Nastaʿlīq

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Nastaʿlīq (persisch نستعليق, DMG Nastaʿlīq) ist eine besondere Stilart der persischen Kalligraphie und wurde der Legende nach von Mīr ʿAlī Tabrizi, einem persischen Kalligrafen aus dem 14./15. Jhd. in Täbris geschaffen. Die Nastaliq-Schrift ist eine oft sehr klein geschriebene Kursivschrift und, wie der Name schon andeutet, eine Mischung aus Naschī und Taliq. Im 15. Jahrhundert wurde sie die am meisten gebrauchte Schrift Persiens und verbreitete sich von da aus nach Osten.

Anders als die Naschī, die die horizontalen Linie und die Proportionen zwischen den Buchstaben betont und im religiösen Kontext verwendet wird, z. B. für die Schreibung des Koran bzw. für Koran- oder Hadithzitate [1], ist Nastaʿlīq die Schrift für den Alltagsgebrauch in Verwaltung, Geschäft, Buchtiteln, Schildern, Plakaten und Briefen. Wegen ihrer schwungvollen Unterzüge, verlängerten horizontalen Linien, betonten Rundformen und dem Fehlen von Serifen gilt sie als eleganteste der persischen Schriften.[2][3]

Am Hof der Mogulherrscher in Delhi wurde Nastaʿlīq im 17. Jahrhundert wegen der Möglichkeit zur rascheren Niederschrift der Verwaltungsakte in der Hof- und Verwaltungssprache Persisch zur Standardschrift anstelle der sauberer, aber langsamer zu schreibenden persischen Handschrift. Der Vertraute des Marathenfürsten Shivaji, Balaji Aviji, soll dies bei einem Aufenthalt dort beobachtet und analog zur "gebrochenen Nastaʿlīq" (persisch شکسته‌نستعلیق‎ šekaste-nasta'liq) eine auf der Devanagari-Schrift basierende Schreibweise, die Moḍī-Schrift, am Marathenhof eingeführt haben (hindi moḍī "gebrochen").[4]

Seiner kalligrafischen Natur entsprechend, ist Nastaliq schwer als Font für den Satz oder die Computerdarstellung zu fassen. Zum Beispiel benötigte Monotypes Nastaliq Font für den Fotosatz 20.000 verschiedene Glyphen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Naskhī script". In: Encyclopædia Britannica Ultimate Reference Suite. Chicago: Encyclopædia Britannica 2010
  2. "Mīr ʿAlī of Tabriz" In: Encyclopædia Britannica Ultimate Reference Suite - Chicago: Encyclopædia Britannica 2010
  3. Bozorg Alavi und Manfred Lorenz: Lehrbuch der persischen Sprache. Langenscheidt, Leipzig usw. 1967, 7. Aufl. ebenda 1994, S. 273
  4. Geschichte der Moḍī-Schrift