Nutzerorientierte Gestaltung

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Die nutzerorientierte Gestaltung zielt darauf ab, interaktive Produkte so zu gestalten, dass sie über eine hohe Gebrauchstauglichkeit (Usability) verfügen. Dies wird im Wesentlichen dadurch erreicht, dass der (zukünftige) Nutzer eines Produktes mit seinen Aufgaben, Zielen und Eigenschaften in den Mittelpunkt des Entwicklungsprozesses gestellt wird.

Im Englischen wird dieses Vorgehen als User Centered Design bezeichnet. Dieser Begriff hat sich seit den 1990er Jahren zunehmend durchgesetzt und den Begriff des Usability Engineering nach und nach abgelöst.

Der nutzerorientierte Gestaltungsprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nutzerorientierte Gestaltungsprozess ist ein iteratives Vorgehen, das mehrere Phasen durchläuft. In den meisten Prozessmodellen (wie z. B. der DIN EN ISO 9241-210 oder der ISO/PAS 18152) sind dies die folgenden vier Phasen.

Analyse des Nutzungskontextes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Analyse des Nutzungskontextes werden Informationen über die zukünftigen Nutzer gesammelt und in Nutzerprofilen zusammengefasst. Ebenso werden die Aufgaben und Ziele der Nutzer, Arbeitsabläufe und die Arbeitsumgebung, zu der auch die technischen Rahmenbedingungen zählen, analysiert.

Definition der Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basierend auf den Erkenntnissen der Kontextanalyse werden Anforderungen definiert, die während des Entwurfsprozesses umgesetzt werden sollen.

Konzeption und Entwurf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Prozessphase werden zunächst Konzepte für das zukünftige Produkt entwickelt. Diese werden weiter ausgearbeitet, bis ein vollständiger Entwurf vorliegt. Als Ergebnis dieser Phase können Designdokumente, Mockups oder Papier-Prototypen entstehen.

Evaluation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erstellten Konzepte und Entwürfe werden wiederholt mit Nutzern besprochen, Mockups und Prototypen werden ausprobiert. Dies alles dient dazu, sicherzustellen, dass die Anforderungen der Nutzer auch tatsächlich erfüllt werden.

Prinzipien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit die nutzerorientierte Gestaltung zu Produkten mit einer hohen Gebrauchstauglichkeit führt, sollten folgende Prinzipien beachtet werden:

  • iteratives Vorgehen
  • frühe Fokussierung auf Nutzer- und Aufgabenanforderungen
  • empirische Überprüfung der Entwürfe durch Nutzer

Diese Prinzipien wurden 1985 von Gould und Lewis benannt. Ein weiteres Prinzip der nutzerorientierten Gestaltung ist das partizipative Design bzw. die partizipative Softwareentwicklung.

Methoden der nutzerorientierten Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der nutzerorientierten Gestaltung können unterschiedliche Methoden (u. a. aus dem Bereich Human Factors) zum Einsatz kommen. Zu den bekanntesten und am häufigsten eingesetzten Methoden zählen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Beyer, K. Holtzblatt: Contextual Design. Morgan Kaufmann, San Francisco 1998
  • T. Hanimann, E. Ruedin: Kontextabhängige Gestaltung (Contextual Design) nach Beyer/Holtzblatt. Zürich: Benziger-Émosson, 2009.
  • A. Cooper, R. Reimann: About Face 3. Wiley, Indianapolis 2007
  • DIN EN ISO 9241-210: Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme. ISO, 2010
  • J. Gould, C. Lewis: Designing for Usability: Key Principles and What Designers Think. Communications of the ACM 1985, 28(3), 300–311
  • ISO/PAS 18152: Ergonomics of human–system interaction – Specification for the process assessment of human–system issues. Genf 2003
  • D. J. Mayhew: The Usability Engineering Lifecycle. Morgan Kaufmann, San Francisco 1999
  • J. Nielsen, Usability Engineering. San Diego CA: Academic Press, 1993

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]