Neuenheimer Feld

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Luftbild des Campus „Im Neuenheimer Feld“
Das Neuenheimer Feld vom Königstuhl aus gesehen
Auf dem Universitätscampus Im Neuenheimer Feld

Das Neuenheimer Feld ist ein Neubaugebiet im Westen des Heidelberger Stadtteils Neuenheim, in dem überwiegend (aber nicht ausschließlich) die naturwissenschaftlichen Fakultäten sowie Teile des Universitätsklinikums der Universität Heidelberg untergebracht sind. Der Teil nördlich des Abschnitts der Straße Im Neuenheimer Feld, der zwischen Berliner Straße und Tiergartenstraße liegt, befindet sich bereits im Stadtteil Handschuhsheim.[1]

Ähnlich wie das nördlich angrenzende Heidelberg-Handschuhsheimer Feld wurde das Gelände bis in die 1960er Jahre weitgehend landwirtschaftlich genutzt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden am Nordufer des Neckars mit dem 1915 hierher verlegten Botanischen Garten, dem 1930 neugegründeten Kaiser-Wilhelminstitut für medizinische Forschung (heute: Max-Planck-Institut für medizinische Forschung) und der Chirurgischen Klinik (1933–39) erste Forschungseinrichtungen. 1935 kam der auf Privatinitiative gegründete Heidelberger Tiergarten hinzu, der anstelle eines geplanten Friedhofes entstand.

Verkehrstechnisch wurde das Neuenheimer Feld schon 1928 durch die heutige Ernst-Walz-Brücke (zusätzlich zur Mönchhofstraße) angeschlossen. Über diese Brücke führt auch seit 1939 eine Straßenbahnstrecke, die ursprünglich für den Verwundetentransport gedacht war. Deshalb bestand auch ein Betriebsgleis zur Chirurgischen Klinik. Die Personenzüge endeten zunächst direkt am nördlichen Brückenkopf. Die Straße über die Ernst-Walz-Brücke wurde in den 50er Jahren als Berliner Straße verlängert. Die Verlängerung der Straßenbahn erfolgte anschließend schrittweise. Sowohl die Straßenbahnstrecke, als auch die Berliner Straße führen seitdem am östlichen Rand des Neuenheimer Feldes entlang.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand erheblicher Erweiterungsbedarf der Universität, so dass die naturwissenschaftlichen Fakultäten (abgesehen von mehreren Gebäuden der Fakultät für Physik und Astronomie) und ein Teil der Medizin als Campus-Universität ins Neuenheimer Feld verlegt wurden, wofür nahezu das gesamte Gebiet bebaut wurde. Seit der Jahrtausendwende gibt es eine neue Bauwelle, zahlreiche Kliniken und medizinische Institute verlassen das Altklinikum in Bergheim und ziehen in Neubauten im Neuenheimer Feld um. Zu den Einrichtungen, die hier in Neubauten untergebracht sind, gehören ferner Studentenwohnheime, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) sowie das Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht.

Zum Transport zwischen den verschiedenen Gebäuden des Klinikums und der ansässigen Institute wurde ein 14 km langes unterirdisches Gangsystem unter dem Neuenheimer Feld gebaut. Durch eine fahrerlose Elektrohängebahn werden Essen und Wäsche unterirdisch transportiert. Des Weiteren existiert ein unterirdisches Rohrpostsystem.

Ein durchgängiges Ringsystem wird mit der Fertigstellung der neuen Chirurgischen Klinik voraussichtlich 2020 vorhanden sein.[2]

Auch auf das angrenzende Handschuhsheimer Gebiet wurde die Bebauung ausgeweitet, hier befinden sich das Institut für Sportwissenschaft, der Neubau der Pädagogischen Hochschule und seit 1985 der Technologiepark Heidelberg.

Besondere Brisanz in der Wohnbevölkerung Wieblingens, Neuenheims und Handschuhsheims haben Pläne zu einer fünften Neckarquerung, die dem Neuenheimer Feld einen direkten Autobahnanschluss verschaffen soll.[3] Eine Erweiterung des Straßenbahnnetzes, die das Gebiet erschließen soll, befindet sich in der Planungsphase. Das Planfeststellungsverfahren wurde im Mai 2011 eingeleitet und im Juni 2014 abgeschlossen. Nach der Klage der Universität verhängte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Dezember 2014 einen vorläufigen Baustopp[4] und hob den Planfeststellungsbeschluss am 11. Mai 2016 auf.[5]

Im Oktober 2017 einigten sich Universität, das Land Baden-Württemberg und die Stadtverwaltung darauf ein Masterplanverfahren zu beginnen. Mit dem Masterplanverfahren soll der Streit um die Stadtentwicklung im Neuenheimer Feld beigelegt und neue Entwicklungsperspektiven erarbeitet werden.[6] Vier Planungsteams legten Entwürfe vor, die unter anderem unter Beteiligung der Öffentlichkeit diskutiert wurden.[7] Zwei der vier Entwürfe wurden in der sogenannten Konsolidierungsphase weiter ausgearbeitet und im September 2021 präsentiert.[8] Es steht noch nicht fest wann das Verfahren abgeschlossen werden kann.[9]

Am 24. Januar 2022 kam es in einem im Bereich des Botanischen Gartens gelegenen Hörsaal zu einem Amoklauf, bei dem ein Mensch getötet und drei weitere verletzt wurden. Der Täter, ein 18-jähriger Student, erschoss sich anschließend selbst. Nach ersten Einschätzungen habe die Tat weder religiöse noch politische Hintergründe gehabt. Als wahrscheinlich gelten eine Beziehungstat oder psychische Probleme.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Im Neuenheimer Feld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.openstreetmap.org/relation/3283780#map=16/49.4214/8.6666
  2. Kathrin Miedniak: Klinikring unter der Erde. Mannheimer Morgen, 4. September 2012, abgerufen am 6. August 2014.
  3. Petra Bauer, Dieter Teufel: Aktuelle Entwicklungen im Verkehrsbereich. (PDF) UPI Institut/Jahrbuch Handschuhsheim, 26. Februar 2013, abgerufen am 6. August 2014.
  4. Campus-Straßenbahn: Jetzt bremst ein Gericht alle aus. 19. Dezember 2014, abgerufen am 1. Juli 2018.
  5. Heidelberger Campusbahn scheitert am Bebauungsplan von 1960. 12. Mai 2016, abgerufen am 1. Juli 2018.
  6. Masterplan Neuenheimer Feld: Stadt, Universität und Land unterzeichnen Rahmenvereinbarung. Abgerufen am 7. Oktober 2021.
  7. Öffentliche Veranstaltung: Entwicklungsperspektiven. Abgerufen am 7. Oktober 2021.
  8. Öffentlichkeitsbeteiligung: „Stadtteilgespräch zu den Mobilitätsvarianten“. Abgerufen am 7. Oktober 2021.
  9. Masterplan. Abgerufen am 7. Oktober 2021.
  10. 18-jähriger Student war vorher unauffällig – Polizei gibt neue Details bekannt. Rhein-Neckar-Zeitung, 24. Januar 2022, abgerufen am selben Tage.

Koordinaten: 49° 25′ 0,1″ N, 8° 40′ 11,6″ O