Ocypus aeneocephalus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ocypus aeneocephalus
Ocypus aeneocephalus

Ocypus aeneocephalus

Systematik
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Kurzflügler (Staphylinidae)
Unterfamilie: Staphylininae
Gattung: Ocypus
Art: Ocypus aeneocephalus
Wissenschaftlicher Name
Ocypus aeneocephalus
(De Geer, 1774)

Ocypus aeneocephalus ist ein Käfer aus der großen Familie der Kurzflügler und der Unterfamilie Staphylininae.[1] Die Gattung Ocypus ist in mehrere Untergattungen aufgeteilt, die Art Ocypus aeneocephalus gehört zur Untergattung Pseudocypus, die in Europa mit 19 Arten vertreten ist.[2]

Der Gattungsname Ocypus von altgriechisch οκύπους ‚okýpous ‘ bedeutet ‚schnellfüßig‘. Der Artname aeneocephalus (von lat. ‚aëneus‘ ‚erzfarbig‘ und altgriechisch κεφαλή ‚kephalē ‘ ‚Kopf‘) spielt auf den Erzschimmer des Kopfes an.[3]

Ocypus aeneocephalus head up.jpg Ocypus aeneocephalus head under.jpg
Abb. 1: Kopf von oben Abb. 2: Kopf von unten
rechts teilweise koloriert
grün: Lippentaster
rot: Kiefertaster
blau: Oberkiefer
gelb: Unterkiefer
Ocypus aeneocephalus pronotum detail.jpg
Abb. 3: Punktur auf der Seite des Halsschilds

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der stark behaarte Käfer wird elf bis fünfzehn Millimeter lang, Der Körper ist schwarz mit Bronzeschimmer, Fühler Tarsen und Vorderschienen sind mehr oder weniger rotbraun.

Der fast kreisförmige Kopf hat einen abgesetzten Hals. Der Kopf ist etwas schmäler als der Halsschild und zeigt die typischen Merkmale der Unterfamilie: die Fühler sind am Vorderrand des Kopfes eingelenkt und der Abstand zwischen den Einlenkungsstellen ist größer als der Abstand zum Vorderrand der Augen aber kleiner als der Abstand der Basen der Oberkiefer zueinander (Abb. 1). Die Schläfen sind kürzer als der Längsdurchmesser der Augen. Das Endglied der Kiefertaster (Abb. 2, rechts rot) ist kahl[4] und länglich spindelförmig, das Endglied der Lippentaster (Abb. 2 rechts grün) ist nur wenig dicker, länglich oval. Die Endglieder beider Taster sind an der Spitze schmal abgestumpft. Die Oberkiefer sind breit und gedrungen mit einem deutlichen Mittelzahn sowie weiteren Zähnen auf der Innenseite. Die Mulde auf der Unterseite der Kiefer hinter dem Mittelzahn (Prostheka) trägt lange Wimpern (Abb. 2, von Natur aus gelb). Die elfgliedrigen Fühler sind schnurförmig und verbreitern sich nach außen kaum (Abb. 1).

Der Halsschild ist länger als breit, von oben betrachtet vorn gerade abgeschnitten und hinten konvex nach außen gebuchtet. Neben der glatten Halsschildmittellinie verläuft eine deutliche Punktreihe, seitlich davon ist der Halsschild dicht und einförmig punktiert (Abb. 3). Die Behaarung auf der Außenhälfte des Halsschildes ist nicht nach innen, sondern nach hinten und teilweise leicht nach außen gerichtet. Auf der Innenhälfte ist die Behaarung auf beiden Seiten der Mittellinie in einem Streifen angeordnet, in dem die Haare nach hinten nach beiden Seiten auseinander laufen (Taxobild).

Die Flügeldecken sind verkürzt, deutlich kürzer als der Halsschild und kaum breiter als dieser. Ihre Seiten verlaufen parallel. Das Schildchen trägt einen auffallenden schwarzen Fleck, der durch dunkle Tomentierung zustande kommt.

Der Fortsatz der Mittelbrust, der sich zwischen die Mittelhüften schiebt, endet spitz.[4]

Der Hinterleib ist etwa gleich breit wie die Flügeldecken. Er ist oberseits nach hinten anliegend steif behaart, die Behaarung bildet abwechselnd hellere und dunklere Streifen, die je nach Verbreitungsgebiet verschieden deutlich ausgebildet sind.

Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Larve und Imago leben räuberisch. Sie sind in der Bodenspreu, unter Steinen und Moos verschiedener Lebensräume sowohl in der Ebene als auch im Bergland zu finden. Bei Fängen mit Bodenfallen, bei denen neun verschiedenen Flächen (Ackerflächen, verschiedene Wiesen, Heckengebiete und Wald) verglichen wurden, ergab sich, dass Ocypus aeneocephalus deutlich die Naturwiesen bevorzugte, und unter diesen weniger deutlich die feuchtere.[5] In den Niederlanden wurde die Art von September bis Mai in der Heide gefangen, am häufigsten von Oktober bis Dezember.[6] In Rheinland-Pfalz wurden je ein Exemplar auf einer extensiv genutzten Glatthaferwiese und auf verbuschtem Halbtrockenrasen gefangen, ebenfalls im Herbst.[7] Die Art zeigt jedoch eine Präferenz für feuchtes Grünland.[8][9][10]

Puppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorderrand des Pronotums ist mit 27 haarähnlichen Fortsätzen versehen, der Seitenrand des Abdomens trägt auf jeder Seite zwei Paar haarähnlicher Fortsätze.[11]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art ist holarktisch verbreitet, in Europa fehlen jedoch Meldungen aus Portugal, Weißrussland, den meisten Mittelmeerinseln und den Ländern Südosteuropa. In anderen Ländern (Irland, verschiedene europäische Teile von Russland) ist das Vorkommen zweifelhaft.[1] In Mitteleuropa ist die Art eher selten, auf einer Roten Liste von Berlin wird sie als sehr selten und vom Aussterben bedroht geführt.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Freude, Karl Wilhelm Harde, Gustav Adolf Lohse: Die Käfer Mitteleuropas. Band 4 Staphylinidae I Goecke & Evers Verlag, Krefeld 1964
  • Edmund Reitter: Fauna Germanica, die Käfer des Deutschen Reiches II. Band, K.G.Lutz’ Verlag, Stuttgart 1909

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ocypus aeneocephalus bei Fauna Europaea. Abgerufen am 7. März 2012
  2. Pseudocypus (Untergattung) bei Fauna Europaea. Abgerufen am 7. März 2012
  3. Sigmund Schenkling: Erklärung der wissenschaftlichen Käfernamen.
  4. a b Aleš Smetana, Anthony Davis: „Reclassification of the North Temperate Taxa Asociated with Staphylinus Sensu Lato Including Comments on Relevant Subtribes of Staphylinini (Coleoptera, Styphylinidae)“ American Museum Novitates, Number 3287:1-88. 2000, doi:10.1206/0003-0082(2000)287<0001:ROTNTT>2.0.CO;2
  5. Konrad THALER, Alois KOFLER & Erwin MEYER: Fragmenta Faunistica Tirolensia — IX Ber. nat.-med. Verein Innsbruck Band 77 S. 225–243, Innsbruck, Okt. 1990 als PDF
  6. F.C.F. Sterrenburg: Ergänzungen zur Staphylinidenfauna der Niederlande 2 (Coleoptera: Staphylinidae) Nederlandse Faunistische Mededelingen, 7:27-30 als PDF
  7. Edmund Wenzel, Karsten Hannig: Bemerkenswerte Käfernachweise auf dem Heimberg bei Schloßböckelheim an der Mittleren Nahe (Ins., Coleoptera) Coleo 3 S. 69–114, 2001 ISSN 1616-329X herunterladbar
  8. Sonja Hennicke, geb. Medel: Die ökologische Charakterisierung der epigäischen Kurzflüglerzönosen (Coleoptera, Staphylinidae) der Küstenüberflutungsmoore des Greifswalder Boddens Inauguraldissertation an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald Dez. 2007 als PDF
  9. polnische koleopterologische Seite
  10. Melania Stan: "On the species of Ocypus Leach. on the Carpathian Basin with special reference to the species of Romania (Coleoptera: Staphylinidae: Staphylininae: Staphylinini)" Acta entomologica serbica, 2010, 15(2): 171-193 UDC 595.763(498) als PDF
  11. Bernard Staniec: "Description of the pupae of Philonthus corvinus ERICHSON, 1839, Ph. micans (GRAVENHORST, 1802), and Ph. punctus (GRAVENHORST, 1802) (Coleoptera: Staphylinidae)" Genus, Vol.14(1): 15-26 Breslau 15. April 2003 Bestimmungstabelle für die Puppen einiger Kurzflügler (Memento des Originals vom 1. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/culex.biol.uni.wroc.pl (PDF; 266 kB)
  12. Horst Korge: Rote Liste und Gesamtartenliste der Kurzflügelkäfer (Coleoptera: Staphylinidae) in Berlin als PDF (Memento des Originals vom 13. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/141.15.4.17

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ocypus aeneocephalus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien