Natural (Programmiersprache)

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Natural – auch im deutschen Sprachraum meist englisch ausgesprochen – ist eine Familie von Softwareentwicklungsumgebungen der Software AG für die Erstellung von Anwendungsprogrammen. Natural unterstützt u. a. eine 4GL-Programmiersprache namens NPL (Natural Programming Language), die verwirrenderweise selbst oft Natural oder NATURAL genannt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Versionen der ersten Variante für Großrechner (engl.: mainframe) wurde ab 1975 von Peter Pagé unter Mitwirkung von Margit Neumann entwickelt. Natural ermöglichte von Anfang an auch auf Großrechnern eine dort zunächst nur selten mögliche interaktive Arbeitsweise (siehe Literatur).

System-Unterstützung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde Natural für die Großrechner von IBM und Siemens entwickelt, steht aber mittlerweile auf sehr vielen Plattformen zur Verfügung. Dazu zählen u. a.

Mainframe-Betriebssysteme Unix Linux Windows

Datenbank-Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Natural kann sowohl mit teils hocheffizienten proprietären Zugriffsbefehlen als auch über Standard-SQL auf eine Vielzahl von Datenhaltungssystemen zugegriffen werden. Diese sind meist Datenbankverwaltungssysteme (DBVS, englisch DBMS). Die Zugriffe erfolgen dabei über native (d. h. spezifische) Treiber.

Natural unterstützt u. a. die folgenden Datenhaltungssysteme:

Einordnung in Programmiersprachen-Generationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit NPL wurde die erste Programmiersprache zur Erstellung kommerzieller Anwendungssysteme angeboten, für die der Begriff 4. Generation geprägt wurde. NPL ist als Programmiersprache Teil der umfassenden interaktiven Entwicklungsumgebung Natural. Wesentliches Merkmal der Sprachen der 4. Generation ist die Abstraktionsebene, in der das Problem formuliert wird. Verlangen Höhere Programmiersprachen der 3. Generation noch das Programmieren von prozeduralen technischen Einzelschritten, wird in Sprachen der 4. Generation die Anforderung eher problemnah formuliert und vom System in beliebigen Umgebungen unter Nutzung der technischen Möglichkeiten zur Ausführung gebracht. Weitere Merkmale sind: integrierte Gestaltung der Nutzeroberfläche, Listenerzeugung, Datenbankzugriff.

Programmiersprache NPL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NPL-Quellcode wird in Natural-Zwischencode kompiliert, der dann von der Natural-Laufzeitumgebung interpretiert wird. Dieses Vorgehen ähnelt dem der Java Virtual Machine.

NPL-Code ist sehr gut lesbar, da meist auf Klammern verzichtet werden kann. Kleine Applikationen sind aufgrund des einfachen syntaktischen Aufbaus sehr schnell realisiert. Naturalanwendungen, bzw. Naturalanwendungen in Verbindung mit ADABAS sind als äußerst performant bekannt. Ein Nachteil ist jedoch, dass man für Natural wesentlich weniger Austauschmöglichkeiten im Internet findet als bei populären Programmiersprachen.

Beispiel:

* Hello World in Natural
WRITE 'Hello World!'
END

Im Zuge der Modernisierung bestehender Natural-Anwendungen aus der Großrechnerzeit gibt es u. a. die Möglichkeit, diese in eine AJAX-Oberfläche mit Hilfe von Natural 4 Ajax zu integrieren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Schlüter: Einführung in die Programmierung mit NATURAL (= Programmierung komplexer Systeme. Nr. 6). de Gruyter, Berlin/New York 1993, ISBN 3-11-013509-4.
  • Michael Schlüter: Einführung in die Programmierung mit Natural (= Programmierung komplexer Systeme. Nr. 1). 2., überarbeitete Auflage. Lehmanns Media, Berlin 2013, ISBN 978-3-86541-526-4 (368 S.).
  • Sylvia Scheu: Einführung in die effiziente NATURAL-Programmierung. Vieweg, 1995, ISBN 978-3-528-05291-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]