Saatgut

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Verschiedenes Saatgut
Saatgut der Brasilkiefer (Araucaria angustifolia)

Als Saatgut (auch Saatkorn oder Saatfrucht) bezeichnet man trockene, ruhende, generative Fortpflanzungsorgane wie Samen, Früchte, Scheinfrüchte, Fruchtstände oder Teile davon. Sie enthalten die vollständige, durch Befruchtung entstandene Keimanlage der Pflanzen. Nach der Ernte befinden sich die Samen in einer Keimruhe, die sich zum Teil erst nach mehreren Wochen enzymatisch abbaut – dadurch sorgt die Natur für die saisongerechte Keimfähigkeit. Bei trockener und kühler Lagerung behält Saatgut über viele Jahre die Keim- und Triebkraft.

Dagegen bezeichnet man vegetative Vermehrungsorgane wie Rhizome, Knollen, Zwiebeln, Stecklinge als Pflanzgut. Diese Pflanzenteile sind regenerationsfähig, aber in der Regel nur über wenige Vegetationsperioden haltbar.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Größe und das Gewicht von Saatgut der verschiedenen Pflanzenarten ist sehr unterschiedlich. Beispielsweise beträgt das Tausendkorngewicht (TKG) von Rotklee 1,75–2,25 Gramm, Getreide 28–55 Gramm, Mais 200–450 Gramm und Ackerbohnen 300–700 Gramm.[1]

Beim Saatgut spielen Gesundheit, Sortenreinheit, Keimfähigkeit und Triebkraft eine herausragende Rolle. Durch die übliche Beizung des landwirtschaftlichen Saatguts wird dieses und die Jungpflanze bei und nach der Keimung im Feld vor Pilzen und Schädlingen geschützt.

Durch Züchtung wird Saatgut verbessert. Zertifiziertes Saatgut ist in den Sortenlisten des Bundessortenamts eingetragen. Der Verkauf von Saatgut, das „in Verkehr bringen“, ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland durch das Saatgutverkehrsgesetz geregelt.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Saat von Nutzpflanzen unterscheidet man Rein- und Mischsaat (Saatgutmischung). Der Anbau der Ackerfrüchte wie Getreide, Reis und Mais erfolgt in der Regel als Reinsaat – also nur Saatgut der gleichen Art und Sorte wird ausgebracht. Wiesen und Futterflächen werden in der Regel mittels Mischsaat (Gemengesaat) angelegt – d. h. Saatgut verschiedener Gräser- und Kleearten wird in einem standortgerechten Verhältnis gemischt ausgebracht.

Nach der saisongerechten Aussaat im Feld kommt es in der Regel zu Keimung und Feldaufgang. Einige Nutzpflanzenarten wie z. B. Wintergetreide benötigen zum Schossen eine Vernalisation – die artengerechte Aussaat muss deshalb vor der winterlichen Frostperiode erfolgen.

Als Faustregel für die Erdbedeckung im Saatbett gilt, dass die Sätiefe bei Dunkelkeimern den dreifachen längsten Durchmesser der Samen betragen soll. Allerdings gibt es auch Lichtkeimer, die flacher gesät werden müssen, um zu einer optimalen Keimung zu kommen.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 10 größten Saatgutunternehmen weltweit waren im Jahr 2014:[2]

Firma Umsatz (Millionen €)  % des globalen Marktes
Monsanto 8420 23.7
DuPont/Pioneer Hi-Bred 5989 16.8
Syngenta 2474 7
Groupe Limagrain/Vilmorin 1419 4
Dow 1257 3.5
KWS AG 1178 3.3
Land O’Lakes 1041 2.9
Bayer Crop Science 978 2.8
DLF 427 1.2
Sakata 301 0.8
Summe 23483 66

Internationale Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) ist eine zwischenstaatliche Organisation zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Mehr als 70 Staaten sind Mitglieder.[3] Die International Seed Testing Association (ISTA) entwickelt Saatguttestmethoden und vergibt Zertifikate, sie hat Mitglieder in 77 Ländern.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Saatgut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mittleres Tausendkorngewicht verschiedener Samen (Memento vom 5. Mai 2016 im Internet Archive)
  2. Justus Wesseler, Alessandro Bonanno, Dušan Drabik, Valentina C. Materia, Luca Malaguti, Marcel Meyer, Thomas J. Venus: Overview of the agricultural inputs sector in the EU. Generaldirektion Interne Politikbereiche der Union, Europäisches Parlament, Brüssel 2015, ISBN 978-92-823-7922-6, S. 128.
  3. http://www.upov.int/index_de.html
  4. http://www.seedtest.org/en/home.html