Interview

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Interview (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hans Eichel am Abend der Bundestagswahl 2002 beim Interview im Bundestag

Ein Interview ('ɪntɐvjuː) ist eine Befragung mit dem Ziel, persönliche Informationen oder Sachverhalte zu ermitteln. Für einige Interviewformen ist eine Schulung der Fragesteller (sogenannte Interviewer) üblich (etwa wenn die Ergebnisse mehrerer Interviewer vergleichbar sein sollen).

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff ist ableitbar vom lateinisch: inter-, französisch entre- sowie lat. -videre, frz. -voir, dann daraus frz. entrevue bzw. s'entrevoir. Frei übersetzt: sich gegenseitig (kurz) sehen.

Interview im Journalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interview mit Angela Merkel, 2011

Die bekannteste Form ist das journalistische Interview, das für Textbeiträge, den Hörfunk und das Fernsehen mit einer Person der Zeitgeschichte (Politiker und andere Persönlichkeiten, die ein öffentliches Interesse betreffen) durchgeführt wird. Es taucht sowohl als Journalistische Darstellungsform, aber auch als Recherchemittel auf. Journalistische Interviews werden nach Walther von La Roche unterschieden nach:

  • Interview zur Person,
  • Interview zur Sache,
  • Interview zur Meinung.

Während in der Presse- und Radioberichterstattung mit Interviews vor allem journalistische Ziele verfolgt werden, nehmen in den Fernsehprogrammen außerhalb der speziellen Berichterstattungssendungen vorwiegend unterhaltende Formen des Interviews breiten Raum ein. Medienwissenschaftler nehmen an, dass sowohl von den Zuschaueranteilen als auch vom öffentlichen Ansehen etwa die Talkshow mit Sabine Christiansen die klassischen TV-journalistischen Formate („Im Kreuzfeuer“) in den Schatten gestellt haben. Bekannte Interviewer im Deutschen Fernsehen waren bzw. sind z. B.: Günter Gaus („Zur Person“), Sandra Maischberger, Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann.

In einigen Wissensgebieten haben sich journalistische Sonderformen zunehmend Geltung und Sendeplätze erobert, namentlich Wissenschaftsjournalisten und Medizinjournalisten, deren Arbeitsmittel neben der Durchforstung der aktuellen Forschungsergebnisse und deren allgemeinverständliche mediengerechte Aufbereitung das Experteninterview ist.

Eines der folgenschwersten Interviews, die ein Interviewter je gegeben hat, dürfte eines des damaligen Chefs der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, sein. Am 3. Februar 2002 bezweifelte er gegenüber dem Fernsehdienst Bloomberg TV, dass die Finanzbranche dem Medienunternehmer Leo Kirch noch "weitere Fremd- oder gar Eigenmittel" gebe. Nach jahrelangen Gerichtsverfahren sprach das Oberlandesgericht München in einem Vergleich mit der Deutschen Bank den Erben Kirchs einen Ausgleich von rund 900 Millionen Euro für die Nachteile zu, die Kirch und dessen Unternehmen dadurch entstanden waren. [1]

DFB-Pressekonferenz mit Michael Ballack

Bei der Pressekonferenz werden eher Stellungnahmen verbreitet und nur vereinzelte Fragen gestellt.

Mit dem Interview verwandt ist die Straßenumfrage, die im Gegensatz zur sozialwissenschaftlichen Befragung nicht repräsentativ ist.

Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Befragung

Einen großen Stellenwert als Basis für die Analyse- und Dokumentationsarbeit haben Interviews wissenschaftlich in der Sprachwissenschaft (Sprachatlas, Mundartforschung), in der Volkskunde/Ethnographie (Gewährsleute), in der Geschichtswissenschaft (Zeitzeugen, Technikgeschichte, Sozialgeschichte, Oral History) sowie in der empirischen Sozialforschung (insbesondere in der qualitativen Sozialforschung).

Andere Arten der Befragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personalmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine spezielle Art ist das strukturierte Einstellungsinterview, ggf. in Gestalt eines umfangreichen standardisierten Fragebogens. Ähnlich verhält es sich mit dem Erstgespräch mit einem Kandidaten im Executive Search.

Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der medizinischen Diagnostik nennt man das Interview durch den behandelnden oder in der Klinik stationär aufnehmenden Arzt die Anamnese.

Angewandte Psychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der psychologischen und psychologisch-pädagogischen Diagnostik dienen diagnostische Interviews dazu, über einzelne Individuen möglichst umfangreiche, aussagekräftige Informationen zutage zu fördern. In qualitativen Interviews soll durch gezieltes Hinterfragen von Antworten und durch freies Erzählen sowie themenzentrierte Ausführungen der Probanden ein möglichst vorurteilsfreies und nicht von normengestützten Vergleichsinteressen geleitetes Bild der Persönlichkeit oder der individuellen Denkleistungen erzeugt werden. So können z. B. Aussagen über das individuelle, inhaltlich-mathematische Denken (siehe auch: Qualitative Diagnostik) oder andere Sachgebiete gemacht werden.

Forensik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Abwandlungen des Interviews sind das polizeiliche Verhör und die gerichtliche Befragung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Ott und Andrea Rexer: Zahltag. In: Süddeutsche Zeitung vom 20. Februar 2014, S. 19

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Interviews – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
  Wikiquote: Interview – Zitate
 Wiktionary: Interview – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen