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Mohamed Badawi

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Mohamed Badawi (* 1965 in Omdurman, Sudan) ist ein aus dem Sudan stammender Hochschullehrer, Sprachwissenschaftler, Dolmetscher und Verlagsleiter. Daneben ist er Musiker und Gründer des „Sudan Education Project“, von 2019 bis 2024 war er Mitglied des Gemeinderats der Stadt Konstanz.

Badawis Familie gehört zu den Anhängern des Sufi-Ordens der Qadiriyya. Sein Vater war Erziehungsminister, die Mutter betrieb private Mädchenschulen im Sudan.[1] Badawi lebt seit 1984 in Europa. Von 1984 bis 1993 studierte er Romanistik, Arabistik, Theoretische Linguistik und Deutsch an den Universitäten in Lyon und Konstanz. Im Anschluss an sein Studium promovierte er 1997 an der Universität Konstanz im Fachbereich Sprachwissenschaft. Seither lebt er mit seiner Familie in Konstanz.[2] Badawi arbeitet als Dozent für Arabisch am Sprachlehrinstitut dieser Universität. Er ist außerdem vereidigter Übersetzer zwischen Arabisch und Deutsch.[3]

2019 wurde Badawi für die Konstanzer Wählervereinigung Freie Grüne Liste von mehr als 25.000 Wählern und der höchsten Stimmenzahl aller Kandidaten in den Gemeinderat der Stadt Konstanz gewählt.[4] Kurz danach erhielt er laut einem Bericht im Südkurier eine anonyme Mail mit rassistischen Anfeindungen, von der er sich jedoch nicht einschüchtern lassen wollte.[5] Mit Ablauf seiner Amtszeit im Gemeinderat schied er im Jahr 2024 aus diesem Gremium aus.

Badawi ist Gründer, Komponist und Sänger der Gruppen Badawi Band, Diwan und El Nour Ensemble. Neben dem Gesang spielt er auch Oud und Perkussion.[6] In musikalischen Projekten spielte er unter anderem mit Hubl Greiner und der Südwestdeutschen Philharmonie zusammen.[7]

„Sudan Education Project“

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Badawi ist außerdem der Gründer des „Sudan Education Projects“. Dafür entwarf er ein Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im Großraum Khartum, der „Nihal European University“, und zum anderen werden Straßenkinder gefördert, indem ihnen Musikunterricht erteilt wird. Nach Beginn des Kriegs im Sudan musste dieses Projekt 2024 beendet werden.[7]

Verleger und Journalismus

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Badawi ist Autor mehrerer Arabisch-Lehrbücher und Herausgeber der As-Sabil Sammelbände für Kulturpluralismus, die sich mit Kultur und Religion der arabischen Welt befassen. Außerdem ist er Inhaber des Verlags Badawi artes afro arabica.[8] In seinem Verlag Dar Badawi hat er Bücher auf Arabisch zu Literatur, Philosophie und Religion arabischer Autoren herausgegeben.[9] Dazu zählen unter anderem das Theaterstück Achtung Schrödinger des sudanesischen Schriftstellers Abdelaziz Baraka Sakin.[10] Weiterhin zählt eine Neuausgabe der arabischen Übersetzung von Goethes West-östlichem Divan zum Programm.[11]

Im November 2023 veröffentlichte Badawi einen Meinungsartikel über den Gaza-Krieg, in dem er einen Waffenstillstand und eine internationale Intervention forderte, die zu Verhandlungen, einer dauerhaften und gerechten Friedensregelung und schließlich zu einem freien, souveränen und unabhängigen Palästina führt.[12]

Veröffentlichungen

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  • Mohamed Badawi, Christian A. Caroli: As-Sabil. Praktisches Lehrbuch zum Erlernen der Arabischen Sprache der Gegenwart, Band 1. Konstanz 2005, ISBN 978-3-938828-01-4.
  • Mohamed Badawi, Christian A. Caroli: As-Sabil – Sammelbände für Kulturpluralismus, Band 1 (Europa und der Islam). Konstanz 2007, ISBN 978-3-938828-04-5.
  • Mohamed Badawi, Christian A. Caroli: As-Sabil: Grundlagen der arabischen Schrift. Konstanz 2008, ISBN 978-3-938828-17-5.
  • Mohamed Badawi, Christian A. Caroli: As-Sabil: Grundlagen der arabischen Verblehre. Konstanz 2008, ISBN 978-3-938828-14-4.
  • Mohamed Badawi, Christian A. Caroli: As-Sabil – Sammelbände für Kulturpluralismus, Band 2 (Das Aufeinandertreffen von Kulturen). Konstanz 2009, ISBN 978-3-938828-26-7.
  • Mohamed Badawi, Selma Badawi, Kharina Plöger (Zeichnungen): Amina die Trommlerin (Kinderbuch). Badawi Artes Afro Arabica, 2005. ISBN 978-3-938828-00-7.

Einzelnachweise

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  1. Grace Yoon: Zwischen Khartum und Konstanz. In: www.swr.de. 7. November 2019, abgerufen am 9. Oktober 2022.
  2. As-Sabil. Praktisches Lehrbuch zum Erlernen der Arabischen Sprache der Gegenwart, Band 1. Konstanz 2005, ISBN 978-3-938828-01-4, Klappentext (Memento vom 25. Juli 2011 im Internet Archive)
  3. Beitrag - Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
  4. Claudia Wagner: Konstanz: „Vielleicht braucht es mehr frischen Wind“. 27. Mai 2019, abgerufen am 19. November 2019.
  5. Andreas Schuler: Konstanz: Schock in den Morgenstunden: Der künftige Konstanzer Stadtrat Mohamed Badawi erhält eine Mail mit rassistischem Inhalt. Südkurier, 4. Juni 2019, abgerufen am 14. Februar 2022.
  6. Halt durch Musik. Stadt Konstanz, 2023, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  7. a b mohamed-badawi.de (Memento vom 3. Mai 2013 im Internet Archive). Website von Mohamed Badawi. Abgerufen am 3. April 2010.
  8. „Badawi artes afro arabica“ Verlag Abgerufen am 3. April 2010.
  9. الرئيسية - دار بدوي للكتاب. Dar Badawi - دار بدوي للكتاب, 10. November 2020, abgerufen am 6. Dezember 2025 (arabisch).
  10. Abdelaziz Baraka Sakin: Achtung Schrödinger. Dar Badawi, 2024, abgerufen am 6. Dezember 2025 (arabisch).
  11. Diwan Goethe الديوان الشرقي للشاعر الغربي - دار بدوي للكتاب. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (arabisch).
  12. Nahostkonflikt: Mohamed Badawis umstrittener Beitrag. In: seemoz. 8. November 2023, abgerufen am 6. Dezember 2025.