Odorierung

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Als Odorierung wird der Zusatz geruchsintensiver Substanzen (Odoriermittel) bezeichnet, insbesondere deren Beimengung zu Gasen ohne signifikanten Eigengeruch. Im Sinne einer Sicherheitsmaßnahme können die zugefügten Riechstoffe hierbei als Warn- oder Alarmsignal dienen, und sollen daher als Odor einen die Gefährdung durch das weitgehend geruchlose Gas kennzeichnenden Geruch aufweisen.

Odorierung von Erdgas und anderen Brenngasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Odorierung von Erdgas und anderen Brenngasen stellt eine wichtige Sicherheitsmaßnahme dar, nicht nur für den Gasabnehmer. Im Unterschied zu den vormals verwendeten Stadt- oder Kokereigasen mit starkem Eigengeruch ist das gereinigte heute übliche Erdgas nahezu geruchlos. Damit Leckagen der öffentlichen Gasversorgung oder undichte Anlagen der Gasinneninstallation prompt bemerkbar sind, werden diesem Erdgas aus Sicherheitsgründen vorgeschriebene spezifische Warngerüche hinzugefügt, denn bei nicht rechtzeitig bemerktem Austritt können sich binnen Kurzem explosionsfähige Gas/Luft-Gemische mit hohem Gefahrenpotenzial aufbauen.

Die eingesetzten Odoriermittel müssen besondere Ansprüche erfüllen, denn auch noch in großer Verdünnung wahrnehmbar sein und zudem eine alarmierende Assoziation hervorrufen können. Dafür muss das Odormittel also nicht nur unangenehm und unverwechselbar riechen, sondern vor allem eindeutig einen Warngeruch darstellen. Der Geruch des odorierten Gases darf dem Menschen daher nicht aus dem Alltag, z.B. aus Küche und Haushalt, geläufig sein.

Zu diesem Zweck werden in Deutschland verbreitet leichtflüchtige, typisch riechende organische Schwefelverbindungen verwendet, vornehmlich Tetrahydrothiophen (THT) (12-25 mg/m3), dessen Geruch an den fauler Eier erinnert, sowie auch Mercaptangemische. Da bei der zweckbestimmten Verbrennung derart odorierter Gase zusätzliche Schwefeloxide als Verbrennungsprodukte anfallen, kommen seit einiger Zeit daneben schwefelfreie Odoriermittel zum Einsatz, beispielsweise ein Gemisch aus Acrylsäureethylester (über 50 %), Acrylsäuremethylester und 2-Ethyl-3-methylpyrazin. Ein solches Gemisch besitzt einen lösungsmittelartigen Geruch, der laut Untersuchungen des DVGW von Probanden dennoch mit Erdgas in Verbindung gebracht wird, doch ist die Wirksamkeit dieses Mittels umstritten.[1] Die Odorierungsvorgaben sind im DVGW Arbeitsblatt G 280, Teil 1-3 beschrieben.

Stoßodorierung wird eine vorübergehend erhöhte Beimischung des Odorierungszusatzes über eine gewisse Zeitspanne genannt, etwa nach Neuinstallationen oder auch in regelmäßigen Abständen wiederholt, um kleine Undichtigkeiten frühzeitig aufzufinden.

Odorierung von Löschgasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Inertgas-Löschanlagen wird üblicherweise ein nach Zitronen riechendes Odormittel verwendet, das das geruchlose Löschgas wahrnehmbar macht. Wenn die Gefahr besteht, dass in tiefer gelegenen unbelüfteten Räumen, z. B. Gruben von hydraulischer Anlagen oder Kellern, Personen durch ausströmendes Löschgas gefährdet werden, ist es in Deutschland nach berufsgenossenschaftlichen Regeln vorgeschrieben, das Löschmittel zur Geruchswahrnehmung durch Zusätze zu odorieren. Bei Hochdruck-Inertgas-Löschanlagen wird das Odormittel dem Löschmitteln bereits beim Abfüllen in die Hochdruck-Gasflaschen beigemengt, bei Niederdruck-Inertgas-Löschanlagen wird es dem Löschgas erst beim Löschvorgang durch eine sogenannte Odorierungseinrichtung beigemischt.

Odorierung von Sauerstoff zum Schweißen und Schneiden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem beispielsweise zum Schweißen bzw. Schneiden verwendeten Sauerstoff wird die Odorierung vorgenommen, wenn die Gefahr besteht, enge Räume mit Brenngasen oder Sauerstoff anzureichern. Denn bereits eine geringe Erhöhung des Sauerstoffanteils in der Raumluft gegenüber den 21 Volumenprozent in Luft steigert die Entflammbarkeit selbst schwer entflammbarer Stoffe (wie etwa Schutzkleidung) erheblich und erhöht die Verbrennungsgeschwindigkeit und -temperatur.

Odorierung von Formaldehyd, 1,2-Dichlorethan oder Benzolen mit Trichlornitromethan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund strenger Regelungen der EU (Richtlinie 2000/29/EG) zum Schutz gegen die Einschleppung von Schadorganismen werden Container, Waren oder Verpackungsmaterial aus Holz aus Übersee häufig im Exportland begast. Die am häufigsten eingeführten Gase sind Methylbromid (90 %), Sulfurylfluorid, Phosphorwasserstoff und Formaldehyd. Außerdem werden bei der Herstellung oder weiteren Behandlung von bestimmten Waren Substanzen verwendet, die während des Transports Gase in gesundheitsgefährlicher Konzentration freisetzen.

Bisher nachgewiesene Gase in gesundheitsgefährlicher Konzentration sind Benzol, Formaldehyd, 1,2-Dichlorethan. Dabei dient Trichlornitromethan (aller Wahrscheinlichkeit nach) zur Odorierung von Begasungsmitteln und als Hinweis auf ausgedünstete Gase der Waren. Besonders häufig sind Container mit Schuhen (Benzol) und Textilien (Formaldehyd) von den Überschreitungen der Grenzwerte betroffen. Nach Feststellung sollten diese Container nach ArbSchG ausreichender Belüftung unterzogen werden.

Analytik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bestimmung der Konzentration von Odoriermitteln kommen Gaschromatographie, Ionen-Mobilitäts-Spektrometer oder Olfaktometrie zum Einsatz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Gasgeruch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Donner: Der Duft der Gefahr. In: Bild der Wissenschaft. 30. Juni 2009, abgerufen am 30. November 2013.