North West Frontier

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der indisch-pakistanischen Provinz. Für den gleichnamigen Film siehe unter Brennendes Indien.
5th Royal Gurkha Rifles an der North West Frontier 1923
Elefantenbatterie in Peschawar
Die Durand-Linie zwischen Afghanistan und Pakistan. Das Siedlungsgebiet der Paschtunen ist blau dargestellt.

North-West Frontier oder North Western Frontier Province, NWFP ist der ehemalige Name einer Region in Britisch-Indien. In der Zeit der britischen Herrschaft stellte sie die Außengrenze des Britischen Weltreichs dar. Bekannt wurde der Name der Provinz durch die Kriege mit Afghanistan, die vielen Kampfhandlungen in dieser Region und den erwarteten Konflikt mit dem Russischen Kaiserreich, dem Great Game.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den ersten beiden Britisch-Afghanischen Kriegen gelang es Großbritannien 1893 mit der Durand-Linie, seine kolonialen Besitzungen in Britisch-Indien (heute Pakistan) gegen das Emirat Afghanistan abzugrenzen. Die Linie wurde nach dem damaligen Außenminister der indischen Verwaltung, Henry Mortimer Durand, benannt und unter britischem Druck im Einvernehmen beider Seiten beschlossen. Die Demarkationslinie wurde bewusst durch die Siedlungsgebiete der Paschtunen gelegt, was dazu führte, dass einige Stämme der Paschtunen, wie die Kharoti, entzweit und Hunderte afghanische Dörfer voneinander getrennt wurden. Etwa ein Drittel des afghanischen Gebietes fiel so an die Briten. Dies verschärfte den Widerstand der Stämme und führte bereits vier Jahre später in Wasiristan zu der Revolte von 1897. Der britische Vizekönig in Indien Lord Curzon erklärte daraufhin im November 1901 die gesamte Region zur einheitlichen North-West Frontier Province[1]. Es gelang den Briten bis zur Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 nicht, die Region unter ihre Kontrolle zu bringen, wie die Paschtunen-Aufstände 1930 in Peschawar und 1936–1938 in Wasiristan zeigten.

Des Weiteren verfolgte die britische Kolonialmacht das Ziel, durch die Errichtung einer strategischen Pufferzone die nordwestliche Grenze ihres Territoriums, des damaligen Britisch-Indien, besser gegenüber dem expandierenden zaristischen Russland zu schützen. [2] Die Briten befürchteten, dass Russland von dort zum Angriff um die Vorherrschaft in Zentralasien, dem Great Game, antreten würde. Aus diesem Grund begannen hier die Anglo-Afghanischen Kriege. Die russische Expansion südwärts kam 1887 zum Stillstand, als mit dem Kontrahenten Großbritannien die afghanische Nordgrenze festgelegt wurde, die gleichzeitig als Demarkationslinie der Interessen- und Einflusssphären festgeschrieben worden war. Afghanistan wurde so zum Pufferstaat zwischen den beiden imperialen Mächten, was 1907 im Vertrag von Sankt Petersburg bekräftigt wurde.

An der North-West Frontier befand sich die größte Konzentration von Einheiten der British Indian Army. Die wichtigsten Verbindungen zwischen Zentralasien und dem indischen Subkontinent, der Chaiber- und der Bolan-Pass, liegen in diesem Gebiet.

Die Provinz umfasste eine Fläche von 70.709 km². Die Hauptstadt der Region war Peschawar. Seit 1955 gehören große Teile der ehemaligen North Western Frontier zum heutigen pakistanischen Khyber Pakhtunkhwa. Zur North Western Frontier Province gehörten zusätzlich die Regionen Chitral, Wasiristan, Amb, Dir, Phulra und Swat.

Die North-West Frontier im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Barthorp: Afghan Wars: And the North-West Frontier 1839-1947, Cassell (October 28, 2002), ISBN 0304362948
  • Michael Barthorp: The Frontier Ablaze: The North-West Frontier Rising, 1897-98, Windrow & Greene Ltd (June 1996), ISBN 1859150233
  • Michael Barthorp: The North-West Frontier: British India and Afghanistan, a Pictorial History 1839-1947, Blandford Pr (November 1982), ISBN 0713711337
  • Martin Ewans (Hrsg.): The Great Game: Britain and Russia in Central Asia, RoutledgeCurzon, London 2004, 8 Bände, ISBN 0-415-31638-3.
  • Karl E. Meyer, Shareen Blair Brysac: Tournament of Shadows: The Great Game and the Race for Empire in Central Asia, Counterpoint, Washington (D.C.) 1999 ISBN 1-58243-028-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David Gilmour: Curzon, George Nathaniel, Marquess of Kedleston (1859−1925), in: H.C.G. Matthew / Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Volume 14, Oxford University Press, Oxford 2004, S. 792−802
  2. Habibo Brechna: Die Geschichte Afghanistans. 2. Auflage. vdf Hochschulverlag AG, Zürich 2012, ISBN 3-7281-3391-4.