Max Raebel

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Max Raebel (* 8. Januar 1874 in Bielefeld; † 19. August 1946 in Eisenach) war ein deutscher Komponist, Maler, Skandinavienkenner und Polarforscher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kind eines Cellisten und einer Musiklehrerin besaß Max Raebel eine musikalische Begabung, er trat bereits mit neun Jahren als Klavierspieler vor Publikum auf und erhielt eine Ausbildung an der Weimarer Musikschule. Als Pianist verbrachte er mehrere Jahre in Schweden und Norwegen, wo er seit 1889 als Kapellmeister in Trondheim arbeitete und im Stile der Volksmusik der nordischen Länder komponierte. Er lernte 1896 Edvard Grieg kennen und befreundete sich mit ihm.[1] Leider zerstörte ein Hotelbrand viele seiner Musikalien.

Bereits als Jugendlicher war Raebel, der seit 1879 in Eisenach wohnte, begeisterter Extremsportler, er war von robuster Konstitution und suchte Bestätigung in Langstreckentouren. 1891 absolvierte er in 2½ Tagen einen Marsch von Weimar nach Münster – 327 km. Im Winter 1893 war er der erste Skiläufer, der von Eisenach zum Großen Inselsberg aufstieg. 1900 wagte er in Norwegen im Alleingang eine Skitour über 420 km in sieben Tagen. 1913 bezwang er den Rennsteig – 168,3 km – in voller Länge in 42 Stunden, 21 Minuten – der Rekord wurde erst 1993 eingestellt. Als Pionier nordischer Sportarten führte er das Skisegeln in der Rhön ein und war Mitbegründer des Eisenacher Skiclubs. Die von ihm angeregte Ruhlaer Skihütte wurde 1932 am Rennsteig erbaut und eingeweiht.

Seine körperliche Robustheit und Abenteuerlust verlockten Raebel zu zahlreichen Ausflügen in die norwegische Wildnis und später auch in die arktische Inselwelt. Seine persönlichen Kontakte mit Fridtjof Nansen und Roald Amundsen ermunterten ihn, zeitweise in norwegischen Diensten als Polarforscher tätig zu sein. Er begab sich 1908 nach Spitzbergen in unerforschte Teile des Inselarchipels und führte geologische, kartographische, glaziologische und botanische Untersuchungen aus. Seine präzise Kenntnis der Wetterbedingungen dieser Gegend verschaffte ihm 1910 die Bekanntschaft und Freundschaft mit Ferdinand Graf von Zeppelin, der eine Luftschiff-Expedition in der Region Spitzbergen plante.

Auf seinen Reisen, die ihn auch nach Island, Lappland, zum Nordkap und auf die entlegenen Färöer-Inseln führten, sammelte er viel Material und Wissen, um damit in der Heimat Reisereportagen und Diavorträge zu ermöglichen. Raebel sprach viele skandinavischen Sprachen, beschäftigte sich mit der Geschichte der nordischen Völker und schickte Reiseberichte und Reportagen an deutsche Zeitungen. 1920 weilte er auf Island und besuchte die Jahrtausendfeier des Althing. Eine Eigenart Raebels war es, die an spezielle Freunde in der Heimat gerichtete Post in Runenschrift zu verfassen.

Raebels musische Begabung ermöglichte es ihm, eine Technik zu entwickeln, die Lichtphänomene des Polarlicht zeichnerisch darzustellen. In Norwegen und Deutschland wurde er so auch als der Nordlichtmaler bekannt.

In Norwegen bestritt Raebel seinen Lebensunterhalt als reisender Musiker, Vortragsreisender und Reporter. Ende der 1920er Jahre kehrte er nach Eisenach zurück und hoffte sich auch hier als Reiseschriftsteller betätigen zu können, jedoch kam der Abenteurer mit dem Kleinstadtleben und den wirtschaftlichen Wandlungen der Zeit nicht zurecht und verarmte. 1931 erschien ein Aufruf in der Eisenacher Presse, ihm mit Spenden ein Auskommen in der Heimat zu ermöglichen – zuvor hatte er noch die angebotene Übergabe der norwegischen Staatsbürgerschaft abgelehnt. In Norwegen vom König und der Regierung hoch geehrt, musste er in Eisenach nun ein sehr bescheidenes Leben führen. Gelegentliche Sendungen im Rundfunk und Presseartikel über seine Reisen halfen ihm nur bedingt. Heinrich Alexander Winkler, ein Schriftsteller und Freund aus Jugendtagen, unterstützte ihn nach Kräften und gab ihm neuen Lebensmut. Während des Krieges verschlechterte sich seine Gesundheit zusehends, er verstarb 1946 verarmt und mittellos in einem Eisenacher Krankenhaus. [2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Raebel: Meine Islandfahrt 1928. In: Eisenacher Tagespost vom 25. Juli 1928
  • Max Raebel: Raebels Rhönführer. Eisenach 1928

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Brunner: Taschenlexikon - Eisenacher Persönlichkeiten. Rhinoverlag Weimar 2004. ISBN 3-932081-45-5
  • Heinrich Weigel: Max Raebel, das Universaltalent. In: Heimatblätter – Monatsbeilage der Eisenacher Presse, Folge 48 – Oktober 1994 S. 5-10
  • Heinrich Alexander Winkler: Max Raebel. In: Männer der Thüringer Pforte. Flarchheim 1931, S. 58ff

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Faksimile eines Briefes an Grieg (1894)
  2. Heinrich Weigel Max Raebel, das Universaltalent in Heimatblätter – Monatsbeilage der Eisenacher Presse, Folge 48 – Oktober 1994 S. 5-10

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]