Oratorienchor Liederkranz Ravensburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oratorienchor Liederkranz Ravensburg
Sitz: Ravensburg, Baden-Württemberg
Träger: Eingetragener Verein
Gründung: 1827
Gattung: Oratorienchor
Leitung: Franz Raml
Stimmen: ca. 100 (SATB)
Website: http://www.oratorienchor-liederkranz-rv.de

Der Oratorienchor Liederkranz Ravensburg e. V. 1827 ist ein gemischter Laienchor im oberschwäbischen Ravensburg. Der Oratorienchor Liederkranz singt heute mit etwa 100 Sängern und Sängerinnen in Konzertsälen und Kirchen in Ravensburg und Umgebung in jährlich mehreren Konzerten große geistliche und weltliche Oratorien, wagt sich aber auch immer wieder in andere Bereiche wie die Alte Musik, Chorlieder der Romantik oder die Filmmusik.[1]

Fahne des Liederkranzes Ravensburg von 1896; Leihgabe im Museum Humpis-Quartier Ravensburg

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1827 wurde der ursprünglich reine Männerchor als Liederkranz 1827 Ravensburg von 17 Sängern und 50 passiven Mitgliedern gegründet. Er gilt damit neben der Schützengilde Ravensburg als ältester aktiver Verein der Stadt und ist der älteste Gesangverein im Verband Oberschwäbischer Sängergau 1855 e. V.

Programm des Liederfestes 1841

Der Gesangverein galt als national und liberal; er bestand in der Zeit des Vormärz hauptsächlich aus evangelischen Kaufleuten, Fabrikanten und Beamten. Ein erster größerer Auftritt fand bei einer Schiller-Gedächtnisfeier 1828 statt; in den nächsten zehn Jahren allerdings schlief das Vereinsleben fast wieder ein, die Mitgliederzahl war rückläufig. Um 1838 gewann der Verein jedoch neuen Schwung, und 1841 veranstaltete der Liederkranz als Höhepunkt seiner frühen Vereinsgeschichte ein großes, von zahlreichen auswärtigen Gesangvereinen mit über 800 Personen besuchtes Liederfest in Ravensburg, bei dem der Vereinsvorsitzende und Stadtrat Karl Friedrich Zaisser (der spätere Ravensburger Stadtschultheiß) eine vielbeachtete politische Rede hielt, in der er einen deutschen Staatenbund nach dem Vorbild der Schweiz forderte. Als Reaktion auf seine liberale Rede wurde er jedoch dazu gedrängt, den Vereinsvorsitz niederzulegen.[2]

Beim Neubau des Konzerthauses wurde mit dem Liederkranzsaal ein Probelokal geschaffen, in dem der Chor nach Zwischenspielen an anderen Orten heute wieder wöchentlich probt. Durch eine Vereinbarung mit dem Hauptstifter des Konzerthauses Julius Spohn, der Stadt Ravensburg und dem Liederkranz wurde dem Chor der Saal „für alle Zeiten“ zugesprochen.[3]

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sang der Chor wiederholt bei Gastspielen der Stuttgarter Hofoper im Konzerthaus Ravensburg. Bei einem dieser Auftritte wurde 1907 die schöne Tenorstimme des Chormitglieds Karl Erb entdeckt, der daraufhin in Stuttgart, Lübeck und München eine glanzvolle Karriere als Operntenor machte.

1925 wurde ein eigener Frauenchor gegründet, der später mit dem Männerchor fusionierte.

1933 wurde der Chor im Sinne des Nationalsozialismusgleichgeschaltet“. 1945 wurde er von den französischen Besatzern aufgelöst, aber schon 1946 wiedergegründet.[3]

1971 wurde der Verein in Oratorienchor Liederkranz Ravensburg e. V. 1827 umbenannt.

Musikalische Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Lutz: Zwischen Beharrung und Aufbruch. Ravensburg 1810–1847. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-05912-6
  • Andreas Schmauder: Der Oratorienchor Liederkranz Ravensburg e. V., in: Viva la musica. (= Zeitzeichen; 8). Kreissparkasse Ravensburg, Ravensburg 2011, S. 34–37
  • Anton Strohmaier: Geschichte des Liederkranzes Ravensburg 1827–1927. Festschrift aus Anlaß der Feier des 100jährigen Bestehens am 4.-7. Juni 1927. Dorn, Ravensburg 1927 (169 S.)
  • Oratorienchor Liederkranz Ravensburg e. V. 1827 (Hrsg.): 150 Jahre Liederkranz Ravensburg. 1827–1977. Selbstverlag, Ravensburg 1977 (64 S.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oratorienchor Liederkranz Ravensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weitere groß besetzte Laienchöre in Ravensburg sind der an der Evangelischen Stadtkirche angesiedelte Bachchor Ravensburg (gegründet 1948) und der Konzertchor Ravensburg (gegründet 1958 als Singkreis Ravensburg).
  2. Alfred Lutz: Zwischen Beharrung und Aufbruch. Ravensburg 1810–1847. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-05912-6
  3. a b Andreas Schmauder: Der Oratorienchor Liederkranz Ravensburg e. V., in: Viva la musica. (= Zeitzeichen; 8). Kreissparkasse Ravensburg, Ravensburg 2011, S. 34–37