Milchmädchenrechnung

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Mädchen mit vergossener Milch, Illustration von Grandville

Milchmädchenrechnung ist die spöttische Bezeichnung für eine naive Betrachtung oder Argumentation, die wesentliche Aspekte nicht beachtet und zu einem plausiblen, tatsächlich jedoch unzutreffenden Ergebnis kommt. Der Schweizer Begriff Milchbüchleinrechnung kann die gleiche Bedeutung haben, aber auch für eine einfache Buchführungart stehen.

Definition und Herkunftstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mädchen mit zerbrochenem Milchkrug, Illustration von Gustave Doré

Der Begriff „Milchmädchenrechnung“ bezeichnet dem Duden zufolge eine auf Trugschlüssen oder Illusionen beruhende Rechnung.[1] Der Begriff geht auf die Fabel Die Milchfrau und die Milchkanne (La Laitière et le Pot au Lait) von Jean de La Fontaine zurück. Erzählt wird die Geschichte eines Milchmädchens, das sich auf dem Weg zum Markt bereits vorstellt, was es mit dem Erlös für die Milch – und wiederum von dem Gewinn aus dem Erworbenen und immer so weiter – alles kaufen könne, zuletzt aber unversehens die Milch verschüttet.[2]

„Auf dem Kopf trägt [die Magd] Perrette eine Kanne voll Milch […] sie starrt auf das vergoßne Glück.“[3]

Eine andere Erklärung verweist auf das Fingerrechnen von Milchmädchen der Meierei C. Bolle in Berlin, die auch kassierten und ihre Rechenoperationen mit den Fingern beider Hände durchführten. Auf diese Weise soll zumindest das Milchmädchen Anna Schnasing den Preis für die von ihr ausgelieferte Milch berechnet haben.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Bartz: Die Ergebnisse der Milchmädchenrechnungen. In: Wirtschaft von A bis Z. Frankfurt am Main 2002, S. 305–307.
  • Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Die Milchfrau. In: Projekt Gutenberg-DE. Abgerufen am 13. August 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Milchmädchenrechnung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Milchmädchenrechnung. In: Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage, Bibliographisches Institut (Dudenverlag), Mannheim 2006, ISBN 3-411-05506-5
  2. Milchmädchenrechnung. Duden
  3. La Fontaine: Die Fabeln. 1. Auflage. Eugen Diederichs Verlag, 1964
  4. Herbert Cerutti: Zahlen bitte – Milchmädchenrechnung. In: NZZ-Folio. Mai 1999, abgerufen am 13. August 2012.