Bauernfängerei

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Bauernfängerei bezeichnet eine Art von Täuschung bis hin zum Betrug, bei der davon ausgegangen wird, dass ein Vertragspartner die Modalitäten entweder nicht versteht oder relevante Passagen (Kleingedrucktes) überliest. Der Name stammt aus dem Dreißigjährigen Krieg, in dem Anwerber der Söldnerheere Bauern oft erst betrunken gemacht haben und dann einen Rekrutierungsvertrag haben unterschreiben lassen, den diese nicht mehr lesen konnten.

Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff damit erklärt, dass in Großstädten wie Berlin Betrüger an den Bahnhöfen lauerten und vom Land kommende Reisende, die vom ungewohnten Betrieb in der fremden Stadt überfordert waren, mit falscher Freundlichkeit als Opfer „fingen“. Durch betrügerisches Glücksspiel, die Zusage von Hilfe bei der Arbeitssuche oder ähnliches erleichterten sie die „Bauern“ um ihr Reisegeld.[1]

Heute wird der Begriff ganz allgemein für Betrüger verwendet, die ihr Opfer mit falschen Versprechungen oder Ausnutzen seiner Unkenntnis hereinlegen: Klassisches Beispiel hierfür ist die postalisch versandte Gewinnzusage, bei der angeblich hohe Gewinne zwar versprochen, aber letztlich nie ausgezahlt werden. Einziger Zweck dieser Bauernfängerei ist es, Waren überteuert zu verkaufen oder direkt Geld abzuzocken. Das gilt auch für Kaffeefahrten, bei denen das einzige Ziel des Veranstalters eine Verkaufsveranstaltung mit überteuerten Waren darstellt.

Eine spezielle Variante der Bauernfängerei sind sogenannte Nutzlosanbieter, die Internet-Nutzern ein Angebot offerieren, das es in vergleichbarer Weise auf anderen Internetseiten kostenlos gibt, das auf ihrer Seite aber mit einer versteckten Rechnungsstellung verbunden ist, dies meist verbunden mit einem Abonnement.

Die Warnung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ wurde als Untertitel in der Fernsehsendung Vorsicht Falle! (ZDF) mit Eduard Zimmermann zum geflügelten Wort.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schanghaien (Rekrutieren von Seeleuten für Kriegs- und Handelsschiffe sowie zeitweise für die Heeresergänzung)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Bauernfängerei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Bauernfänger von Berlin. In: Illustrirte Zeitung (Leipzig) vom 16. März 1872.
  2. In der Folge vom 9. Dezember 1978 erklärte Zimmermann den Begriff mit den oben beschriebenen Betrügern an den Bahnhöfen im 19. Jahrhundert: https://www.youtube.com/watch?v=rkW4_BIJI74.
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