Open Source Seeds

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Open Source Seeds (Eigenschreibweise: OpenSourceSeeds) ist eine europäische Initiative, die 2017 von Agrecol e.V gegründet wurde. Ziel ist es, mithilfe der Open-Source-Saatgut-Lizenz Saatgut als Gemeingut zu schützen.[1] Dabei hat die Initiative vor allem den Schutz vor Patentierung im Blick und als weniger restriktive Variante der Privatisierung auch den Ausschluss von Sortenschutz.[2][3]

OpenSourceSeeds unterstützt Pflanzenzüchter bei der Lizenzierung von neuen Sorten und berät Saatguterzeuger und Händler beim Umgang mit open-source lizenzierten Saatgut.[4] Außerdem fördert die Initiative die Forschung zur Finanzierung einer eigentumsfreien Pflanzenzüchtung und koordiniert nationale sowie internationale Netzwerke.[5]

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Jahrtausende galt Saatgut als Gemeingut. Die Privatisierung von pflanzengenetischen Ressourcen ist jüngeren Datums. In Deutschland wurden Pflanzenzüchterrechte durch das Sortenschutzgesetz 1953 erstmals gesetzlich verankert. Der internationale Schutz von Pflanzenzüchtungen folgte 1961 durch die Gründung des internationalen Verbands zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) und basiert auf dem Recht des geistigen Eigentums bei Saatgut. In den 1980er Jahren kam es mit der Entwicklung genetischer Verfahren zur Veränderung des Erbgutes von Pflanzen zu entscheidenden Veränderungen.[6] Bereits 1980 entschied der US Supreme Court, im Prozess Diamond v. Chakrabarty, das Gen-Sequenzen patentiert werden dürfen, welches die Möglichkeit eröffnete, Saatgut zukünftig zu privatisieren.[7] Letztendlich haben UPOV und die Patentgesetzgebung die Privatisierung des Saatgut Sektors immer stärker vorangetrieben, welche wiederum zu einer wachsenden Marktkonzentration der Saatgutwirtschaft führte. Dabei sind es vor allem internationale Chemiekonzerne, die die Konzentration der Saatgutwirtschaft bewirkten, Firmen, die in der Pflanzenzüchtung ein synergetisches und hochprofitables Geschäftsfeld entdeckten und die in großer Zahl kleinere Saatgutfirmen aufkauften.[6]

Um der Monopolbildung globaler Saatgutkonzerne entgegenzuwirken haben sich weltweit vergleichbare Saatgut-Initiativen gebildet. Neben OpenSourceSeeds in Deutschland sind hier beispielhaft, die Open Source Seed Initiative (OSSI) in den USA oder bioleft in Argentinien zu nennen. Anders als bei OSSI, deren open-source Lizenz auf einer rechtlich nicht bindenden moralischen Vereinbarung, einem Versprechen, basiert, begründet sich die Open-Source-Saatgut-Lizenz auf einem zivilrechtlichen Lizenzvertrag.[8][9]

Ziel und Vision[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Initiative ist es Saatgut mithilfe der Open-Source-Saatgut-Lizenz als Gemeingut zu erhalten.[4] Dabei spielt die Grundüberzeugung, dass natürliche Ressourcen als Gemeingüter (englisch commons) allen zugänglich sein sollten, eine tragende Rolle. Commoning als Alternative zu individuellen geistigen Eigentumsrechten, ist ein altes Konzept des gemeinschaftlichen Umgangs mit Ressourcen.[9]

Als Gegenbewegung zur Kommerzialisierung natürlicher Ressourcen versucht OpenSourceSeeds der Verringerung genetischer Vielfalt und Einseitigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion entgegenzuwirken.[4] Indem der freie Zugang zu Saatgut gewährleistet, sowie die Weiterentwicklung gefördert wird, leisten Open-Source-Saatgut-Lizenz einen Beitrag in der Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.[6] Durch die Unabhängigkeit der Saatgutnutzer sowie der Gesellschaft als Ganzes sind die Lizenzen ein wichtiger Schritt hin zu dem von der Kleinbäuerbewegung la Via Campesina erstmals 1996 vorgestellten Konzept der Ernährungssouveränität, dass auf eine Demokratisierung des Ernährungssystems abzielt. Als Vision hat OpenSourceSeeds deshalb einen nicht-privaten, sich am Gemeinwohl orientierenden Saatgutsektor zu entwickeln.[4]

Strategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Saatgut rechtlich bindend als Gemeingut zu schützen und vor Patentierung und Sortenschutz zu bewahren, wurden die von Computerwissenschaftler entwickelten Regeln von Open-Source-Lizenzen erstmals auf Saatgut übertragen. Sorten von gemeinnützig arbeitenden Züchter, die auf Sortenschutz verzichten und ihre neuen Sorten ohne Einschränkung der Gemeinschaft zur Verfügung stellen wollen, können so vor privater Aneignung geschützt werden. Somit ist open-source Saatgut im Gegensatz zu geschützten Sorten frei von geistigen Eigentumsrechten und zugänglich für alle. Das Saatgut kann ohne Einschränkung vermehrt, verkauft, weitergegeben oder züchterisch bearbeitet werden.[9]

Die Open Source Saatgut Lizenz baut auf folgende drei Regeln auf:

  1. Alle dürfen das Saatgut nutzen.
  2. Niemand darf das Saatgut oder seine Weiterentwicklungen privatisieren.
  3. Zukünftigen Empfängern werden die gleichen Rechte und Pflichten übertragen.

Durch die Copyleft-Klausel erlaubt die Lizenz neuen Nutzern, von den gleichen Rechten zu profitieren wie die vorherigen Besitzer und überträgt ihnen die gleichen Pflichten.[6] So kann sichergestellt werden, dass der Schutz für alle Weiterentwicklungen der entsprechenden Sorte gilt.

Bislang wurden mehrere Sorten unter die Lizenz gestellt, drei Tomatensorten, drei Weizensorten, einen Zuckermais und eine Kirschpaprika.[10] Seit 2019 gibt es zudem ein open-source Brot aus dem Mehl der Weizensorte “Convento C”. Die Vermarktung des Brotes fördert die freie Züchtung, denn für jedes Kilo Mehl fließen 2 ct in ausgewählte Züchtungsprojekte.[11] Die dadurch generierten Gelder für die Pflanzenzüchtung sind bisher zwar noch gering, aber sie steigen von Jahr zu Jahr.[12] Um die Finanzierung gemeinschaftlichen Saatgutes, langfristig zu gewährleisten, gibt es Bestrebungen die Gesellschaft als Ganzes an den Kosten eigentumsfreier Pflanzenzüchtung zu beteiligen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Saatgut als Gemeingut | www.agrecol.de. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  2. Christoph Seidler: Neue Tomatensorte: Angriff der Saat-Piraten. In: Spiegel Online. 27. April 2017 (spiegel.de [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  3. Bio-Linux oder: Saatgut als Commons. In: CommonsBlog. 14. April 2017 (commons.blog [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  4. a b c d Johannes Kotschi: Saatgut als Gemeingut – Open-Source-Lizenzen sind ein Beitrag für mehr Vielfalt bei der Entwicklung neuer Pflanzensorten. Südlink 183, INKOTA-Dossier 19, März 2018, S. 20–22.
  5. Über uns | OpenSourceSeeds. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  6. a b c d Johannes Kotschi und Klaus Rapf: Befreiung des Saatguts durch Open-Source Lizenzierung. Hrsg.: AGRECOL e.V. 2016.
  7. Jack Kloppenburg: Re-purposing the master's tools: the open source seed initiative and the struggle for seed sovereignty. In: The Journal of Peasant Studies. Band 41, Nr. 6, 2. November 2014, ISSN 0306-6150, S. 1225–1246, doi:10.1080/03066150.2013.875897.
  8. Johannes Kotschi und Bernd Horneburg: The Open Source Seed Licence: A novel approach to safeguarding access to plant germplasm. In: PLOS Biology. Band 16, Nr. 10, 23. Oktober 2018, ISSN 1545-7885, S. e3000023, doi:10.1371/journal.pbio.3000023.
  9. a b c Johannes Kotschi, Gregor Kaiser: Open-Source für Saatgut – Diskussionspapier. Hrsg.: AGRECOL e.V. 2012.
  10. Die Liste | OpenSourceSeeds. Abgerufen am 11. Juli 2019.
  11. Züchter-Infos | OpenSourceSeeds. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  12. Unterstützen | OpenSourceSeeds. Abgerufen am 17. Februar 2020.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]