Multi-Channel-Network

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Als Multi-Channel-Network (kurz MCN oder Netzwerk, wortwörtlich übersetzt ‚Viel-Kanal-Netzwerk‘) bezeichnet man Unternehmen, die auf Videoportalen wie YouTube tätig sind und dort Webvideoproduzenten Unterstützung bieten bei „Videoproduktion, Vermarktung und Promotion, der Monetarisierung, digitaler Rechteverwaltung und Publikumsentwicklung“.[1] Im Gegenzug sind sie an den Werbeeinnahmen des Kanals beteiligt. Dazu schließen die Netzwerke entweder Verträge mit bereits bestehenden Kanälen oder produzieren eigene Kanälen.[2]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes Multi-Channel-Network gilt das 2009 in den USA gegründete Maker Studios. Multi-Channel-Netzwerke unterstützen Webvideoproduzenten in mehreren Bereichen, die angebotenen Leistungen variieren. Das klassische Produktportfolio umfasst die Vermarktung des Influencers und das Erschließen neuer Verdienstmöglichkeiten. Dies kann vom Auftreten des Youtubers in Werbekampagnen eines Kunden über das Produzieren von ausgewiesenen Werbevideos durch Webvideoproduzenten bis hin zu Produktplatzierungen reichen. Ein weiterer Punkt, der zum Standardrepertoire von Youtube-Netzwerken zählt, ist die digitale Rechteverwaltung sowie das Bereitstellen von Zugängen zu Musik- und Bilddatenbanken. Andere Leistungen umfassen Cross-Promotion und Hilfestellungen beim Aufbau eines Publikums. In einigen Fällen lukrieren Netzwerke für ihre Künstler auch Verträge zum Schreiben von Büchern, Moderieren von Veranstaltungen oder Produzieren von Musikalben. Für ihre Unterstützung erhalten die Netzwerke einen Teil der durch sie generierten Einnahmen.[3][4]

Netzwerke aus dem deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Gründungsdatum Partnerzahl Aufrufe pro Monat Abonnenten Bekannte Kanäle
Allyance Network[5] 2010 über 440 370 Millionen k. A. PietSmiet
Divimove[6] 2012 über 900 1,7 Milliarden über 170 Millionen Paluten, Sallys Welt, Gio, DieBuddiesZocken, Bullshit TV, Joyce Ilg
Mediakraft Networks[7] 2011 über 1500 ca. 600 Millionen k. A. Y-Titty, iBlali, Freshtorge, Die Lochis
Studio71[8] 2013 über 13220 5,8 Milliarden k. A. Gronkh, Sarazar, LeFloid, Kelly MissesVlog, Dner, Oliver Pocher, Germany’s Next Topmodel, Knallerfrauen
TubeOne Networks[9] 2014 über 320 ca. 540 Millionen über 50 Millionen ApeCrime, Simon Desue, DieAussenseiter, Joyce Ilg, Alberto, Dagi Bee, Julien Bam
GamingClerks[10] 2009 über 120 ca. 50 Millionen k. A. SparkofPhoenix, earliboy, Zander, skate702, m00sician

Stand 26. März 2016[11]

Subnetzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Subnetzwerk bezeichnet man ein virtuelles Netzwerk unter einem Multi-Channel-Netzwerk, dem einen direkter Vertrag mit YouTube fehlt und nur eingeschränkte Funktionalitäten aufweist. Das Betreiben eines Subnetzwerkes wird von vielen US-Netzwerken durch spezielle Software vereinfacht. Partner von Subnetzwerken unterschreiben einen Vertrag mit zwei Unternehmen gleichzeitig und werden dann im Multi-Channel-Netzwerk eingeladen, welches das Subnetzwerk betreibt.

Aufgrund der vielen Subnetzwerke, die den Markt überschwemmen, und ihrer Unflexibilität gegenüber den YouTubern ist bei Youtube seit Juni 2016 das Betreiben von Subnetzwerken verboten.[12]

Alternative Netzwerke und Agenturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit funk existiert seit 2016 ein Angebot der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, das sowohl Verträge mit Webvideoproduzenten abschließt als auch eigene Formate produziert. Zu den Partnern von funk gehören unter anderem Coldmirror oder Phil Laude.

Während klassische Multi-Channel-Netzwerke darauf ausgerichtet sind, möglichst viele Partner zu haben und zu halten, haben sich in den letzten Jahren in Deutschland mehrere Künstleragenturen etabliert, die sich die Vermarktung und Unterstützung einiger weniger Webvideoproduzenten zur Aufgabe gemacht haben.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der YouTuber LeFloid kritisierte in einem Interview, dass die Netzwerke mittlerweile viel zu gewinnorientiert seien und so der Nutzen für die Webvideomacher viel zu gering wäre. Solche Aussagen sind auch von anderen Webvideoproduzenten zu hören.[13] Im Dezember 2014 gab der YouTuber Simon Unge bekannt, dass er nach Streitigkeiten mit Mediakraft keine Videos auf seine Kanäle mehr hochladen werde. Stattdessen startete er einen neuen, von Mediakraft unabhängigen Kanal. Später gab er in einem Interview bekannt, dass er von Mediakraft nicht die richtige Unterstützung bekommen habe. Unter anderem spielten dabei kostspielige Projekte eine Rolle. Des Weiteren sei ihm seitens des Netzwerkes eine Privatinsolvenz angedroht worden, wenn er versuche, das Netzwerk zu verlassen.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. YouTube: Multi Channel Networks 101. Archiviert vom Original am 23. Dezember 2012; abgerufen am 4. August 2015.
  2. Neil Davidson: Can a Multi-Channel Network Boost Your YouTube Marketing Success? Site Pro News, abgerufen am 4. August 2015.
  3. 301plus: Brauche ich ein Netzwerk? - 301+ e.V. In: youtube.com. 3. Mai 2017, abgerufen am 6. März 2018.
  4. Multi-Channel-Netzwerke: Grundlagen (Memento vom 28. März 2013 im Internet Archive), abgerufen am 14. Juni 2015.
  5. Socialblade: Divimove auf Socialblade. Abgerufen am 6. Juli 2017.
  6. Socialblade: Divimove auf Socialblade. Abgerufen am 6. Juli 2017.
  7. FAQ. Mediakraft Networks, abgerufen am 6. Juli 2017.
  8. Socialblade: Studio71 auf Socialblade. Abgerufen am 6. Juli 2017.
  9. Socialblade: TubeOne Networks auf Socialblade. Abgerufen am 27. März 2016.
  10. GamingClerks auf Socialblade. Socialblade, abgerufen am 21. November 2017.
  11. Socialblade: Top 100 Networks. Abgerufen am 1. September 2015.
  12. Richtlinie zu Subnetzwerken. YouTube, abgerufen im 19. Juni 2016.
  13. „Wenn ich eine Frau wäre, wäre ich Beauty-Blogger“—LeFloid im Interview, VICE, abgerufen 14. Juni 2015.
  14. Videointerview: YouTuber Simon Unge über seinen Streit mit Mediakraft, abgerufen 14. Juni 2015.