Mennonitenkirche Norden

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Mennonitenkirche

Die Mennonitenkirche gehört zu den bemerkenswerten Gebäuden der ostfriesischen Stadt Norden. Sie steht unter Denkmalschutz[1] und befindet sich an der Südseite des weitläufigen Norder Marktplatzes.

Innenansicht

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mennonitenkirche Norden – Historischer Stich

Bei dem Hauptgebäude der Norder Mennonitenkirche handelt es sich um ein ehemaliges Patrizierhaus, das 1662 erbaut und in alten Quellen als das Kettler’sche Haus bezeichnet wurde. Das Gebäude kam 1795 an die Mennonitengemeinde, die es – in Ermangelung eigener Körperschaftsrechte – über den aus Neustadtgödens gebürtigen Norder Kaufmann Doede Lüberrts Cremer erwarb.[2] Im Innern des Hauses wurden anschließend umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt. Im linken Teil des Gebäudes entfernte man die Zwischendecke, sodass ein zweistöckiger Kirchsaal für rund 150 Personen entstehen konnte. Die Innenarchitektur ist übrigens einzigartig unter den deutschen Mennonitenkirchen vom Rokoko geprägt. Einen besonderen Blickfang bildet – abgesehen von Kanzel und Abendmahlstisch – der Deckenschmuck, ein Schablonengemälde aus dem Jahr 1900.

Die marktseitige Fassade zieren so genannte Fruchtgehänge. Die Gebäude rechts und links des Haupthauses wurden erst später erworben und in der Fassadengestaltung dem Hauptgebäude angepasst. Auf dem Dach des Haupthauses befindet sich ein kleiner Kirchturm, der jedoch kein Geläut besitzt.

Zwei bislang privat genutzte Wohnungen innerhalb der Mennonitenkirche wurden 2009 in Gruppenräume umgewandelt und Ende August desselben Jahres ihrer Bestimmung gegeben.[3]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Link-Orgel von 1900

Die Orgel wurde im Jahre 1900 von den Gebrüdern Link erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 12 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Die Trakturen sind pneumatisch.[4]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal 8′
2. Gamba 8′
3. Gedeckt 8′
4. Oktav 4′
5. Traversflöte 4′
6. Oktav 2′
II Brustwerk C–g3
7. Gemshorn 8′
8. Flöte 8′
9. Aeoline 8′
10. Vox celeste 8′
Pedal C–f1
11. Subbass 16′
12. Violon 8′

Mennonitengemeinde Norden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die freikirchliche Mennonitengemeinde in Norden wurzelt in der nordwestdeutschen Täuferbewegung, deren Zentrum für lange Zeit die Stadt Emden war. Ein konkretes Gründungsdatum ist nicht bekannt. Es fand jedoch im Jahr 1556 ein Religionsgespräch zwischen dem Pastor der reformierten Gemeinde und Norder Mennoniten statt.

Bereits vor dem Bau der Kirche besaß die Gemeinde ein eigenes Bethaus (Vermaning). Im 18. Jahrhundert spaltete sich die Gemeinde in eine flämische und waterländische Gemeinde. Im April 1780 kam es schließlich zur Wiedervereinigung beider Norder Gemeinden. Bereits zuvor hatte sich die Mennonitengemeinde in der Krummhörn der flämischen Gemeinde angeschlossen.

Heute besteht die Gemeinde aus etwa 50 Mitgliedern. Mit den Gemeinden Emden, Leer-Oldenburg und Gronau bildet sie einen Zweckverband, der für die Finanzierung des gemeinsamen Pastors Sorge trägt. Daneben hat sich inzwischen eine Mennonitische Brüdergemeinde gebildet, die die Kirche ebenfalls nutzt. Gottesdienste finden an jedem Sonntag statt, einige davon – speziell für russlanddeutsche Gemeindemitglieder – in russischer Sprache.

Die Mennonitengemeinde arbeitet intensiv im ökumenischen Arbeitskreis der ostfriesischen Stadt mit und bezeichnet sich selbst, was ihre theologische Position angeht, als eine liberale Mennonitengemeinde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Hendrik Bas: 200 Jahre Mennoniten-Kirche „Am Markt“ zu Norden, in: Mennonitische Geschichtsblätter Jg. 54 (1997), S. 220–223.
  • Gretje Schreiber: Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich 1994, ISBN 3-925365-79-6
  • Mennonitengemeinde Norden (Hrsg.), Ursula Boll (Mitarb.): 450 Jahre Mennoniten in Norden (1556–2006). Festschrift zum Jubiläum 16.–18.Juni 2006. Mahler, Ellerbek 2006.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mennonitenkirche Norden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Memento vom 12. Januar 2011 im Internet Archive)
  2. Michael Clemens: Artikel Eine Gemeinschaft mit Tradition, in: Ostfriesischer Kurier vom 17. Juni 2006, S. 33
  3. Artikel in Mennonews vom 20. August 2009; eingesehen am 15. Oktober 2009
  4. Informationen zur Orgel

Koordinaten: 53° 35′ 41″ N, 7° 12′ 19″ O