stadt nieder, weshalb es hier nur sehr wenig vorbarocke Bausubstanzreste gibt. Erst 1698 führte man in Grünstadt und der übrigen Grafschaft, die Reform zum Gregorianischen Kalender durch, die man bisher aus religiösen Motiven boykottiert hatte, da sie auf Papst Gregor XIII. zurückging.

1700 bis 1800[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da auch die Stammburgen Altleiningen und Neuleiningen ein Raub der Flammen wurden, siedelten sich die beiden gräflichen Linien ab 1700 in Grünstadt an, machten es zur gemeinsamen Residenz und regierten jährlich abwechselnd. Die Altleininger ließen den alten Glanderer Klosterhof (oder Lungenfelder Hof) bei der Martinskirche zur Schlossresidenz ausbauen, genannt "Schloss Unterhof", die Neuleininger Linie errichtete sich unweit davon den prächtigen Barockbau "Schloss Oberhof" (heute Stadtbücherei, Neugasse 2). Grünstadt blieb für ca. 100 Jahre die Hauptstadt der Grafschaft Leiningen-Westerburg.

Am 6. Juni 1717 weilte der gelehrte Wormser Weihbischof Johann Baptist Gegg in der Stadt, weihte die Kapuzinerkirche (heutige kath. Pfarrkirche St. Peter) und firmte 2000 Personen. Er übernachtete im Kapuzinerkloster und spendete am nächsten Tag die Firmung im nahen Neuleiningen, wo er auch einen Altar konsekrierte.

Barockhaus von Oberschultheiß Johann Peter Schwartz, mit seinen Initialen.

1726 wurde der erste reformierte Gottesdienst in Grünstadt abgehalten. In der Folgezeit waren die Reformierten massiven Unterdrückungen ausgesetzt, die hauptsächlich von der lutherischen Geistlichkeit ausgingen. Sie durften keine eigene Kirche bauen und man verwehrte ihnen das Begräbnis ihrer Toten auf dem örtlichen Friedhof. Diese wurden in einer Scheune bestattet in der sich auch die Gemeinde zum Gottesdienst traf. Besonders der reformierte Schultheiß und Gerbermeister Johann Peter Schwartz setzte sich als Sprecher der Gruppe gegen diese Behandlung zur Wehr. Er schrieb u.a. an Fürstlichkeiten (z.B. an König Friedrich II. von Preußen) und erzwang schließlich die formelle Duldung in der Grafschaft. Unweit seines Wohnsitzes, Neugasse 46 (der heute noch seine Initialen "JPS" trägt), bauten sich die Reformierten - am Platz ihrer alten Scheune - 1740 ein eigenes Gotteshaus, die heutige Friedenskirche.

1729 gründete Graf Georg Hermann zu Leiningen-Westerburg-Altleiningen eine Lateinschule in Grünstadt, als Nachfolgerin der Höninger Klosterschule. Aus ihr entwickelte sich über ein Progymnasium das heutige "Leininger-Gymnasium" der Stadt. Im Ersten Koalitionskrieg fanden zwischen 1793 und 1795 in der Umgebung von Grünstadt Kampfhandlungen statt; österreichische, französische und preußische Besatzung wechselten einander ab. 1794 bezog der spätere Feldmarschall Blücher als Oberst der preußischen Roten Husaren in der Stadt Quartier. Nach örtlicher Überlieferung ritt er mit seinem Pferd am heutigen "Alten Rathaus" die damals noch vorhandene Freitreppe hinauf und hielt eine Ansprache an die Bevölkerung.

1800 bis 1900[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünstadt um 1800, zeitgenössischer Kupferstich

1797 kam Grünstadt im Frieden von Campo Formio – bestätigt durch den Vertrag von Lunéville (1801) – als Kantonsstadt zum französischen Département du Mont-Tonnerre mit Regierungssitz in Mainz. Grünstadt blieb französisch bis 1814. Nach dem Sturz Kaiser Napoleons fiel Grünstadt 1816 an das Königreich Bayern. Es blieb genau 130 Jahre bayerisch, seit 1946 gehört die Gemeinde zum damals neugebildeten Land Rheinland-Pfalz.

Am 14. Juni 1829 besuchten König Ludwig I. von Bayern und seine Gemahlin Königin Therese im Rahmen einer Pfalzreise die Stadt. Der König wohnte in der Kapuzinerkirche einem Hochamt bei und wurde von Pfarrer Bernhard Würschmitt feierlich begrüßt. Am 14. Juni 1849 – auf den Tag genau 20 Jahre später – ritt Prinz Wilhelm von Preußen, der nachmalige Kaiser Wilhelm I. bei der Verfolgung der revolutionären Freischärler von Kirchheimbolanden kommend mit seinem Stab durch die heutige Jakobstraße und die Hauptstraße. Am Stadthaus (heute altes Rathaus) hielten sie an und ein Offizier aus seinem Gefolge sprach von der Freitreppe zu den Bürgern über das Thema "Treue gegen Fürst und Vaterland". Anschließend zog die Militärabteilung weiter nach Süden. 1873 erhielt Grünstadt an der Bahnlinie Bad Dürkheim - Monsheim einen Eisenbahnanschluss mit eigenem Bahnhof.

1900 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegerehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Grünstadter Berg

Durch den Ersten Weltkrieg 1914-18 gab es 164 Tote aus Grünstadt, zu deren Gedenken man 1937 auf dem Grünstadter Berg ein tempelartiges Ehrenmal errichtete.

Im Zweiten Weltkrieg 1939-45 wurde Grünstadt wiederholt Ziel von Luftangriffen, denen u.a. die Martinskirche zum Opfer fiel. Durch die Kriegsereignisse fanden 360 Menschen den Tod; Soldaten und Zivilopfer der Bombardierungen. Auch die sehr alte und bedeutende jüdische Gemeinde der Stadt wurde in dieser Zeit durch Deportation und Auswanderung ausgelöscht, erhalten blieben die barocke Synagoge und der jüdische Friedhof östlich der Stadt. Am 20. März 1945 besetzten US-amerikanische Truppen das Stadtgebiet, französisches Militär folgte ihnen am 7. Juli 1945.

Infolge der Auflösung des Landkreises Frankenthal (Pfalz) wechselte Grünstadt 1969 nach über 150-jähriger Kreiszugehörigkeit in den neuen Landkreis Bad Dürkheim. Am 7. Juni 1969 wurden die bis dahin selbstständigen Orte Asselheim und Sausenheim eingemeindet.[3]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte der jüdischen Gemeinde Grünstadt

Grünstadt war eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden in der Pfalz. 1827 betrug der Anteil der jüdischen Einwohner über zehn Prozent.[4] Von 1608 bis 1933 kann die Geschichte der jüdischen Gemeinde Grünstadt lückenlos nachvollzogen werden. Die Judenverfolgung der Naziherrschaft besiegelte das Schicksal der jüdischen Gemeinde in Grünstadt. Die jüdische Gemeinde Grünstadt hörte auf zu existieren.[5]

Heute

2007 waren 44,4 Prozent der Einwohner evangelisch und 25,5 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat in Grünstadt besteht aus 28 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[7]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP FWG Gesamt
2014 9 11 3 2 3 28 Sitze
2009 8 10 2 2 6 28 Sitze
2004 10 11 2 2 3 28 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Grünstadt e.V.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt gewählter Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2010 Klaus Wagner (CDU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im 19. Jahrhundert aufgrund der Fehlhypothese, Grünstadt sei auf die Farbe Grün zurückzuführen, eingeführte, grüne Stadtwappen und die 1928 daraus abgeleiteten Stadtfarben „Grün-Weiß“ entbehren der geschichtlichen Grundlage. Die Blasonierung des Wappens lautet: In Grün ein rotbewehrter silberner Adler, bewinkelt von vier gleichschenkligen goldenen Kreuzchen. Es wurde 1890 vom bayerischen Prinzregenten Luitpold genehmigt und geht zurück auf ein Gerichtssiegel von 1456.[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünstadt hat eine Städtepartnerschaft mit Hermsdorf (Thüringen). Der Ortsteil Asselheim hat einen Freundschaftsvertrag mit der niedersächsischen Stadt Peine. Weiterhin bestehen Partnerschaften zu den Städten Greenville (Ohio, USA), Carrières-sur-Seine (Frankreich), Bonita Springs (Florida, USA) und Westerburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Grünstadt

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stabausstecken – In Grünstadt hat sich die Tradition des Stabausstecken gehalten bzw. wurde wiederbelebt. Der Stabausumzug mit anschließender Winterverbrennung findet in Grünstadt traditionell Anfang März statt.

Weinwettstreit – Jedes Jahr im Juli findet ein Weinwettstreit auf dem Luitpoldplatz statt, bei dem verschiedene Anbieter aus der Region ihre Weine verkaufen.

Weinbergswanderung – Jedes Jahr im Juni findet die Weinbergswanderung Höllenpfad in Grünstadt-Sausenheim statt, eine öffentliche Wanderung durch die Weinlagen von Grünstadt. Auf einem Rundweg sind in den Weinbergen zehn Stationen aufgebaut, an denen Weine und Speisen verkauft werden.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kant und seine Tischgenossen“ von Emil Doerstling. Dort wurde Grünstadter Wein getrunken. Johann Conrad Jacobi ganz links am Tisch, mit schwarzem Rock und weißen Haaren; rechts daneben Immanuel Kant, einen Brief vorlesend.

Wirtschaftszweige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Alters her spielt der Weinbau eine bedeutende Rolle in Grünstadt und es sind neben einer Winzergenossenschaft eine Vielzahl von privaten Winzerbetrieben im Stadtgebiet ansässig, heute überwiegend in den dörflichen Ortsteilen Sausenheim und Asselheim angesiedelt. Interessant ist diesbezüglich auch die Anmerkung des Gelehrten Friedrich Christian Matthiä (1763–1822), ehemals Gymnasialdirektor in Grünstadt, in einem Brief vom 20. Januar 1821 an seinen Bruder August, dass der Philosoph Immanuel Kant den ihn inspirierenden Wein stets aus Grünstadt bezogen habe.[10] Dieses Getränk dürfte ihm im fernen Königsberg vermutlich sein aus einer hiesigen Wirts- und Weinhändlerfamilie stammender Freund Johann Conrad Jacobi besorgt haben.

Als wirtschaftliches Rückgrat in Grünstadt kann man die Vielfältigkeit der zahlreichen mittelständischen Betriebe bezeichnen. Sie haben sich überwiegend im knapp 100 Hektar großen Gewerbegebiet direkt an der BAB A6 Grünstadt angesiedelt. Neben einigen Produktionsstätten (u.a. Flaschenverschluss-Technik) und Handwerksbetrieben sind auch der Handel mit Großmärkten vertreten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lok 42 der Wincanton Rail im Grünstadter Bahnhof (Juli 2007)

Über die Bundesautobahn 6 (SaarbrückenMannheim) ist Grünstadt an das überregionale Straßennetz nicht nur in Deutschland, sondern auch nach Frankreich und Tschechien gut angebunden. Die Stadt liegt zudem an der Bahnstrecke (die Pfälzische Nordbahn), welche teilweise an der Deutschen Weinstraße entlang in südlicher Richtung nach Neustadt an der Weinstraße führt. Außerdem führt die reaktivierte Eistalbahn in den Pfälzerwald bis zum Eiswoog bei Ramsen. Früher reichte diese Strecke sogar bis Enkenbach. Weiterhin zweigt in Grünstadt die Bahnstrecke Worms–Grünstadt in Grünstadt von der Pfälzischen Nordbahn ab.

Behörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner eigenen Stadtverwaltung beherbergt Grünstadt die Verwaltung der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land, auch wenn die Stadt selbst verbandsfrei ist und nicht zur Verbandsgemeinde gehört.

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünstadt verfügt über ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Frankenthal (Pfalz) und zum OLG-Bezirk Zweibrücken gehört.

Krankenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreiskrankenhaus Grünstadt
1890 bis 1934 Distriktkrankenhaus, jetzt Rathaus

Das Kreiskrankenhaus Grünstadt ist ein kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit den Hauptabteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie / Geburtshilfe, Anästhesie / Intensivmedizin / Schmerztherapie und der Belegabteilung HNO. Der Abteilung für Innere Medizin ist eine geriatrische Tagesklinik für medizinische Rehabilitation angegliedert. Eigentümer und Krankenhausträger ist der Landkreis Bad Dürkheim.

Bis in das Jahr 1890 zurück geht die Krankenhausgeschichte in Grünstadt. Das damalige Distrikt- und spätere Bezirkskrankenhaus im Kreuzerweg — heute das Rathaus — musste jedoch schon 1934 aus finanziellen Gründen schließen. Kurz nach der Währungsreform in Deutschland war es 1951 der Chirurg Dr. Heinrich Pabst, der im Grünstädter Westring ein privates Krankenhaus eröffnete. Das Bergkrankenhaus hatte 42 Betten und den Status einer allgemeinen Krankenstation. Schon damals hatte der Standort Grünstadt einen guten Namen für Bauch- und Unfallchirurgie. Mit der Eröffnung des Kreiskrankenhauses Grünstadt schloss das Bergkrankenhaus seine Pforten. Das Kreiskrankenhaus Grünstadt, damals in Trägerschaft des früheren Landkreises Frankenthal, ging am 1. Januar 1967 in Betrieb. Mit der Gebietsreform im Jahr 1969 und der Auflösung des Landkreises Frankenthal ging das Krankenhaus in das Eigentum des heutigen Landkreises Bad Dürkheim über.

Im Oktober 2007 wurde die neue OP-Abteilung mit vier Operationssälen und einer angegliederten Zentralsterilisation zur Aufbereitung von Operationsinstrumentarium in einem neuen Anbau an das bestehende Krankenhausgebäude in Betrieb genommen. Im Rahmen dieses Bauabschnitts wurden auch ein neuer Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach des neuen OP-Gebäudes geschaffen. In der im August 2008 eröffneten Intensivstation können in 5 Zimmern bis zu 8 Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben drei Grundschulen, einer Gesamtschule (früher Realschule und Hauptschule) existiert das traditionsreiche Leininger Gymnasium (siehe Leininger-Gymnasium), dessen Wurzeln auf der Höninger Lateinschule beruhen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Liste Grünstadter Persönlichkeiten

Erstes Buch zur Grünstadter Heimatgeschichte, Emil Müller, 1904

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Lampert:1100 Jahre Grünstadt, Stadtverwaltung Grünstadt, 1975 (aus diesem Werk, das alle bis dahin erschienenen stadtgeschichtlichen Publikationen zusammenfasste, sind sämtliche Angaben im Abschnitt "Geschichte" entnommen.)
  • Emil Müller: Grünstadt und Umgebung, Schäffer Verlag, Grünstadt, 1904
  • Hans Feßmeyer: Geschichte von Grünstadt, Verlag Emil Sommer, Grünstadt, 1939
  • Dr. Ludwig Blankenheim: Aus Grünstadts vergangenen Tagen, Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen, 1955
  • Walter Lampert: Bewegte Jahre – Grünstadt 1918–1948, Verlag Emil Sommer, Grünstadt, 1985
  • Kyra Schilling, Odilie Steiner, Elisabeth Weber: Jüdisches Leben in Grünstadt, Grünstadt 2007 (Ökumenischer Friedenskreis der protestantischen Kirchengemeinde Grünstadt).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grünstadt – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Grünstadt – Reiseführer
 Wikisource: Grünstadt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Aussprache: Mit kurzem „ü“ und langem „n“, wie in „Gründung“. Der Name der Stadt geht nicht auf die Farbe Grün zurück.
  3. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 178 (PDF; 2,6 MB)
  4. Kyra Schilling, Odilie Steiner, Elisabeth, Weber: Jüdisches Leben in Grünstadt. Grünstadt 2007, (Ökumenischer Friedenskreis der prot. Kirchengemeinde Grünstadt), S.18
  5. Der Vernichtung der jüdischen Gemeinde durch die Nazidiktatur, sowie den Grünstadter Opfern der Reichskristallnacht wurde am 9. November 2007 in einer ökumenischen Gedenkfeier in Grünstadt gedacht. Quelle: Die Rheinpfalz, Unterhardter Rundschau, Samstag 10. November 2007, Nr. 261: Gestern Abend: Andacht und Schweigen: Grünstadt: 69. Jahrestag der Reichspogromnacht - Gottesdienst und Gedenken vor der ehemaligen Synagoge
  6. KommWis, Stand: 31. Dezember 2007
  7. Kommunalwahl Rheinland-Pfalz 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.
  9. Weinwanderung.net, abgerufen am 14. November 2013
  10. Friedrich Christian Matthiä über Kants Wein aus Grünstadt