Neue Bahnstadt Opladen

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Logo der Neuen Bahnstadt Opladen

Die Neue Bahnstadt Opladen (eigene Schreibweise: neue bahnstadt opladen) ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Leverkusen und der Deutsche Bahn AG zur Nachnutzung ehemaliger Bahnflächen im Stadtteil Opladen im Rahmen der Regionale 2010. Das Projekt, bei dem eine Fläche von 72 ha umgestaltet werden soll, erhebt den Anspruch, beispielhaft Strategien und Lösungsansätze für die Reaktivierung nicht mehr genutzter Bahn- und Brachflächen aufzuzeigen.[1] Das Projekt wird durch die Projektgesellschaft neue bahn stadt :opladen GmbH vertreten.[2]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werkstättenstraße am Rande des ehemaligen Ausbesserungswerks
Lage und Entwicklung der Bahnanlagen in Leverkusen

Siehe auch:

Hauptartikel: Ausbesserungswerk Opladen

Seit die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft 1867 den Bahnhof Opladen eröffnete, waren die Orte Opladen und Quettingen (beide heute Stadtteile von Leverkusen) durch Bahnanlagen getrennt. 1874 kam die innerhalb von Opladen parallel verlaufende Strecke Mülheim – Troisdorf der Rheinischen Eisenbahngesellschaft mit einem eigenen Bahnhof hinzu. Weitere Anlagen wie ein Rangierbahnhof und ein Bahnbetriebswerk folgten. Beide Bahnstrecken wurden in den 1880er-Jahren von der preußischen Staatsbahn übernommen. 1903 wurde östlich der Bahnstrecken, ebenfalls zwischen Opladen und Quettingen, die Eisenbahn-Hauptwerkstätte Opladen (später Ausbesserungswerk Opladen) eröffnet, später der benachbarte Gleisbauhof. Im Ausbesserungswerk waren bis 2003 zwischen 1000 und 4000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt.

Bahnhofsgebäude Opladen

Während die Bahn auf diese Weise für mehr als 100 Jahre der wichtigste Arbeitgeber Opladens wurde, nahm ihre Bedeutung seit den 1950er-Jahren stetig ab. Die von der Rheinischen Bahngesellschaft gebaute Strecke Mülheim – Troisdorf wurde nur noch für den Güterverkehr genutzt; das Bahnbetriebswerk wurde zwischen 1960 und 1969 schrittweise geschlossen, der Rangierbahnhof und der Gleisbauhof wurde in den 1990er-Jahren stillgelegt. Bereits im Jahre 2000 wurde eine städtebauliche Perspektivenwerkstatt durchgeführt, auf der erste planerische Ziele für die städtebauliche Weiterentwicklung des Bahngeländes diskutiert wurden, damals noch unter Berücksichtigung eines Weiterbetriebs des Ausbesserungswerks.[3] Ende 2003 wurde das Ausbesserungswerk schließlich trotz heftiger Proteste der Belegschaft durch die Deutsche Bahn AG geschlossen, so dass auch dessen Fläche in die Neuplanungen mit einbezogen wurde.

Städtebauliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brachliegende Fläche der ehemaligen Rangiergleise

Die städtebauliche Situation wird zurzeit (2008) dadurch charakterisiert, dass ehemalige und verbliebene Bahnanlagen zum einen die Stadtteile Opladen und Quettingen, zum anderen die verbliebene Güterzugstrecke den Bahnhof Opladen von der Opladener Innenstadt und dem benachbarten Busbahnhof trennen. War diese Trennung seinerzeit durch die Bedeutung der Bahn als Transportmittel und Arbeitgeber gerechtfertigt, sind nun große Teile der ehemaligen Bahnflächen ungenutzt und stehen zur Verbesserung der städtischen Infrastruktur und weiteren Entwicklung des Stadtteils Opladen zur Verfügung. Die Verkehrsführung für den Durchgangsverkehr im Stadtteil Opladen ist seit der Einrichtung einer Fußgängerzone in den 1970er-Jahren kompliziert. Für die meisten Gebäude des ehemaligen Ausbesserungswerks ist keine zukünftige Nutzung in Sicht. Bestrebungen, das Gelände durch Konkurrenten der Deutsche Bahn AG zu nutzen, führten zu keinem Ergebnis.

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zustand 2007
Aktuelle Planungen

Ziel der Planungen ist eine Belebung der Opladener Innenstadt sowie eine Neuansiedlung von Wohnbevölkerung, Gewerbebetrieben und öffentlichen Institutionen. Die Planung der Neuen Bahnstadt erfolgt in zwei Abschnitten:

Planungsgebiet Ost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Teil des Gebietes umfasst im Wesentlichen das 44 ha große Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks sowie die Brachfläche der ehemaligen Rangiergleise. 2006 fand ein Architektenwettbewerb zur Umgestaltung des Geländes statt, an dem sieben Architekturbüros teilnahmen. Eine Jury aus Vertretern der Stadt, Deutsche Bahn AG und der Regionale 2010 entschied sich schließlich für den heute gültigen Entwurf. Dieser sieht vor, den größten Teil der Gebäude sowie alle Gleise des ehemaligen Ausbesserungswerks abzureißen und auf den freiwerdenden Flächen neue Straßen sowie Wohn- und Gewerbeflächen anzulegen, unterbrochen durch großzügige „grüne Achsen“. Einige kleinere Gebäude sollen erhalten bleiben; so soll der ehemalige Wasserturm des Werks zukünftig als Museum dienen. Am 10. Mai hat der Stadtrat der Stadt Leverkusen beschlossen, den denkmalgeschützten Wasserturm an die KG Altstadtfunken Opladen vun 1902 e.V. zu verkaufen. Die KG Altstadtfunken haben seitdem den Turm in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde saniert. Der Turm wurde komplett eingerüstet, gesäubert und neu verfugt. In Ergänzung zum Wasserturm wurde ein Neubau als Kubus, mit einer Grundfläche von ca. 100 m² angebaut. Neben der Nutzung als Vereinsheim und als Ort für standesamtliche Trauungen[4] wird der Turm auch für Feierlichkeiten, Konferenzen und Vernissagen vermietet. Am 11. November 2012 wurde der alte Wasserturm als Funkenturm durch die KG Altstadtfunken eingeweiht.[5] Dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung NRW, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Land NRW konnten alle geplanten Turm-Sanierungsarbeiten in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde realisiert werden.

Planungsgebiet West[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für diesen Teil des Geländes liegen erste Vorstellungen zur Umgestaltung vor, die aber noch nicht abgeschlossen sind. So soll durch den Abriss der bisherigen Bahnhofsgebäude die Möglichkeit geschaffen werden, die Güterzugstrecke direkt neben die Personenzugstrecke zur verlegen. Dadurch können die Innenstadt um neue Wohn- und Gewerbegebiete auf der freiwerdenden Fläche erweitert und die Trennung der Innenstadt und des Busbahnhofs vom Bahnhof aufgehoben werden. Während die Bahnsteige erhalten bleiben sollen und durch eine neue Brücke am nördlichen Bahnhofskopf anstelle der derzeitigen Unterführung mit der Innenstadt und der Lützenkirchener Straße verbunden werden sollen, ist noch unklar, ob ein neues Bahnhofsgebäude errichtet wird. Die Verkehrsführung in der Innenstadt soll mit Hilfe einer neuen Durchgangsstraße („Neue Bahnallee“) entlastet werden. Die Innenstadt soll ferner mit drei Brücken mit dem östlichen Teil der Bahnstadt verbunden werden.[6]

Der Stadtrat von Leverkusen beschloss am 13. Mai 2013, einen Kostenanteil von 7 Millionen Euro zu einer mit der DB AG vereinbarten Verlegung der Gütergleise nach Osten parallel zur Personenzugstrecke zu übernehmen. Die neue Trasse soll nach Abriss des Bahnhofs Opladen im Dezember 2016 in Betrieb genommen werden.

Realisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster Baustein des Großprojektes wurden zwei Fußgänger- und Radbrücken realisiert. Der Entwurf geht auf einen europaweiten Wettbewerb zurück, den die Arbeitsgemeinschaft Knippers Helbig – Knight Architekts im Frühjahr 2009 gewonnen hat. Als erste Brücke wurde 2013 die Campusbrücke eröffnet[7], die Bahnhofsbrücke folgte im Dezember 2015.[8] Das 1969 gerbaute Bahnhofsgebäude wurde im Sommer 2015 abgerissen, um Platz für die geplante Verlegung der Gütergleisstrecke zu schaffen.[9]

Finanzieller Rahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt Bahnstadt soll insgesamt ca. 120 Millionen Euro kosten, in denen 58 Millionen Euro an Zuschüssen vom Land Nordrhein-Westfalen sowie 22 Millionen Euro aus geplanten Grundstücksverkäufen enthalten sind.[2] Erste Zuschüsse in Höhe von fast 2,7 Millionen Euro wurden bereits vergeben.[10] Am 25. August 2008 stimmte der Leverkusener Stadtrat wichtigen Verträgen zur Realisierung der Bahnstadt zu.[11]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die finanzielle Realisierbarkeit des Großvorhabens wird vielfach angezweifelt. Ob die angestrebten Einnahmen durch Grundstücksverkäufe in der geplanten Höhe realisierbar sind, ist noch nicht gesichert. Politiker befürchten darüber hinaus unkalkulierbare finanzielle Risiken, sollte die ohnehin bankrotte Stadt Leverkusen wie geplant die Haftung für mögliche, bisher unbekannte Altlasten auf dem Gelände von der Bahn übernehmen.[12] Zu diesen Altlasten gehören Kampfmittelaltlasten, die vermutlich bei der Bombardierung des Bahnausbesserungswerks[13] im Zweiten Weltkrieg im Boden verblieben. Weitere derartige Funde sind bereits im Zeitplan miteinkalkuliert.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dokumentation des Architekturwettbewerbs auf www.regionale2010.de
  2. a b Leverkusener Anzeiger 3. März 2008
  3. Perspektivenwerkstatt läßt genug Raum für Entwicklung
  4. "Ja sagen" - das klappt jetzt auch im Funkenturm, Gabi Knops-Feiler, Rheinische Post, 27. Oktober 2015
  5. „Funkenturm eingeweiht“Leverkusener Anzeiger vom 12. November 2012
  6. Rheinische Post vom 16. August 2008
  7. „Historischer Meilenstein für Leverkusen“ – Campusbrücke über die Bahngleise feierlich eröffnet
  8. Bahnhof Opladen: Bahnhofsbrücke eröffnet. In: Leverkusen.com. 22. Dezember 2015, abgerufen im 19. September 2016.
  9. Lokale Informationen zum Bahnhofsabriss
  10. Pressemitteilung der Bezirksregierung Köln
  11. Rheinische Post vom 26. August 2008
  12. Rheinische Post vom 16. August 2008 zur Altlastenproblematik
  13. 1800 Bomben auf Opladen, Ulrich Schütz, Rheinische Post, 17. März 2008
  14. Weitere Bombenfunde in Opladen sehr wahrscheinlich, Miriam Betancourt und Hartmut Zitzen, Leverkusener Anzeiger, 23. Oktober 2015