Melkfett

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Melkfett zum Schutz der durch das Melken strapazierten Euter von Kühen

Melkfett ist eine Pflegecreme auf Paraffinbasis zum Schutz der Zitzen von Kühen, Stuten und anderen Milchtieren.

Melkfett besteht in der Regel aus Vaseline (ein Nebenprodukt der Erdölraffinerie), Paraffinen[1] und Zusatzstoffen zur Verhinderung von Hautirritationen. In geringer Dosierung sind dem Fett Wirkstoffe, aber keine Antibiotika, zum vorbeugenden Schutz vor Infektionen hinzugefügt.

Man benutzt Melkfett nach dem Melken. Heute gibt es allerdings bessere Dippmittel, welche sowohl durch ihren Jodanteil eine sicherere Keimabtötung bewirken als auch pflegendere Bestandteile enthalten.

Kosmetisches Melkfett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Handel werden verschiedene Kosmetikprodukte unter dem Namen „Melkfett“ angeboten, die mit dem ursprünglichen Melkfett jedoch nur noch dem Namen nach zu tun haben. Kosmetisches Melkfett muss frei von allen schädigenden Substanzen wie Pestiziden sein. Meist werden Melkfettprodukten Stoffe wie Vitamin E, Calendula, Kamille, Sojaöl, Bienenwachs, hautverträgliche Duftstoffe und anderes hinzugefügt.

Anwendung und Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche und mehr oder weniger sinnvolle Anwendung von sogenannten kosmetischen „Melkfetten“:

Beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • bei starker Verhornung der Haut. Die Hautoberfläche wird mit einem isolierenden, wasserundurchlässigen Film überzogen. Dieser Film verhindert das Verdunsten von Sekret und lässt die Hornschicht aufquellen (mit einer nachhaltigen Hydration). So kann Hornhaut leichter gelöst und entfernt werden.
  • zum Schutz vor Temperaturverlust bei winterlichen Bergtouren oder Skifahren. Da durch Melkfett die Abgabe von Wärme vermindert wird, kann es Erfrierungen an den behandelten Hautpartien vorbeugen.
  • als Sonnenschutzmittel. Im Handel ist es bis zum Lichtschutzfaktor sechs erhältlich und vor allem bei Wintersportlern beliebt. Es bietet aber keinen ausreichenden UV-Schutz.
  • als kurzzeitiger Hautschutz (beispielsweise vor aggressiven Flüssigkeiten wie Kot, Urin oder anderen Sekreten, die Hautläsionen hervorrufen).
  • als Haar-Pomade oder Haarwachs gut geeignet und weit verbreitet
  • Anwendung als Gleitcreme beim Sex (wegen des Fettanteils nicht für Latexkondome geeignet)
  • zur Vorbeugung gegen Reibungsverletzungen (Intertrigo) im Laufsport am Oberschenkel/Genitalbereich
  • als Langzeittherapie bei Lichen sclerosus[2]

Die Anwendung von Melkfett kann sinnvoll sein, ist aber nicht unbedenklich.[3] Grundsätzlich verstopfen alle Salben mit hohem Fettanteil durch den isolierenden Film die Poren und wirken daher der physiologischen Hautatmung und dem Temperaturaustausch entgegen.[4] Deshalb müssen sie nach wenigen Stunden wieder entfernt werden. Hierin liegt auch begründet, warum Melkfett in der Pflege nicht mehr als Dekubitusprophylaxe eingesetzt wird. Es gibt heute bessere Substanzen, welche die Porenatmung und den Temperaturaustausch zulassen und ebenso gut schützen.

Weitere Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als umweltfreundlicher Unterwasser-Bewuchsschutz für Motorboote und Segelyachten.
  • Pflege und Schutz von Gegenständen aus Glattleder, z. B. Stiefeln oder Motorradbekleidung.
  • Zur Pfotenpflege bei Hunden.

Zu beachten ist bei allen Anwendungen, dass es zu Kontaktallergien kommen kann (Melkfett-Ekzem).[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Axel Trautmann, Jörg Kleine-Tebbe: Allergologie in Klinik und Praxis: Allergene - Diagnostik - Therapie. Thieme, 2013. ISBN 9783131593528. S. 235.
  2. Manfred Stauber, Thomas Weyerstahl: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, 2007. ISBN 9783131526038. S. 215
  3. Jutta König: 100 Fehler bei der MDK-Prüfung. Schlütersche, 2015. ISBN 9783842686014. S. 101f.
  4. Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde: Grundlagen - Anwendung - Therapie. Thieme, 2014. ISBN 9783830477501. S. 71