Octabromdiphenylether

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Strukturformel
Allgemeine Struktur von Octabromdiphenylether
Hauptbestandteile: n + m = 8
Allgemeines
Name Octabromdiphenylether
Andere Namen
  • OctaBDE
  • Octa-BDE
  • 2,4,5-Tribromphenoxy-pentabrombenzol
Summenformel C12H2Br8O
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff [1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 32536-52-0
EG-Nummer 251-087-9
ECHA-InfoCard 100.046.428
Wikidata Q57083698
Eigenschaften
Molare Masse 801,31 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

2,9 g·cm−3 [1]

Schmelzpunkt

70–257 °C (je nach Zusammensetzung)[2]

Siedepunkt

> 330 °C (Zersetzung)[2]

Dampfdruck

6,59 µPa (21 °C)[2]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (<0,1 mg·l−1)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[1]
08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 360Df
P: ?
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Octabromdiphenylether (OctaBDE) ist ein Flammschutzmittel und gehört zur Gruppe der polybromierten Diphenylether (PBDE).

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OctaBDE wurde mit Antimontrioxid als Synergist vor allem im Kunststoff ABS eingesetzt. Weitere Kunststoffe, welche mit der Substanz flammgeschützt wurden, waren HIPS, PBT und Polyamidpolymere. Typische Einsatzkonzentrationen waren 12–15 %.[2] Der jährliche Verbrauch wurde 2001 weltweit auf 3790 Tonnen geschätzt, wovon rund 610 Tonnen in der europäischen Industrie verwendet wurden.[4] Eingesetzt wurde dabei ein Stoffgemisch bestehend aus verschiedenen Kongeneren, wobei neben Diphenylethern mit acht auch solche mit fünf (Pentabromdiphenylether), sechs (Hexabromdiphenylether), sieben (Heptabromdiphenylether), neun (Nonabromdiphenylether) und zehn Bromatomen (Decabromdiphenylether) enthalten waren.

Zusammensetzung von technischem OctaBDE[5]
Struktur Kongener Name Anteil
Struktur von BDE-153 BDE-153 2,2′,4,4′,5,5′-Hexa-
bromdiphenylether
0,15–8,7 %
Struktur von BDE-154 BDE-154 2,2′,4,4′,5,6′-Hexa-
bromdiphenylether
0,04–1,1 %
Struktur von BDE-171 BDE-171 2,2′,3,3′,4,4′,6-Hepta-
bromdiphenylether
0,17–1,8 %
Struktur von BDE-180 BDE-180 2,2′,3,4,4′,5,5′-Hepta-
bromdiphenylether
n. d.–1,7 %
Struktur von BDE-183 BDE-183 2,2′,3,4,4′,5′,6-Hepta-
bromdiphenylether
13–42 %
Struktur von BDE-196 BDE-196 2,2′,3,3′,4,4′,5,6′-Octa-
bromdiphenylether
3,1–10,5 %
Struktur von BDE-197 BDE-197 2,2′,3,3′,4,4′,6,6′-Octa-
bromdiphenylether
11–22 %
Struktur von BDE-203 BDE-203 2,2′,3,4,4′,5,5′,6-Octa-
bromdiphenylether
4,4–8,1 %
Struktur von BDE-206 BDE-206 2,2′,3,3′,4,4′,5,5′,6-Nona-
bromdiphenylether
1,4–7,7 %
Struktur von BDE-207 BDE-207 2,2′,3,3′,4,4′,5,6,6′-Nona-
bromdiphenylether
11–12 %
Struktur von BDE-209 BDE-209 Deca-
bromdiphenylether
1,3–50 %

Es sind nur Kongenere mit mehr als 1 % aufgeführt.

Im Elektroschrott wurde in 2003 und 2011 durchgeführten Studien durchschnittliche Konzentrationen von 530 ppm bzw. 120 ppm gefunden, was das verbreitete Vorkommen von OctaBDE in elektrischen Geräten sowie den Verwendungsrückgang bestätigte.[6][7]

Umweltrelevanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner Toxizität, Persistenz und Tendenz zu Bioakkumulation wurde die Substanz 2004 in der EU, der Schweiz, Norwegen, sowie weiteren Ländern verboten. In den USA haben 10 Staaten die Verwendung von OctaBDE gesetzlich verboten (Kalifornien, Hawaii, Illinois, Maine, Maryland, Michigan, New York, Oregon, Rhode Island und Washington). Einige Kongenere von kommerziell genutztem OctaBDE wurden in die Liste des Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention) aufgenommen. Dabei wurden für einige Produkte, die recyceltes Material enthalten, Ausnahmen gewährt. In Deutschland hat die Industrie schon 1986 in einer freiwilligen Vereinbarung beschlossen auf die Verwendung zu verzichten.[8] OctaBDE gelangt durch verschiedene Prozesse in die Umwelt und kommt in den Umweltkompartimenten wie Luft, Wasser, Boden, Flusssedimenten vor. Auch im Klärschlamm und im Hausstaub wird es gefunden.[9][10][11] In den USA und Kanada sind die Werte im Hausstaub viel höher als in Europa. In einer vom WWF durchgeführten Untersuchung wurde OctaBDE im Blut der Europaparlamentarier gefunden.[12] Auch in der Muttermilch kann es nachgewiesen werden.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu Octabromdiphenylether in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 23. Juli 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c d European Commission: European Union Risk Assessment Report. DIPHENYL ETHER, OCTABROMO DERIVATIVE (CAS No: 32536-52-0, EINECS No: 251-087-9). RISK ASSESSMENT. (PDF-Datei; 8 MB). Office for Official Publications of the European Communities, 2003.
  3. Eintrag zu Diphenyl ether, octabromo derivative im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  4. Bromine Science and Environmental Forum: Industrial demand in 2001, abgerufen am 21. Februar 2007.
  5. M. J. La Guardia, R. C. Hale, E. Harvey: Detailed Polybrominated Diphenyl Ether (PBDE) Congener Composition of the Widely Used Penta-, Octa-, and Deca-PBDE Technical Flame-retardant Mixtures. In: Environ. Sci. Technol. 40, 2006, S. 6247–6254, doi:10.1021/es060630m.
  6. Leo S. Morf, Josef Tremp, Rolf Gloor, Yvonne Huber, Markus Stengele, Markus Zennegg: Brominated Flame Retardants in Waste Electrical and Electronic Equipment: Substance Flows in a Recycling Plant. In: Environmental Science & Technology. 39 (22), 2005, S. 8691–8699, doi:10.1021/es051170k.
  7. Ruedi Taverna, Rolf Gloor, Urs Maier, Markus Zennegg, Renato Figi, Edy Birchler: Stoffflüsse im Schweizer Elektronikschrott. Metalle, Nichtmetalle, Flammschutzmittel und polychlorierte Biphenyle in elektrischen und elektronischen Kleingeräten. Bundesamt für Umwelt, Bern 2017. Umwelt-Zustand Nr. 1717: 164 S.
  8. R. E. Alcock, J. Busby: Risk migration and scientific advance: The case of flame-retardant compounds. In: Risk Analysis. 26(2), 2006, S. 369–381. PMID 16573627
  9. B. Kuch, W. Körner, H. Hagenmaier: Monitoring von bromierten Flammschutzmitteln in Fliessgewässern, Abwässern und Klärschlämmen in Baden-Württemberg. (Memento vom 22. Juni 2006 im Internet Archive) Umwelt und Gesundheit, Universität Tübingen, 2001.
  10. W. Moche, G. Thanner, K. Stephan: Bromierte Flammschutzmittel in der aquatischen Umwelt. (PDF-Datei; 511 kB). Umweltbundesamt, Wien 2004.
  11. M. Uhl, P. Hohenblum, S. Scharf, C. Trimbacher: Hausstaub – Ein Indikator für Innenraumbelastung. (PDF-Datei; 2,6 MB). Umweltbundesamt, Wien 2004.
  12. WWF Detox Campaign: Bad Blood? A Survey of Chemicals in the Blood of European Ministers. 2004.
  13. B. Vieth, T. Rüdiger, B. Ostermann, H. Mielke: Rückstände von Flammschutzmitteln in Frauenmilch aus Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von polybromierten Diphenylethern. (PDF-Datei; 260 kB). Aktionsprogramm „Umwelt und Gesundheit“. Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin 2005.