Muskazine

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Eine im heutigen Sprachgebrauch bezeichnete Muskazine (auch Muscatzine, Muskatzine, Muskaziny oder Muschcatciner) ist ein Konfekt, das seit 1691 belegt ist und den Ursprung im süddeutschen Raum hat. Es wird auch als Pilgergebäck, Wallfahrtsgebäck oder Würzkuchen[1] bezeichnet. In Oberösterreich spätestens um 1790 als Muskazinerl, ausgehend von Wels, angeboten.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Nürnbergisches Kochbuch, 1691, Vorstellung der fiktiven Autorin

Im Nürnbergischen Kochbuch wird ein Model beschrieben „Der Model zu diesen Muscatzinen ist gemeiniglich wie zwey mit dem breiten Theil aneinander stossende Jacobs=Muscheln, so sich in der mitten mit einem Bund vereingten, geschnitten.” und ist eine Anlehnung an die Jakobsmuschel.

Die Bezeichnung Muskatzine taucht erstmals in der D. Johann Georg Krünitz's ökonomisch=technischen Encyklopädie von 1805, durch die Wiedergabe von zwei Rezepten, auf.[3]

1837 wurden zwei Rezepte für Muskaziny- und mit Schalen auf den Seiten 169 und 170 im Altadeliges Bayerisches Koch- und Konfektbuch beschrieben und der Hinweis gegeben, dass diese auch unter der Bezeichnung Muschcatciner im Laden erhältlich sind.[4]

Zubereitung und Zutaten[Bearbeiten]

Die Zutaten wie zum Beispiel Honig, Mandeln, Nüsse, Zucker werden durch hinzufügen von Muskat und ggf. Muskatblüten, die dem Produkt ihren Namen geben, zu einer Mischung verarbeitet. Nach hinzufügen von Mehl und Eiern werden alle Zutaten zu einem Teig verarbeitet und in ein Model gedrückt, das zuvor mit Zucker ausgestreut wird, um ein „Ankleben“ zu verhindern.

In Marianne Strüfs Kochbuch von 1838 wird Bisam als Gewürz beim Herstellen von Muskaziny (Wiener Confekt) zugegeben.[5]

Dettelbacher Muskazine[Bearbeiten]

Eine einzelne Muskazine vom Café Achtmann in Dettelbach

Ursprünge[Bearbeiten]

Ein Dettelbacher Zuckerbäcker erfuhr von einem Wallfahrer zur Wallfahrtskirche Maria im Sand, dass die Folgen reichlichen Alkoholgenusses durch Kauen von Muskatstückchen (alternativ: Lutschen an einer Zimtstange) gemildert würden. Er komponierte ein Gebäck aus Muskat und mehreren Gewürzen und gab diesem seinen Namen Muskazine und seine unverkennbare Form einer Schleife.[6] Urban Degen erfand die Muskatzinen und übertrug das Rezept vor seinem Tod an seine Dettelbacher Berufskollegen mit der Auflage die Originalrezeptur nur an ihre direkten Nachfolger weiter zu geben.[7]

Lokale Herstellung[Bearbeiten]

Die Dettelbacher Muskazine ist eine Gebäckspezialität aus Dettelbach, die in der Form einer Krawattenschleife (Fliege) gestaltet ist. Sie wird in einer selber geschnitzten Backform aus Holz geprägt. Ihr Name stammt von der Haupt-Zutat Muskat. [8] Weitere Zutaten sind Honig, Mandeln, Marzipan, Zucker, Nüsse, Mehl sowie weitere Gewürze (Nelken, Zimt, Kardamom) und Backpulver. Muskazinen werden ganzjährig hergestellt. Zwei lokale Bäckereien in Dettelbach stellen diese Spezialität her und verkaufen sie.

Österreich[Bearbeiten]

Im Koch- Und Artzney-Buch Von allerley Letzelt/ Zuckerwerck/ und eingemachten Sachen von 1686 ist die Rede von Muscatzin-Letzelten.[9]

Weblinks (Auswahl)[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beate Spiegel: Adliger Alltag auf dem Land, 1997, S. 226, abgerufen am 25. Februar 2012.
  2. Gilbert Traihnigg: Die Welser Lebzelterei im 19. Jahrhundert nach den Geschäftsbüchern der „Lebzelterei Urban“ in Jahrbuch des Musealvereins Wels, 1956, Seite 88, abgerufen am 1. März 2012.
  3. D. Johann Georg Krünitz's ökonomisch=technischen Encyklopädie, Bd. 98, 1805, Seiten 682 und 683, abgerufen am 26. Februar 2012.
  4. Altadeliges Bayerisches Koch- und Konfektbuch von 1837, Seiten 169 und 170, abgerufen am 25. Februar 2012.
  5. Marianne Strüfs, Kochbuch 1838,2. Auflage 1841, Balz'sche Buchhandlung, Stuttgart.
  6. Peter Achtmann: Achtmann. Dettelbach - Am Faltertor. Muskazinenbäckerei seit 1880. Faltblatt von ca. 2015.
  7. Cafe Kehl: Die Dettelbacher Spezialität „Muskatzine“
  8. Peter Achtmann: Achtmann. Dettelbach - Am Faltertor. Muskazinenbäckerei seit 1880. Faltblatt von ca. 2015.
  9. Muscatzin-Letzelten, abgerufen am 28. Februar 2012; siehe auch Ein Koch- Und Artzney-Buch. 2. Aufl. Grätz, 1688, S. 2. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/oa_artzneybuch_1688/8>, abgerufen am 23. August 2013.