Qādirīya

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Die Qādirīya (arabisch ‏قادرية‎, DMG Qādirīya) auch transkribiert: Kadri, Elkadri, Elkadry, Qadiri, Qadri, türkisch: Kadiri; ist ein Sufi-Orden, der sich auf den persischen Mystiker ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī (1088–1166) zurückführt und einer der weitestverbreiteten Orden in der islamischen Welt ist. Heute finden sich Anhänger in China, Indien, Pakistan, dem Nordkaukasus, der Türkei, den Balkan-Staaten sowie in West- und Ostafrika.

Die Ausbreitung des Ordens nach Westafrika geht auf das Wirken von Kunta-Gelehrten des 18. Jahrhunderts zurück. Bedeutende Vertreter der Qādirīya waren hier Usman dan Fodio, der Gründer des Sokoto-Kalifats, und Amadu Bamba, der Gründer der Murīdīya. Kunta Haddschi Kischijew führte den Orden um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Nordkaukasus ein.

In Ostafrika wurde die Qādirīya durch Scheich Uwais (1847–1909) und ʿAbd al-ʿAzīz ibn ʿAbd al-Ghanī al-Amawī (1838-1896) eingeführt, die beide aus Baraawe stammten. Uwais reiste 1884 nach Sansibar und ließ dort den komorischen Gelehrten Muhammad ibn Adam Mkelle als seinen Stellvertreter (ḫalīfa) zurück.[1] Scheich Mjana Kheri führte den Orden im späten 19. Jahrhundert bei den Plantagen-Sklaven von Sansibar ein.[2] Ein komorisch-sansibarischer Gelehrter namens ʿĪsā ibn Ahmad al-Indschazīdschī, auch "Issa d'Itsandra" genannt, der als Stellvertreter von Uwais in Lindi fungierte, brachte den Orden 1905-06 nach Ilha de Moçambique.[3]

In Ostafrika gab es in der Qādirīya mehrfach Debatten über den richtigen Dhikr. Während Uwais und seine Anhänger einen Husten-Dhikr (zikri ya kukuhoa) praktizierten, der Techniken des rhythmischen Ein- und Ausatmens einschloss, verurteilte Al-Amawī diesen Dhikr als eine Bidʿa und empfahl seinen Trommel-Dhikr (zikri ya dufu), der aber seinerseits von anderen Gelehrten als Bidʿa betrachtet wurde.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anne K. Bang: Islamic Sufi Networks in the Western Indian Ocean (c. 1880-1940). Ripples of Reform. Brill, Leiden-Bosten, 2014. S. 47-67.
  • Arthur F. Buehler: The Indo-Pakistani Qadiriyya. An Overview. In: Journal of the History of Sufism. Bd. 1/2, 2000, ISSN 1302-6852, S. 339–360.
  • Abd-al-Aziz Abd-Allah Batran: The Qadiryya Brotherhood in West Africa and the Western Sahara: The Life and Times of Shaykh Al-Mukhtar Al-Kunti (1729 – 1811). Rabat 2001.
  • Charles C. Stewart, Elizabeth K. Stewart: Islam and social order in Mauritania. A case study from the nineteenth century. Clarendon Press, Oxford 1973, ISBN 0-19-821688-2 (Biografie von Sidiya al-Kabir, Qadiriyya-Gründer bei den Kunta).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Bang: Islamic Sufi Networks. 2014, S. 48, 52.
  2. Vgl. Bang: Islamic Sufi Networks. 2014, S. 50.
  3. Vgl. Bang: Islamic Sufi Networks. 2014, S. 56.
  4. Vgl. Roman Loimeier: "Tradition of Reform, Reformers of Tradition. Case Studies from Senegal and Zanzibar/Tanzania" in Zulfikar Hirji (ed.): Diversity and Pluralism in Islam: Historical and Contemporary Discourses amongst Muslims. Tauris, London, 2010. S. 135-162. Hier S. 157-159.