Mehrspurrekorder

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Mehrspurrekorder mit 16 Spuren

Mehrspurrekorder sind Geräte zum Aufnehmen mehrerer Tonquellen gleichzeitig oder hintereinander. Im Unterschied zu einem Mono- oder Stereo-Rekorder bietet der Mehrspurrekorder mindestens zwei von einander unabhängige Tonspuren, die parallel geführt werden. So kann beispielsweise auf einem Vierspurrekorder ein Sänger seinen Gesang viermal hintereinander aufnehmen, hört dabei das zuvor Aufgenommene und singt mit sich im Chor. Das Verfahren war die Schlüsseltechnik für den Erfolg hochwertiger Schallplattenproduktionen ab den 1950er Jahren, weil es die Musiker davon befreite, alles in einem Take einzuspielen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrspurrekorder finden Anwendung im Tonstudiobereich und beim Homerecording. Im Homerecording-Bereich waren lange Zeit Vierspurgeräte der Standard, die mit herkömmlichen Musikkassetten betrieben werden können. Im professionellen Bereich kamen Bandmaschinen mit bis zu 64 Tonspuren zum Einsatz. Waren bis in die 1990er-Jahre hinein vor allem Tonbandgeräte dazu in der Lage, mehrere Spuren unabhängig voneinander analog aufzunehmen, sind sie im 21. Jahrhundert von digitalen Systemen weitgehend verdrängt worden. Dazu zählten zunächst MiniDisc-Mehrspurrekorder und Festplattenrekorder, gefolgt von mp3-Digitalrekordern und vor allem Computersysteme für digital Audio (DAW).

Die Vorläufer der ersten Mehrspurrekorder entstanden in den 1950er-Jahren und boten die Aufnahme auf zwei Spuren parallel, mit dem Ziel einer anschließenden Abmischung nach Mono („Dumping “ von zwei Spuren auf eine). Anfang der 1960er-Jahre kamen Bandmaschinen hinzu, die beide Spuren zeitlich unabhängig voneinander bespielten. Die ersten 4-Spur-Rekorder kamen um 1964 auf den Markt. Aufwändige Musik-Produktionen wie das Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles wären ohne die 4-Spur-Technik nicht möglich gewesen. Wegen der Beschränkung auf vier Spuren war das Dumping die Regel: Man mischte mehrere Spuren auf eine oder zwei herunter, um wieder Platz für weitere Aufnahmen zu bekommen. Dieses Verfahren musste mit Zurückhaltung eingesetzt werden, weil bei den analogen Aufnahmen mit jedem Dumping Klangeinbußen verbunden waren (Generationsverlust).

Im Jahr 1967 kamen die ersten 8-Spur-Maschinen in die Studios. Sie ermöglichten es erstmals, das komplette Arrangement eines Rock-Songs auf einem einzigen Tonband ohne zwischenzeitliches Abmischen aufzunehmen.

Anfang der 1970er-Jahre erweiterte sich die Technik auf 16 Spuren. Darauf basierte das von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommene Album Tubular Bells von Mike Oldfield von 1973. Oldfield hatte für alle Spuren selbst eingespielt.

Professionelle Mehrspur-Bandmaschinen der 1980er Jahren ließen sich synchronisieren. So konnten beispielsweise zwei Geräte mit je 24 Spuren zusammen betrieben werden. Auch Geräte mit 64 Spuren nahmen Einzug in die großen Tonstudios.

Beispiele der Spurbelegung von Mehrspurrekordern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Musik
  • Spur 02: Gesang

4 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Schlagzeug
  • Spur 02: Bass
  • Spur 03: Gitarren
  • Spur 04: Gesang

8 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Schlagzeug links
  • Spur 02: Schlagzeug rechts
  • Spur 03: Bass
  • Spur 04: Rhythmus-Gitarre
  • Spur 05: Lead-Gitarre
  • Spur 06: Gesang
  • Spur 07: Chor
  • Spur 08: Click

Der kreative Vorteil, der sich durch Verwendung von mehr Spuren ergibt, zeigt sich am deutlichsten bei der Aufnahme eines Schlagzeugs. Ein Schlagzeug besteht aus einer Vielzahl von Klangquellen (Bassdrum, Snare usw.), die bei Verwendung von zum Beispiel acht Spuren nicht getrennt voneinander aufgenommen werden können. Bei acht Spuren ist es erforderlich, schon bei der Aufnahme festzulegen, wie laut beispielsweise die Hi-Hat sein soll. Deren Lautstärkepegel lässt sich nachträglich nicht mehr ändern. Erst bei 16 Spuren bietet sich die Möglichkeit, fast alle Klangquellen eines Schlagzeugs getrennt voneinander aufzunehmen, deren Lautstärke auch später noch verändert werden kann.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. Der Weg zu optimalen Aufnahmen. 3., überarbeitete Auflage, überarbeitet von Andreas Schulz. Carstensen, München 2003, ISBN 3-910098-25-8.
  • Wolfgang Junghans: Tonbandgeräte-Praxis (= RPB-Electronic-Taschenbücher. Bd. 9, ZDB-ID 996632-8). 10., ergänzte Auflage. Franzis-Verlag, München 1970.
  • Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. Praktische Einführung in die professionelle Aufnahmetechnik. 5., komplett überarbeitete Auflage. Carstensen, München 2001, ISBN 3-910098-19-3.