Heinrich Clauren

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Heinrich Clauren, Lithographie von Friedrich Fleischmann nach Wilhelm Hensel
Von Clauren gewidmetes Grabmal für seine Mutter Karoline Christiane Elisabeth Heun (1743–1776) in der Klosterkirche Doberlug
Schwester Charlotte Kanitz im Jahre 1791, Schriftstellerin

Heinrich Clauren (* 20. März 1771 in Dobrilugk (Lausitz); † 2. August 1854 in Berlin; eigentlich Carl Gottlieb Samuel Heun) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gottlieb Samuel Heun war der Sohn des Amtmanns und Rittergutbesitzers Carl Heinrich Heun (1690–1761) und seiner Ehefrau Karoline Christiane Elisabeth Heun (1743–1776). Carl Gottlieb Samuel Heun widmete sich schon während des Studiums dem Schreiben. Für sein literarisches Schaffen benutzte er das Pseudonym H. Clauren, ein Anagramm für Carl Heun. Sein Studium der Rechte in Göttingen und Leipzig von 1788 bis 1790 schloss Clauren mit einer Promotion in Jura an der Universität Leipzig ab.

Im Anschluss daran nahm er in Berlin eine Stelle als Privatsekretär bei Minister Friedrich Anton von Heynitz an. 1792 wurde er Geheimsekretär in einer Abteilung des Generaldirektoriums des preußischen Staates. Einige Zeit später wurde er als Assessor zum Bergwerk- und Hüttenamt versetzt. 1800 erlangte er den Titel eines Kommissionsrats.

Ein Jahr zuvor heiratete Clauren in Leipzig Henriette Breitkopf. Mit ihr hatte er einen Sohn.

Heun trat schon als Student 1791 der Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig bei. 1803 wurde er Mitglied der Freimaurerloge Archimedes zum Reißbret in Altenburg, um 1805 die Loge Archimedes zum ewigen Bunde in Gera mit zu gründen, der er bis zu seinem Tod angehörte; er blieb zugleich Ehrenmitglied der Minerva.[1]

In den Jahren 1801 bis 1810 verwaltete er die Güter des Kanonikus von Treskow in den polnischen Provinzen. Zur selben Zeit war er auch stiller Teilhaber eines Leipziger Buchhändlers und Mitherausgeber der Jenaer Allgemeinen Literatur-Zeitung.

1810 kehrte Clauren nach Berlin zurück, wurde Hofrat bei Karl August von Hardenberg, Redakteur der im preußischen Hauptquartier erscheinenden Feldzeitung und nahm an den Feldzügen 1813/14 im Hauptquartier teil. 1813 erschien sein Lied Der König rief und alle, alle kamen / Die Waffen muthig in der Hand, dessen Anfangszeile zum geflügelten Wort wurde. 1814 wurde er Ritter des Eisernen Kreuzes. 1815 wohnte er dem Wiener Kongress bei.

Zwischen 1815 und 1819 war er preußischer Geschäftsträger in Sachsen und übernahm 1820 den Posten des Redaktionsleiters der Allgemeinen Preußischen Staatszeitung. Ab 1824 war er als Geheimer Hofrat beim Generalpostamt angestellt.

Claurens Erfolg als Schriftsteller begann mit der Erzählung Mimili (1816), einer Liebesgeschichte zwischen einem mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichneten deutschen Offizier und einer Bergbauerntochter im Berner Oberland, die sich der seit Jean-Jacques Rousseaus Briefroman Julie oder Die neue Heloise modischen Romantisierung der Schweizer Alpenwelt und ihrer Bewohner bedient und wie die Vorlage den Kampf der Tugend gegen das Begehren beschreibt. Damit wurde er zu einem Liebling des großen Lesepublikums und zu einem Vielschreiber, der in der Folgezeit jährlich mehrere Romane und Erzählungen verfasste.[2] Allein die von 1827 bis 1830 im Verlag von August Friedrich Macklot in Stuttgart erschienenen Schriften umfassen in 80 Bändchen rund 7.200 Seiten. Daneben schrieb Clauren auch eine ganze Reihe von Theaterstücken, namentlich Lustspiele, von denen sich einige lange im Bühnenrepertoire hielten. Es erschienen auch Übersetzungen in mehrere Sprachen; eine in Blackwood's Edinburgh Magazine 1828 erschienene (sehr freie) Übersetzung der Erzählung Das Raubschloss soll Edgar Allan Poe zu seiner Novelle The Fall of the House of Usher angeregt haben.[3]

1825/1826 – Clauren war mittlerweile einer der meistgelesenen deutschen Erzähler – kam es zu einem literarischen Skandal, als Wilhelm Hauff, als persiflierenden Frontalangriff auf die zeitgenössische Trivialliteratur insgesamt, in der Manier Claurens und unter dessen Pseudonym einen Roman veröffentlichte: Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Hauff verschärfte den Angriff nochmals mit der 1827 veröffentlichten Kontroverspredigt über H. Clauren und den Mann im Monde, in der er die Absicht seiner Parodie, Clauren lächerlich zu machen, offenlegte und die Trivialität der Inhalte und des Schreibstils von Clauren bewusst polemisch analysierte.

Heinrich Heine verhöhnte Clauren im 14. Kapitel seiner Ideen. Das Buch Le Grand. Er nannte Clauren einen „Sänger der Korallenlippen, Schwanenhälse, hüpfenden Schneehügelchen, Dingelchen, Wädchen, Mimilichen, Küßchen und Assessorchen“.[4] In einem (nicht veröffentlichten) Entwurf dieses Kapitels hatte er geschrieben: „Clauren ist jetzt in D[eutsch]land so berühmt, daß man in keinem Bordell eingelassen wird, wenn m[an] ihn nicht gelesen hat.“[5]

Dem Erfolg des Angegriffenen beim zeitgenössischen Publikum schadete dies allerdings nicht: Bis 1834 veröffentlichte Clauren jährlich einen neuen Band seines Vergißmeinnicht; insgesamt 26 Bände. Auch seine Sammlung Scherz und Ernst erfreute sich schier ungebremster Nachfrage und wuchs schlussendlich auf 40 Bände.

Ungefähr seit neun Jahren Witwer, heiratete Clauren 1831 in Berlin Friederike Sophie Hambrauer. Mit ihr hatte er zwei Töchter. Er starb als Geheimer Hofrat mit 83 Jahren in Berlin.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Leipziger Buchhändler und Verleger Georg Joachim Göschen war mit Claurens Schwester Henriette Heun (1765–1850) verheiratet. Seine zweite Schwester Charlotte Kanitz heiratete in erster Ehe 1792 in Leipzig den evangelischen Buchhändler und Bibliographen Johann Wilhelm Immanuel Heinsius (1768–1817).[6]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinrich Clauren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lennhoff/Posner: Internationales Freimaurerlexikon. Unveränd. Nachdruck der Ausg. 1932. Wien, München 1975, Sp. 695. W. F. Kunze: Die Mitglieder der… Loge Minerva zu den drei Palmen… Leipzig 1860, S. 24. Robert Fischer: Die Freimaurerloge Archimedes zum ewigen Bunde in Gera. Gera 1904, S. 203, 216.
  2. Gustav Sichelschmidt: Liebe, Mord und Abenteuer. Eine Geschichte der deutschen Unterhaltungsliteratur. Haude und Spener, Berlin 1969, S. 120.
  3. Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen französischer Revolution und Restauration, Teil 2: Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege und der Restauration, 1806–1830. C.H. Beck, München 1989, ISBN 3-406-09399-X, S. 541. Weniger eindeutig sieht dies Kuno Schumann: Anmerkung zu „Der Fall des Hauses Ascher“. In: Edgar Allan Poe: Werke, Bd. 1: Erste Erzählungen, Grotesken, Arabesken, Detektivgeschichten. Deutsch von Arno Schmidt und Hans Wollschläger. Walter, Olten 1966, S. 1027.
  4. Heinrich Heine: Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke. Herausgegeben von Manfred Windfuhr (Düsseldorfer Heine-Ausgabe). Bd. 6: Briefe aus Berlin. Über Polen. Reisebilder I/II. Hoffmann und Campe, Hamburg 1973, S. 212.
  5. Heinrich Heine: Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke. Herausgegeben von Manfred Windfuhr. Bd. 6: Briefe aus Berlin. Über Polen. Reisebilder I/II. Hoffmann und Campe, Hamburg 1973, S. 332.
  6. Göschenhaus-Journal, Ausgabe 1/2015 (Januar, Februar und März 2015), S. 9–10.
  7. Susanne M. Zantop: Kolonialphantasien im vorkolonianen Deutschland (1770-1870), Erich Schmidt Verlag, 1999, S. 305, ISBN 3-503-04940-1, abgerufen am 15. Februar 2013
  8. Plakat des Theater in Düsseldorf vom 26. November 1824, abgerufen am 15. Februar 2013