Milzener

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Die Milzener waren ein westslawischer Stamm in dem Gebiet der heutigen Oberlausitz, der erstmals in der Beschreibung des Bayerischen Geographen aus der Mitte des 9. Jahrhunderts erwähnt wird. Hier wurden ihm 30 civitates – Siedlungskammern, möglicherweise schon mit einer zentralen Burganlage in der Mitte der zugehörigen Siedlungen – zugeschrieben.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genaue Abgrenzung des Siedlungsgebietes der Milzener ist in der Forschung umstritten. Es umfasste im Wesentlichen eine Gefildelandschaft mit fruchtbaren Lößböden und einer Ausdehnung von etwa 50 Kilometern in Ost-West- und etwa 20 Kilometern in Nord-Süd-Richtung. Die Grenze nach Norden dürfte die sumpfige und teilweise unfruchtbare Ebene und nach Süden das Lausitzer Bergland gebildet haben. Im Westen bildet der Höhenzug des Westlausitzer Hügel- und Berglandes westlich und südwestlich von Kamenz einen natürlichen Riegel. Nach Osten, zum benachbarten Gebiet (der) Besunzane um Görlitz und evtl. um Lubań (Lauban), ist die Abgrenzung weniger deutlich. Nach den Milzenern wurde die Region um Bautzen in den schriftlichen Quellen des 10. bis 12. Jahrhunderts als Gau Milsca (vgl. Thietmar von Merseburg) bezeichnet. Bis heute lebt in der Region das slawische Volk der Sorben, die von den Milzenern abstammen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens im frühen 8. Jahrhundert dürften die Milzener aus dem heutigen Polen in das beschriebenen Gebiet eingewandert sein. Sie gründeten kleine Siedlungen im Offenland und an Flusstälern und machten Bautzen zu ihrem Fürstensitz. Ihre ca. 250 Siedlungen umfassten meist nur wenige Bauernstellen, die zu einer Großfamilie gehörten, mit (geschätzt) insgesamt 6.500 Einwohnern.[1] Um 932 wurden die Milzener von Meißen aus durch König Heinrich I. unterworfen und gerieten in „Zinsabhängigkeit“.[2] Nach dem Tode Heinrichs im Jahr 936 konnten sie die deutsche Herrschaft vorübergehend abschütteln, 990 wurden sie wohl endgültig tributpflichtig. Um 1000 setzte die Christianisierung ein. 1013 wurde das Gebiet der Milzener im Frieden von Merseburg als Reichslehen König Bolesław I. von Polen zugesprochen. Dieser Beschluss wurde wohl 1018 im Frieden von Bautzen erneuert, bis das Milzenerland 1031 wieder an die Mark Meißen und 1076 an Herzog Vratislav II. von Böhmen fiel. Seit dem 11. Jahrhundert erweiterten die Milzener ihr Siedlungsgebiet durch Rodung, doch schon Ende des 11. Jahrhunderts setzte die deutsche Besiedlung mit der Errichtung von Waldhufendörfern ein.

Bis zum 10. Jahrhundert waren die Besunzane vermutlich in den Milzenern aufgegangen, da ihr Stammesname nicht mehr erwähnt wurde. Die Spuren der Milzener (als Stammesname) verlieren sich im 12. Jahrhundert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtmuseum Bautzen (Hrsg.), Matthias Wilhelm (Text): Milceni et Silensi – Die Oberlausitz und Schlesien um das Jahr 1000 in der Zeit des Boleslaw Chrobry. Begleitheft zur Gemeinschaftsausstellung des Muzeum Miejskie Wroclawia, Abteilung Archäologisches Museum mit dem Stadtmuseum Bautzen vom 17. Juni bis zum 11. November im Stadtmuseum. Bautzen [2001]; DNB 965021084.
  • Joachim Meffert: Die Ortenburg in Bautzen: Der archäologische Forschungsstand und die Ausgrabungen von 1999 bis 2001. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 44 (2002), S. 75–177; ISSN 0402-7817.
  • Jasper von Richthofen: Die Landeskrone bei Görlitz – eine bedeutende slawische Befestigung in der östlichen Oberlausitz. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 45 (2003), S. 263–300; ISSN 0402-7817.
  • Jasper von Richthofen (Hrsg.): Besunzane, Milzener, Sorben: die slawische Oberlausitz zwischen Polen, Deutschen und Tschechen. Schriftenreihe der Städt. Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz N.F. Bd. 37. Oettel, Görlitz, Zittau 2004; ISBN 3-932693-90-6.
  • Karin J. Sczech: Archäologische Untersuchungen zu Bautzen in der Oberlausitz in slawischer Zeit. Archäologische Forschungen am GWZO. Berichte und Beiträge des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. 2003, S. 49–64; DNB 972564888.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Bayer: Der sächsische Jakobsweg an der Frankenstraße - eine historische Spurensuche. o.J., S. 48.
  2. Thietmar von Merseburg: Chronik I 16.