Mehrspurrekorder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mehrspurrekorder mit 16 Spuren

Als Mehrspurrekorder werden Audiorekorder zum Aufzeichnen von Ton beziehungsweise Schall bezeichnet, die mindestens zwei voneinander unabhängige Aufnahmespuren besitzen. So kann jede Tonspur einzeln aufgenommen werden, ohne bereits aufgenommene Spuren zu verändern. Außerdem können alle Spuren gemeinsam abgespielt werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrspurrekorder finden Anwendung im Tonstudiobereich und beim Homerecording. Auch Overdubs, beispielsweise nach Konzertmitschnitten, werden mit Hilfe von Mehrspurgeräten eingespielt, um gegenüber dem Studio-Album fehlende Begleitstimmen hinzuzufügen oder um fehlerhafte Passagen zu korrigieren. Mehrspurgeräte werden auch zur Produktion von Hörspielen eingesetzt, denn damit lassen sich nachträglich Geräusche zeitsynchron zur gesprochenen Handlung aufzeichnen.

Die Technik der Mehrspuraufnahme ermöglichte es Künstlern wie zum Beispiel Prince, einzelne Titel und ganze Alben komplett allein einzuspielen, da die Instrumente nacheinander aufgenommen werden können. Auch müssen nicht alle Musiker gemeinsam ihren Part einspielen, sondern sie können zeitversetzt und an verschiedenen Orten ihren Teil vom Stück aufnehmen.

Waren bis in die 1990er-Jahre hinein vor allem Tonbandgeräte dazu in der Lage, mehrere Spuren unabhängig voneinander analog aufzunehmen, sind sie im 21. Jahrhundert von digitalen Systemen weitgehend verdrängt worden. Dazu zählen Minidisc-Mehrspurrekorder, Festplattenrekorder und Computersysteme für digital Audio (DAW = Digital Audio Workstation), die ebenfalls auf Festplatten aufnehmen, im Gegensatz zum Festplattenrekorder aber umfangreiche Funktionen zur Bearbeitung, Abmischung und oftmals auch zum Mastering beinhalten. Die technische Qualität der digitalen Computersysteme verbessert sich besonders im professionellen Bereich ständig. Der momentane Audiostandard der CD von 44,1 kHz Samplingrate bei 16 Bit Auflösung (Redbook-Format) für Audio- und CD-Produktionen wird sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren auf andere, höher auflösende Formate verändern.

Im Homerecording-Bereich waren lange Zeit Vierspurgeräte der Standard, die mit herkömmlichen Musikkassetten betrieben werden können. Heute sind eher acht Spuren das Minimum, weil die Preise gefallen sind. Im professionellen Bereich sind 64 und mehr Tonspuren üblich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Mehrspurrekorder entstanden in den 1950er-Jahren, boten jedoch lediglich die Möglichkeit, in Echtzeit Tonsignale auf zwei Spuren aufzunehmen, die später in der Abmischung nach Mono geregelt wurden. Anfang der 1960er-Jahre entstanden Geräte, die es erlaubten, die beiden Spuren unabhängig voneinander zu bespielen. So wurde beispielsweise auf einer Spur zunächst nur die Musik aufgenommen, um später auf der zweiten Spur unabhängig den Gesang hinzuzufügen.

Die ersten 4-Spur-Rekorder entstanden um 1964. Sie erlaubten einen deutlich kreativeren Umgang der Künstler mit dem Medium, der fortan auch immer intensiver genutzt wurde. Aufwändige Musik-Produktionen wie das Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles wären ohne die 4-Spur-Technik nicht möglich gewesen. Trotzdem war die Technik noch nicht ausgereift. In der Regel wurden die grundlegenden Instrumente eines Liedes live auf vier Spuren aufgenommen, die im nächsten Arbeitsschritt auf ein oder zwei Spuren „heruntergemischt“ wurden, um anschließend weitere Instrumente aufnehmen zu können. Auf diesem Wege waren deutliche Klangeinbußen bei jeder Kopiergeneration unumgänglich (Generationsverlust).

Im Jahr 1967 wurden die ersten 8-Spur-Maschinen gebaut. Sie ermöglichten es erstmals, das komplette Arrangement eines Liedes auf einem einzigen Tonband ohne zwischenzeitliches Abmischen aufzunehmen (einfache Instrumentierung vorausgesetzt).

Anfang der 1970er-Jahre entstanden die ersten 16-Spur-Rekorder, die komplexere Arrangements aufnehmen konnten. Eine breite öffentliche Wahrnehmung erfuhr diese Technik durch das 1973 veröffentlichte Album Tubular Bells von Mike Oldfield, für das dieser fast alle Spuren der überwiegend reich instrumentierten Stücke selbst einspielte.

Seitdem hat sich die Zahl der verfügbaren Audiospuren weiter erhöht. Für eine durchschnittliche Musikproduktion werden in der Regel 24 Spuren verwendet. Professionelle Bandmaschinen lassen sich meist synchronisieren. So können bei erhöhtem Bedarf an Tonspuren beispielsweise zwei Bandmaschinen mit je 24 Spuren zusammen betrieben werden. Es werden auch Geräte mit 64 und mehr Spuren angeboten.

Beispiele der Spurbelegung von Mehrspurrekordern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Musik
  • Spur 02: Gesang

4 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Schlagzeug
  • Spur 02: Bass
  • Spur 03: Gitarren
  • Spur 04: Gesang

8 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Schlagzeug links
  • Spur 02: Schlagzeug rechts
  • Spur 03: Bass
  • Spur 04: Rhythmus-Gitarre
  • Spur 05: Lead-Gitarre
  • Spur 06: Gesang
  • Spur 07: Chor
  • Spur 08: Click

16 Spuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spur 01: Bassdrum
  • Spur 02: Snare
  • Spur 03: Hi-Hat
  • Spur 04: Low Tom
  • Spur 05: Middle Tom
  • Spur 06: High Tom
  • Spur 07: Overhead links
  • Spur 08: Overhead rechts
  • Spur 09: Bass
  • Spur 10: Rhythmus-Gitarre
  • Spur 11: Lead-Gitarre
  • Spur 12: Gesang
  • Spur 13: Gesang (2. Stimme)
  • Spur 14: Chor links
  • Spur 15: Chor rechts
  • Spur 16: Click

Der kreative Vorteil, der sich durch Verwendung von mehr Spuren ergibt, zeigt sich am deutlichsten bei der Aufnahme eines Schlagzeugs. Ein Schlagzeug besteht aus einer Vielzahl von Klangquellen (Bassdrum, Snare usw.), die bei Verwendung von zum Beispiel acht Spuren nicht getrennt voneinander aufgenommen werden können. Bei acht Spuren ist es erforderlich, schon bei der Aufnahme festzulegen, wie laut beispielsweise die Hi-Hat sein soll. Deren Lautstärkepegel lässt sich nachträglich nicht mehr ändern. Erst bei 16 Spuren bietet sich die Möglichkeit, fast alle Klangquellen eines Schlagzeugs getrennt voneinander aufzunehmen, deren Lautstärke auch später noch verändert werden kann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. Der Weg zu optimalen Aufnahmen. 3., überarbeitete Auflage, überarbeitet von Andreas Schulz. Carstensen, München 2003, ISBN 3-910098-25-8.
  • Wolfgang Junghans: Tonbandgeräte-Praxis (= RPB-Electronic-Taschenbücher. Bd. 9, ZDB-ID 996632-8). 10., ergänzte Auflage. Franzis-Verlag, München 1970.
  • Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. Praktische Einführung in die professionelle Aufnahmetechnik. 5., komplett überarbeitete Auflage. Carstensen, München 2001, ISBN 3-910098-19-3.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digital Tape Recording System | Rekorder