Ravensburg

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Ravensburg; zu weiteren gleichnamigen Bedeutungen siehe Ravensburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ravensburg
Ravensburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ravensburg hervorgehoben
47.7819444444449.6136111111111450Koordinaten: 47° 47′ N, 9° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Gemeindeverwal-
tungsverband:
Mittleres Schussental
Höhe: 450 m ü. NHN
Fläche: 92,04 km²
Einwohner: 48.915 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 531 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 88212–88214
Vorwahlen: 0751, 07504 (Geratsberg, Wippenreute), 07546 (Taldorf teilw.)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: RV
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 064
Stadtgliederung: Kernstadt und 4 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marienplatz 26
88212 Ravensburg
Webpräsenz: www.ravensburg.de
Oberbürgermeister: Daniel Rapp (CDU)
Lage der Stadt Ravensburg im Landkreis Ravensburg
Bayern Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Sigmaringen Achberg Aichstetten Aitrach Altshausen Amtzell Argenbühl Aulendorf Bad Waldsee Bad Wurzach Baienfurt Baindt Berg (Schussental) Bergatreute Bodnegg Boms Boms Ebenweiler Ebersbach-Musbach Eichstegen Eichstegen Fleischwangen Fronreute Grünkraut Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Horgenzell Hoßkirch Isny im Allgäu Kißlegg Königseggwald Königseggwald Leutkirch im Allgäu Ravensburg Riedhausen Schlier (Gemeinde) Unterwaldhausen Vogt (Gemeinde) Waldburg (Württemberg) Wangen im Allgäu Weingarten (Württemberg) Wilhelmsdorf (Württemberg) Wolfegg Wolpertswende BodenseeKarte
Über dieses Bild
Ansicht von Westen am Tag …
… und in der Nacht

Ravensburg ([ˈʁaːvn̩sbʊʁk] oder [ˈʁaːfn̩sbʊʁk]) ist eine Mittelstadt sowie Kreisstadt und größte Stadt des gleichnamigen Landkreises im südlichen Oberschwaben. Die ehemalige Freie Reichsstadt liegt im Schussental unweit des Bodensees und wurde aufgrund ihrer zahlreichen, gut erhaltenen mittelalterlichen Türme früher auch als „das schwäbische Nürnberg“ bezeichnet. Seit 1. April 1956 ist Ravensburg Große Kreisstadt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ravensburg liegt etwa 17 km (Luftlinie) nord-nordöstlich des am Bodensee gelegenen Friedrichshafen zwischen dem Linzgau im Westen und dem Altdorfer Wald im Nordosten. Durchflossen wird die Stadt von der Schussen (Bodensee- bzw. Rhein-Zufluss).

Die Burg Veitsburg (oberhalb der Altstadt von Ravensburg) liegt auf einem Höhenrücken, der das Schussental-Becken im Osten begrenzt. Dieses Becken – das nicht durch die vergleichsweise kleine Schussen, sondern durch eine eiszeitliche Gletscherzunge geformt wurde, die sich von den Alpen über den Bodensee nach Norden vorschob – verengt sich bei Ravensburg, um sich nördlich von Weingarten wieder etwas zu weiten, bis es in den engen Schussentobel übergeht. Nordöstlich des Burgbergs durchbricht die tief eingeschnittene Schlucht des Flappachtals den Höhenrücken. Das Flappachtal bietet eine eher sanfte Aufstiegsmöglichkeit in Richtung Allgäu, schon früh verlief dort daher eine für den Fernhandel wichtige Route nach Wangen im Allgäu.

Die Stadt Ravensburg entstand auf halber Höhe unterhalb der Veitsburg auf dem Abhang zur Schussen hin; der Flappach wurde als Stadtbach teilweise durch die Stadt, teilweise durch den nördlichen Stadtgraben geleitet. Außerhalb der Stadtmauern befand sich im Flappachtal die Mühlenvorstadt und unterhalb der Stadt am Auslauf des Flappachs zur Schussen das Gerber- und Färberviertel Pfannenstiel. Auf dem der Stadt gegenüberliegenden Westhang des Schussentals befand sich im Mittelalter die Galgenhalde genannte Richtstätte sowie nördlich davon das Sennerbad. Oberhalb davon entstand Mitte des 20. Jahrhunderts das Neubaugebiet „Weststadt“.

Gleichzeitig wuchs die Stadt nach Norden und Süden hin, so dass sich auf der Ostseite des Schussentals heute ein durchgehendes Siedlungsband von Baindt im Norden über Baienfurt, Weingarten und Ravensburg bis Eschach im Süden gebildet hat.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Ravensburg. Sie werden im Uhrzeigersinn von West über Nord nach Süd aufgezählt:

Horgenzell, Berg, Weingarten, Schlier, Grünkraut und Bodnegg (alle Landkreis Ravensburg) sowie Tettnang, Meckenbeuren, Friedrichshafen und Oberteuringen (alle Bodenseekreis).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt (mit der historischen Altstadt und Stadterweiterungen im Norden, Süden und Osten sowie dem Neubaugebiet Weststadt) und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten ehemaligen Gemeinden Adelsreute im Südwesten, Eschach im Süden, Schmalegg im Westen und Taldorf im Südwesten der Kernstadt.

Die eingegliederten Gemeinden sind (mit Ausnahme von Adelsreute, das zu Taldorf gehört) heute zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, quasi ein „Rathaus vor Ort“, dessen Leiter der Ortsvorsteher ist.

Zu fast allen Stadtteilen und zur Kernstadt gehören noch viele räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenen Namen, die oft nur wenige Einwohner haben, oder Wohngebiete mit eigenen Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen:

  • in der Kernstadt: Albertshofen, Allewinden, Bibenloch, Brielhäusle, Büchel, Burach, Deisenfang, Ergathof, Felz, Friedberg, Heimbrand, Semper, Hinzistobel, Hochberg, Hochweiher, Höll, Hub, Ittenbeuren, Karmeliterhof, Knollengraben, Krebsergut, Krebserösch, Langgut, Locherhof, Lumper, Molldiete, Neubau, Pelzmühle, Sankt Christina, Schmalzgrub, Strauben, Ummenwinkel, Veitsburg, Vogelhäusle
  • zu Eschach: Aich, Bauren, Benzenhof, Blaser, Bottenreute, Brugger, Fidazhofen, Fildenmoos, Furt, Gornhofen, Gutenfurt, Höllholz, Hüttenberg, Karrer, Kemmerlang, Kögel, Lachen, Mariatal, Neuberg, Obereschach, Oberhofen, Obersulgen, Obertennenmoos, Rahlen, Rasthalde, Schwärzach, Sickenried, Strietach, Tennenmoos, Teuringer, Torkenweiler, Untereschach, Vordersolbach, Waidenhofen, Weiherstobel, Weingartshof, Weißenau
  • zu Schmalegg: Aich, Aulwangen, Bäche, Bernhofen, Briel, Brielhäusle, Bronnetsholz, Burgmühle, Buttenmühle, Eschau, Funkenhausen, Ganter, Geratsberg, Greckenhof, Gringen, Hagenbach, Hasenwinkel, Hinterweißenried, Hochstätt, Hübscher, Jägerhaus, Krähenhof, Kübler, Luß, Mocken, Mühlsteig, Nessenbach, Nestbühl, Neuaulwangen, Neuhagenbach, Oberhagenbach, Obermeckenhof, Okatreute, Schlegel, Schmucker, Schwarzensteg, Trutzenweiler, Untermeckenhof, Unterwaldhausen, Unterwolfsberg, Vorderweißenried, Wippenreute, Wolfsberg, Zinsländer
  • zu Taldorf: Adelsreute, Albersfeld, Alberskirch, Bandeleshaus, Bavendorf, Bergle, Bonhausen, Dürnast, Eggartskirch, Erbenweiler, Ettmannsschmid, Georgshof, Herrgottsfeld, Höll, Hotterloch, Hütten, Metzisweiler, Oberklöcken, Oberweiler, Oberzell, Rappenhaushof, Renauer, Reute bei Oberzell, Reute bei Taldorf, Riesenhof, Schaufel, Schuhmacher, Sederlitz, Segner, Unterklöcken, Vogler, Waidhalden, Weiherhofbauer, Wernsreute.

Raumplanung[Bearbeiten]

Karte der Mittelbereiche in der Region Bodensee-Oberschwaben

Ravensburg bildet zusammen mit Weingarten und Friedrichshafen das Oberzentrum der Region Bodensee-Oberschwaben. Ravensburg und Weingarten übernehmen für ihren Einzugsbereich auch die Funktion des Mittelzentrums. Der Mittelbereich umfasst die südwestlichen Gemeinden des Landkreises Ravensburg mit 129.507 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2011),[2] im Einzelnen die folgenden Städte und Gemeinden:

Klima[Bearbeiten]

Durch die Lage in einem sich zum Bodensee hin weitenden Talbecken wird das lokale Klima sehr durch den Bodensee bestimmt. Der rund 500 km² große See hat in den meisten Jahren eine stark ausgleichende Wirkung auf das regionale Mesoklima, da er als jahreszeitlicher Temperaturspeicher wirkt. Daher fallen Winterfröste hier deutlich schwächer aus als im Umland; andererseits hält der Winter auch länger an, wenn der See in besonders kalten Wintern (wie zuletzt 1963) zufriert. Eine Nebenwirkung der Wärmetemperierung sind die häufig auftretenden Bodenseenebel in der kalten Jahreszeit, wenn die vom See heraufziehenden wärmeren und daher feuchteren Luftschichten auf die kältere Umgebungsluft treffen.

Wie das gesamte Voralpenland kennt auch Ravensburg das Phänomen des Föhnwindes, der warme Luft aus dem Mittelmeergebiet über die Alpen bringt, die dann als Fallwind ins Rheintal abfällt und über den Bodensee auch Ravensburg erreicht. Mitunter erreicht der Föhn orkanartige Geschwindigkeit.

Die besonderen klimatischen Bedingungen haben jahrhundertelang den Weinbau trotz der Höhenlage (zwischen 450 und 500 m ü. NN) begünstigt; vorübergehende Klimaverschlechterungen Ende des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (u. a. Jahr ohne Sommer 1816 durch den Ausbruch des Tambora) läuteten aber den Niedergang ein. Der letzte privat bewirtschaftete Weinberg wurde um 1960 aufgegeben; seit Ende der 1970er Jahre betreibt die Stadt jedoch wieder einen Weinberg am Rauenegg-Hang.

Geschichte[Bearbeiten]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die etymologische Herkunft des Ortsnamens ist nicht gesichert, nicht angezweifelt wird jedoch, dass die Stadt ihren Namen von der heute Veitsburg genannten Burg oberhalb der Stadt erhielt. Eine verbreitete Theorie zur Herkunft des Burgnamens besagt, dass sich der erste Namensteil von Rabe oder einem Raban, der die Burg ursprünglich gegründet habe, ableitet. Zudem kann die früherere, an das Lateinische angelehnte, Schreibweise Ravenspvrg als Rauenburg interpretiert werden, wodurch auch eine Zurückführung auf einen rauen Hang nahe der Burg möglich ist.

Der Ortsname veränderte sich im Lauf der Geschichte von Ravenspurch im Jahr 1088 über Ravensberc (1231) und Ravensburg (1323) zur heutigen Form.[3]

Gründung[Bearbeiten]

Erste Ansiedlungen[4] gab es schon in der Jungsteinzeit um ca. 2000 v. Chr.[5] dann unter römischer Herrschaft und nach dem Einfall der Alamannen, wie archäologische Funde[6] im Schussental und auf dem Veitsburghügel[7] belegt haben. Urkundlich wurde Ravensburg jedoch erstmals 1088 erwähnt und war bis 1803 freie Reichsstadt. Der Kern der heutigen Stadt entstand nach aktuellem Wissensstand als Burgsassen-Siedlung unterhalb der mächtigen Stammburg der Welfen auf dem Höhenrücken zwischen Flappach- und Schussental.

Die erste Burg der Welfen stand in Altdorf-Weingarten, bevor sie um 1050 eine neue, größere Burg, die „Ravensburg“, errichteten (heute Veitsburg nach der Sankt Veit geweihten Burgkapelle). Grabungsbefunde legen nahe, dass der Standort der Burg schon in der Keltenzeit als Fluchtburg planiert und vom Rest des Höhenrückens durch einen Graben abgetrennt worden war, jedoch in römischer Zeit und danach brach lag. Die welfische, später staufische Burg nahm den hinteren, nordwestlichen Teil des Plateaus ein, während der vordere wohl unter anderem als Turnier- und Festplatz diente, etwa während der Hochzeitsfeierlichkeiten für Friedrich den Schönen und seine Gemahlin Elisabeth von Aragón 1315.

Der letzte Welfe auf der Ravensburg war Welf VI., Herzog von Spoleto. Nach dem Tod seines Sohnes vermachte er den Schussengau mit Ravensburg und Altdorf per Erbvertrag seinem Neffen, dem Staufer Friedrich I. Barbarossa, und enttäuschte damit seinen anderen Neffen, Heinrich den Löwen, Herzog von Bayern und Sachsen (der 1129/1130 oder 1133/35 eventuell auf der Ravensburg geboren sein soll[8]). Fortan gehörte Ravensburg zum Hausbesitz der Staufer. Angeblich brach Konradin, der letzte Staufer, von hier zu seinem verhängnisvollen Italienzug auf.

Reichsstadt[Bearbeiten]

Mit dem Untergang der Staufer endete auch das Herzogtum Schwaben als politische Körperschaft. Wie viele andere Städte Schwabens regierte sich Ravensburg fortan selbst, die Burg wurde Reichsbesitz. 1276[9] bestätigte der Habsburger König Rudolf I. die reichsstädtischen Privilegien Ravensburgs. Auf der Burg saß fürderhin der kaiserliche Landvogt der Reichslandvogtei Schwaben.

Zur Überwachung der Vorgänge in der Reichsburg errichtete die Reichsstadt an der höchsten Stelle des Stadtgebiets den über 50 Meter hohen Sankt-Michaels-Turm, benannt nach der damals noch dort stehenden Michaelskapelle, der ältesten Kirche der Stadt. Im Volksmund hieß dieser Turm bald Mehlsack, als Verballhornung des offiziellen Namens wie auch unter Bezugnahme auf die mehlweiße Farbe des Turms. Dass der Turm zeitweise auch als Mehlspeicher genutzt wurde, gehört vermutlich ins Reich der Legenden. Heute ist „Mehlsack“ der offizielle Name dieses einzigen Rundturms der Stadtbefestigung.

Mit strategischer Weitsicht wurde verhindert, dass in unmittelbarer Nähe Konkurrenz aufkäme: So wurde gemeinsam mit dem Kloster Weingarten erfolgreich und zu beiderseitigem Nutzen interveniert, um den Aufstieg der Nachbargemeinde Altdorf zur Reichsstadt zu unterbinden.[10]

Große Ravensburger Handelsgesellschaft und Stadterweiterungen[Bearbeiten]

Im Spätmittelalter war Ravensburg Sitz der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, der damals führenden deutschen Handelsgesellschaft, die in ganz Europa Niederlassungen hatte (noch vor den Fuggern).

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung hatte vor allem im 14. Jahrhundert mehrfach zu Erweiterungen des Stadtgebiets geführt. Am markantesten ist dabei die Einbeziehung der so genannten Unterstadt in die Stadtbefestigung und der Abriss der alten Stadtmauer zwischen den beiden Stadtteilen (1330–1370). Dabei entstand auf der Fläche des alten, zugeschütteten Stadtgrabens der heute noch das Stadtbild prägende Platz, heute Marienplatz genannt, zwischen Frauentor im Norden und dem im 19. Jahrhundert abgerissenen Kästlinstor im Süden.

Um 1530 ging die Große Ravensburger Handelsgesellschaft sang- und klanglos unter. Die führenden Familien hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon Landsitze und Rittergüter zugelegt. Es gab Zwist zwischen verschiedenen Familienzweigen, insbesondere Augsburger Händler drängten in die von den Ravensburgern bedienten Routen – und die Erschließung Amerikas durch Kolumbus hatte zu tiefgreifenden Veränderungen im europäischen Fernhandel geführt. Schließlich fanden sich nicht mehr genug Gesellschafter zur turnusmäßigen Verlängerung der Verträge bereit.

Reformation und Parität[Bearbeiten]

Ravensburg noch mit intakter Veitsburg, um 1650, Kupferstich von Merian

Nach Einführung der Reformation entwickelte sich ein paritätisches Regierungssystem (Gleichberechtigung und exakte Ämterverteilung zu gleichen Teilen zwischen Katholiken und Protestanten), das, bestätigt durch den Westfälischen Frieden 1648 für die vier so genannten Paritätischen Reichsstädte Ravensburg, Augsburg, Biberach und Dinkelsbühl, bis ins 19. Jahrhundert bestand.

Die ohnehin schon – unter anderem durch die Verlagerung von Handelsrouten nach Augsburg – wirtschaftlich geschwächte Stadt musste (bedingt durch Hunger und Seuchen) im Dreißigjährigen Krieg einen starken Bevölkerungsrückgang hinnehmen. Davon erholte sie sich in den folgenden Jahrhunderten nur schwer. So kam es bis in die Neuzeit zu keinen weiteren Stadterweiterungen, das Stadtbild blieb bis ins 19. Jahrhundert weitgehend unverändert.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde auch die Burg über der Stadt – nun auch schon zur Unterscheidung von der Stadt Ravensburg Veitsburg genannt – von schwedischen Truppen geschleift. Nur einige Wirtschaftsgebäude blieben stehen. Der Landvogt der Reichslandvogtei Schwaben residierte daher ab 1647 in Altdorf-Weingarten.

Ende der reichsstädtischen Selbständigkeit[Bearbeiten]

1803 wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss die Reichsunmittelbarkeit der meisten Reichsstädte aufgehoben (Mediatisierung) und kirchlicher, bisher ebenfalls reichsunmittelbarer Grundbesitz, verstaatlicht (Säkularisation). Beide Maßnahmen dienten unter anderem der territorialen Entschädigung von Reichsfürsten, die durch die napoleonischen Eroberungen linksrheinische Gebiete verloren hatten.

Die Stadt wurde zunächst Bayern zugeschlagen. Da die umliegenden habsburgischen Lande an Württemberg fielen, die Reichsklöster Weingarten und Weißenau wiederum anderen Reichsfürsten zugeordnet wurden, entstand eine Enklavensituation, die wirtschaftlich sehr abträglich war. Erst 1810 kam Ravensburg nach einem Gebietstausch im Allgäu – bestätigt durch den Wiener Kongress 1815 – zum Königreich Württemberg, das zuvor auch schon die ausgedehnten Territorien von Weingarten (einschließlich des heutigen Schlosses in Friedrichshafen) erworben hatte. Die Stadt wurde Sitz des Oberamts Ravensburg.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Tiroler Schwabenkinder in Ravensburg 1895

Mit der Zugehörigkeit zum Königreich Württemberg begann eine allmähliche wirtschaftliche Erholung. Die industrielle Entwicklung stützte sich vor allem auf die lange Tradition in der Nutzung der Wasserkraft. Bereits 1402 war in Ravensburg eine der ersten Papiermühlen nördlich der Alpen entstanden; auch für andere industrielle Zwecke wurden seit langem Wassermühlen eingesetzt.

Darauf aufbauend entwickelte sich nun schnell eine vielfältige Maschinenbau-Branche – ein weiteres Standbein war die Textilherstellung.

Mit dem Bau der Bahnstrecke UlmFriedrichshafen trug ab 1847 dieses neue Verkehrsmittel erheblich zum Aufschwung bei.

Im 19. Jahrhundert fand in Ravensburg die Vermittlung der Schwabenkinder, die aus armen bäuerlichen Verhältnissen in Tirol und der Schweiz kamen, auf dem Hütekindermarkt statt.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Ravensburg dann die größte und industriell am weitesten entwickelte Stadt Oberschwabens und auch politisch ein Zentrum der Region.[11]

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ravensburg aus der Vogelschau auf einer Postkarte von Eugen Felle, gelaufen 1921
Marienplatz 1960: Das Auto wird mit der Massenmotorisierung neues Element des Stadtbildes
Bau des Wohngebiets Mittelösch in der Weststadt, 1960er Jahre

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 691 Patienten der psychiatrischen Heilanstalt Weißenau als Opfer der „Euthanasie“ in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet. Die in der Stadt ansässigen Sinti wurden zunächst im Zigeunerzwangslager interniert. 36 Sinti wurden 1943 deportiert, 29 von ihnen in Auschwitz ermordet. Die wenigen damals in Ravensburg ansässigen Juden wurden zur Flucht gezwungen; einige wurden als Opfer des Holocaust ermordet.

Im Zweiten Weltkrieg war Ravensburg kaum von Luftangriffen der Alliierten betroffen, die historische Bausubstanz blieb daher vollständig erhalten.

Insbesondere ab den 1950er Jahren wurde die Stadt in alle Richtungen durch Wohngebiete erweitert; deren größtes ist die Weststadt, inzwischen der einwohnerreichste Stadtteil. Nachdem die Einwohnerzahl bereits in den 1930er Jahren die Grenze von 20.000 überschritten hatte, wurde die Stadt mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 kraft Gesetzes zur Großen Kreisstadt erklärt.

In den 1970er Jahren wuchs die Stadt durch Eingemeindung einiger Dörfer des Umlands weiter, besonders im Süden und im Westen (die heutigen Ortsteile Eschach, Schmalegg und Taldorf).

1982 fanden in Ravensburg die Heimattage Baden-Württemberg statt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

In die Stadt Ravensburg wurden folgende Gemeinden eingegliedert. Sie gehörten vor der Kreisreform überwiegend zum Landkreis Ravensburg, Adelsreute gehörte bis 1. Januar 1969 noch zum Landkreis Überlingen und wurde dann dem Landkreis Ravensburg eingegliedert.

  • 1. April 1939: Weingarten (Württemberg) – seit 1. April 1946 wieder selbständige Stadt
  • 1. Januar 1972: Schmalegg
  • 1. Februar 1972: Taldorf
  • 1. Februar 1974: Eschach
  • 1. Oktober 1974: Adelsreute
  • Die ebenfalls verfügte erneute Eingemeindung von Weingarten musste nach Klagen vor dem Verwaltungsgericht rückgängig gemacht werden. Das Verhältnis beider Städte ist über lange Zeit von eifersüchtiger Besitzstandswahrung geprägt worden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand (jedoch ohne Weingarten 1939). Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohnerzahlen
1300 ca. 1.500
1500 ca. 4.500
1648 ca. 2.000
1789 3.381
1823 3.770
1855 5.961
1. Dezember 1871 ¹ 8.433
1. Dezember 1880 ¹ 10.550
1. Dezember 1900 ¹ 13.453
1. Dezember 1910 ¹ 15.594
16. Juni 1925 ¹ 17.012
16. Juni 1933 ¹ 18.930
Jahr Einwohnerzahlen
17. Mai 1939 ¹ 21.995
13. September 1950 ¹ 25.889
6. Juni 1961 ¹ 31.269
27. Mai 1970 ¹ 32.068
31. Dezember 1975 42.725
31. Dezember 1980 42.269
27. Mai 1987 ¹ 43.913
31. Dezember 1990 45.650
31. Dezember 1995 46.620
31. Dezember 2000 47.768
31. Dezember 2005 48.994
30. September 2011 50.028[12]

¹ Volkszählungsergebnis

Religionen[Bearbeiten]

Katholische Kirchen[Bearbeiten]

Kirche Sankt Jodok

Das Gebiet der heutigen Stadt Ravensburg gehörte anfangs zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat Allgäu Landkapitel Ravensburg unterstellt. Eine Marienkirche wird bereits um 1250 als Filiale von Altdorf erwähnt. 1275 wurde sie Pfarrkirche und ab 1279 der Abtei Weingarten inkorporiert. 1340 bis 1380 wurde die Pfarrkirche Liebfrauen an der Stelle der alten Marienkirche neu erbaut, später gab es mehrere Umbauen. In der Liebfrauenkirche war auch der ursprüngliche Standort der Ravensburger Schutzmantelmadonna, ein Werk des Ulmer Schülers Michael Erhart. Die Kirche blieb bis 1802 beim Kloster Weingarten inkorporiert. Gegenüber der Kirche entstand das Stadthaus des Klosters Weingarten, das den Reichtum des Klosters widerspiegelte (heute als Technisches Rathaus mit Kultur- und Einwohnermeldeamt genutzt).

Im 14. Jahrhundert wurde Sankt Jodok als zweite Pfarrkirche Ravensburgs durch das Kloster Weißenau und dem städtischen Rat erbaut. Sie war für die Unterstadt zuständig und war bis 1802 dem Kloster Weißenau inkorporiert. Im Weiler Sankt Christina wurde im 13. Jahrhundert eine weitere Pfarrei errichtet, nachdem dort bereits im 12. Jahrhundert eine gleichnamige Kirche erwähnt ist, die 1253 neu erbaut wurde. Diese Pfarrei war für den Süden und Westen Ravensburgs zuständig und war ebenfalls Weißenau unterstellt.

1544 wurde auf Druck der Zünfte die Reformation eingeführt. Dabei gab es zunächst große Differenzen zwischen den Anhängern Luthers und Zwinglis, doch konnten sich die Lutheraner schließlich durchsetzen. Ferner gab es auch Anhänger von Kaspar Schwenckfeld. Nach dem Schmalkaldischen Krieg ab 1547 regte sich jedoch Widerstand gegen die Reformation und es setzte eine Rekatholisierung großer Teile der Bevölkerung ein. Die Folge war eine faktische Parität beider Konfessionen, die aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg 1649 formell festgelegt wurde. Zahlenmäßig hatten die Katholiken die Mehrheit. Die protestantische Gemeinde erhielt als Gotteshaus das Langhaus der Karmeliterkirche, die fortan als Stadtkirche bezeichnet wurde. Der Chor der 1349 geweihten Kirche blieb jedoch bis 1806 noch im Besitz des Karmeliterordens; die Kirche wurde also zwischen beiden Konfessionen geteilt. Eine Mauer trennte die beiden Bereiche. Um die Benutzung der Kirche wurden jahrhundertelang Streitigkeiten ausgetragen, die manchmal zu einem regelrechten Kleinkrieg ausarteten; im 17. Jahrhundert stritten sich der evangelische Mesner und die Karmelitermönche zum Beispiel darum, wer das Gras auf dem Kirchhof mähen dürfe.

Weitere Klöster im Stadtgebiet waren das Franziskanerinnenkloster Sankt Michael (13. Jahrhundert) und das vor der nördlichen Stadtmauer gelegene Kapuzinerkloster (gegründet 1629). 1806 wurden die drei Klöster säkularisiert. Weitere kirchliche Einrichtungen waren das Spital zum Hl. Geist, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde (Spitalkapelle von 1498), die Kapelle Sankt Leonhard (bereits im 15. Jahrhundert profaniert) und die Mühlbrugg-Kapelle aus dem 15. Jahrhundert, die 1812 abgebrochen und 1929 neu erbaut wurde.

Kirche und Friedhof im Ortsteil Mariatal

Die katholischen Gemeinden gehörten bis 1802 noch zum Bistum Konstanz. 1808 wurden die Gemeinden dem Ordinariat Ellwangen unterstellt, aus dem 1821/1827 das neu gegründete Bistum Rottenburg (heute Rottenburg-Stuttgart) hervorging. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zu den drei bisherigen katholischen Gemeinden (Liebfrauen, Sankt Jodok und Sankt Christina) noch zwei weitere Gemeinden, „Christus König“ (Christkönigkirche in der Südstadt von 1952) und „Zur heiligsten Dreifaltigkeit“ (Dreifaltigkeitskirche in der Weststadt von 1965).

Weitere katholische Kirchengemeinden gibt es in den Stadtteilen (siehe Artikel Schmalegg, Taldorf und Eschach). Alle katholischen Kirchengemeinden gehören zum Dekanat Ravensburg des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Vor der Eingemeindung der Umlandgemeinden in den 1970er Jahren gehörten etwa 70,7 Prozent der Ravensburger der römisch-katholischen Kirche an, 25 % waren evangelisch (Stand: 1970).[13]

Evangelische Kirchen[Bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Ravensburg blieb bis 1802 selbständig und wurde dann in die Evangelische Landeskirche in Württemberg eingegliedert. Ravensburg wurde dann Sitz eines Dekanats (siehe Kirchenbezirk Ravensburg). Die evangelische Stadtkirche Ravensburg erhielt 1842/1845 einen Turm. Eine zweite evangelische Kirche gab es bereits ab 1628. Dabei handelte es sich um ein ehemaliges Kornhaus, das zur Dreifaltigkeitskirche umgebaut worden war. Diese Kirche wurde aber 1852 abgebrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden dann zwei weitere Kirchengemeinden, die Johannesgemeinde mit Kirche von 1963 für die Weststadt und die Kirchengemeinde Eschach für die südlichen Stadtteile Ravensburg. Diese drei Kirchengemeinden bilden heute die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Ravensburg, zu der auch die Protestanten nahezu aller Stadtteile gehören. Lediglich Bavendorf hat noch eine eigene Kirchengemeinde; zu ihr zählen die evangelischen Christen der Ortschaft Taldorf. Die Ortschaft Schmalegg gehört zur Kirchengemeinde Wälde-Winterbach (Horgenzell). Alle genannten evangelischen Kirchengemeinden gehören zum Dekanat Ravensburg. Ferner gibt es in Ravensburg den Hensoltshöher Gemeinschaftsverband e. V. (Landeskirchliche Gemeinschaft Ravensburg).

Andere Kirchen[Bearbeiten]

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Ravensburg auch freikirchliche Gemeinden, darunter eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptistengemeinde), die BFP Freie Christengemeinde sowie die „Adventgemeinde Ravensburg“ der Siebenten-Tags-Adventisten. Auch die Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas sind in Ravensburg vertreten.

Buddhistisches Zentrum

Buddhismus[Bearbeiten]

Das Buddhistische Zentrum Ravensburg wurde unter diesem Namen 1991 in Baienfurt gegründet. Im Jahr 1995 erfolgte der Umzug nach Weingarten. Seit dem Frühjahr 2000 wird der Buddhismus in der Ravensburger Weststadt gemäß der Tradition des Diamantweges der Karma-Kagyü-Linie praktiziert. Das Zentrum ist eines von über 600 Zentren weltweit und steht unter der spirituellen Leitung von Trinley Thaye Dorje und Ole Nydahl. 2008 wurde in der Ortschaft Untereschach ein weiteres buddhistisches Angebot eröffnet: das Kloster Viên Đức, eine Einrichtung der Congregation der Vereinigten Vietnamesischen Buddhistischen Kirche (CVBK).

Judentum[Bearbeiten]

Von 1330 bis 1429 waren erstmals jüdische Familien als im Ort ansässig erwähnt. Sie lebten als kleine Jüdische Gemeinde gettoartig in der heutigen Grüner-Turm-Straße, die bis 1934 „Judengasse“ hieß, und erbauten 1345 eine Synagoge. Nach ihrer Vertreibung 1429 vergingen Jahrhunderte, ehe sich erst im 19. Jahrhundert wieder eine kleinere Zahl jüdischer Familien niederließ, so dass es nicht mehr zur Wiedererrichtung eines Gotteshauses kam. Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden sie erneut vertrieben oder im Holocaust ermordet. Seit 1983 erinnert eine Gedenktafel an dieses Geschehen.[14]

Islam[Bearbeiten]

In Ravensburg gibt es drei islamische Gemeinden. Die zentral in der Nordstadt (Schützenstraße) gelegene Mevlana-Moschee gehört zum DITIB-Dachverband. Sie verfügt über ein Minarett. Daneben gibt es die Fatih Camii-Gemeinde und die bosnische Islamska Zajednica Bodensee Ravensburg e. V. (Islamische Gemeinschaft Bodensee-Ravensburg), deren Gebetsräume sich im selben, etwas abseits gelegenen Gebäude (Höll 19) befinden.

Außerdem gibt es eine aktive alevitische Gemeinschaft.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus Ravensburg

Die Stadt Ravensburg ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Mittleres Schussental.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:

5
8
4
2
5
14
14 
Von 38 Sitzen entfallen auf:
BfR = Bürger und Bürgerinnen für Ravensburg
Gemeinderatswahl 2009
in Prozent
 %
40
30
20
10
0
34,7 %
20,2 %
13,5 %
12,4 %
12,2 %
7,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,2 %p
+3,6 %p
-2,8 %p
-3,1 %p
+2,4 %p
+7,1 %p

Bürgermeister[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt Ravensburg stand ab dem 13. Jahrhundert ein Ammann, der bis 1348 das alleinige Stadtoberhaupt war. Danach gab es den Bürgermeister und der Ammann war nur noch Vorsitzender des Gerichts. Um 1220 ist auch ein Rat genannt. 1531 erhielt die Stadt eine neue Ratsordnung mit drei Bürgermeistern, die mit zwei geheimen Räten den Geheimen Rat bildeten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es zwei Bürgermeister und vier geheime Räte, die konfessionell paritätisch (evangelisch und katholisch) besetzt waren. 1803 wurde die bayerische und ab 1810 die württembergische Verwaltung eingesetzt. Danach gab es einen Stadtschultheiß und den Rat. Mit der neuen Gemeindeordnung von 1906 wurde der Titel des Stadtschultheiß ersetzt durch die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Die neue Gemeindeordnung beseitigte die lebenslange Dauer des Bürgermeisteramtes, ließ Wiederwahl jedoch zu.[15] Heute wird der Oberbürgermeister für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister hat einen Beigeordneten als hauptamtlichen Stellvertreter. Er trägt die Amtsbezeichnung „Erster Bürgermeister“.[16]

Stadtschultheiß bis 1906

Oberbürgermeister ab 1906

Verschuldung[Bearbeiten]

Ravensburg hat zwischen 2004 und 2009 kontinuierlich Schulden abgebaut. Insgesamt sind in diesem Zeitraum die Schulden von 35,075 Millionen Euro (2004) um ca. 13 Millionen auf 22,315 Millionen Euro (2009) abgebaut worden. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 442 Euro.[17]

Wappen[Bearbeiten]

Stadtwappen am Rathauserker von 1571

Das Motiv des Stadtwappens von Ravensburg ist 1267/1268 erstmals auf Stadtsiegeln belegt. Es zeigt ein offenes Stadttor zwischen zwei Wehrtürmen und symbolisiert damit zugleich Wehrhaftigkeit und Offenheit der Freien Reichsstadt.

Wappenbeschreibung: In Silber auf gemauerter Konsole eine doppeltürmige blaue Burg mit hochgezogenem Fallgatter; zwischen den Zinnentürmen ein blauer Schild, darin ein silbernes Kreuz mit Tatzenenden.

Vom 19. Dezember 1940 bis zum Frühjahr 1946 führte die Stadt Ravensburg ein leicht abgeändertes Wappen, auf dem statt des blauen Schilds mit silbernem Kreuz ein roter Welfenlöwe mit einem roten Schildchen (mit silbernem Querbalken) dargestellt war. Diese Farben und Symbole entstammen dem Wappen der damals eingemeindeten Nachbarstadt Weingarten.

Die Ravensburger Ortschaften führen kein amtliches eigenes Wappen, verwenden aber inoffiziell die Wappen der ehemals selbständigen Gemeinden Eschach, Schmalegg und Taldorf (dort zusammen mit dem Wappen der ehemaligen Gemeinde Adelsreute).

Flagge[Bearbeiten]

Fahne der Stadt

Die Stadtflagge ist blau-weiß und wird meist mit dem Stadtwappen verwendet.

Heimatlied[Bearbeiten]

Als inoffizielle Hymne gilt das Heimatlied „Mein Ravensburg im Schwabenland“ des Oberlehrers Wilhelm Mayer aus dem Jahr 1924. Ursprünglich wurde das Lied nach einer Melodie von Karl Friedrich Zelter gesungen; seit 1952 wird eine eigens komponierte Melodie von G. Heim verwendet.[18] Die ersten drei Strophen des Heimatlieds werden insbesondere bei den Veranstaltungen des Rutenfests häufig gesungen; viele Ravensburger kennen sie daher auswendig.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Ravensburg unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

Partnerschaftliche Beziehungen von Ortsteilen:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadt der Türme und Tore[Bearbeiten]

Das historische Stadtbild konnte trotz eines Teilabbruchs der alten Stadtmauer, deren Steine im 19. Jahrhundert zum Bau des Bahnhofs und zum Bau von Fabriken verwendet wurden, erhalten werden. Im Zweiten Weltkrieg blieb Ravensburg wegen seiner strategischen und rüstungsindustriellen Bedeutungslosigkeit und auch dank eines großen, von Schweizern geführten Versorgungszentrums des Roten Kreuzes von größeren Angriffen der alliierten Luftwaffe verschont. In den 1980er Jahren wurde die Altstadt aufwendig saniert und für den Durchgangsverkehr geschlossen.

Ravensburg nennt sich, der vielen mittelalterlichen Türme und Tore und der noch streckenweise erhaltenen historischen Stadtmauer (mit Resten alter Befestigungsanlagen) wegen, auch Stadt der Türme und Tore. Der Mehlsack und der Blaserturm sind dabei besonders hervorzuheben. Nur das 1350 erbaute Kästlinstor (südliches Stadttor) wurde im Jahr 1842 abgerissen. Die Steine dienten unter anderem zum Bau des Kirchturms der evangelischen Stadtkirche.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Ravensburg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Marienplatz, Blaserturm mit Waaghaus (links) und Rathaus (rechts)
Obertor
Veitsburg (links oben), Obertor (Mitte) und Mehlsack (rechts)
Ehemalige Abteikirche Weißenau
Ottmar Hörl: Das Blaue Haus
  • Die Historische Altstadt ist bis auf wenige Sanierungs-Bausünden (vor allem der 1970er Jahre) in weiten Teilen noch erhalten. Der Marienplatz teilt sie in die Oberstadt, die vor allem durch große Patrizierhäuser gekennzeichnet ist, und die – mit Ausnahme der Bachstraße – weitgehend geometrisch angelegte Unterstadt mit kleineren Handwerker-Häusern. Im Zentrum befindet sich das Ensemble aus Rathaus (mit reichgeschmückten historischen Ratssälen) und Waaghaus (städtisches Münz- und Eichamt sowie Kaufhalle) mit dem Blaserturm, dem das Lederhaus (Zunft- und Kaufhaus der Lederinnung) gegenüber liegt. Am südlichen Ende des Marienplatzes steht das Kornhaus, vormals Sitz der oberschwäbischen Fruchtbörse, heute Stadtbücherei. Das Verkehrsamt mit dem Touristikbüro befindet sich im Weingartener Hof, dem ehemaligen Stadthaus des Reichsklosters Weingarten an der Ecke Herren-/Kirchstraße gegenüber der Liebfrauenkirche am nördlichen Stadttor, dem Frauentor. Das Alte Theater in der Marktstraße, auch Brotlaube, ein barocker Multifunktionsbau mit Markthalle im Erdgeschoss und städtischem Theater (später, bis 2011, Städtische Galerie) im Obergeschoss.

Die bekanntesten Türme und Tore sind:

  • Mehlsack, runder weißer Turm an der höchstgelegenen Stelle der Stadtbefestigung, 51 m hoch. Der Mehlsack gilt als Wahrzeichen der Stadt Ravensburg.[19]
  • Blaserturm, ebenfalls 51 Meter hoch; vor der Stadterweiterung im 14. Jahrhundert Teil der Stadtbefestigung, danach zentraler Wachturm in der Stadtmitte, bei einem Sturm 1552 eingestürzt und im italienischen Renaissancestil 1553–1556 neu errichtet
  • Frauentor, Stadttor in Richtung Norden; 14. Jh., Staffelgiebel 16. Jh., 1318 "Niederes Tor" genannt, 1751–1895 Gefängnis, 35 m hoch
Der Turm brannte am 14. März 1982 völlig aus. Dabei verloren drei Feuerwehrmänner ihr Leben, ein weiterer wurde schwer verletzt.
  • Obertor, Stadttor in Richtung Osten; 14./15. Jh, Staffelgiebel 16. Jh
  • Sauturm oder Spitalturm, südwestlicher Eckturm der ehemaligen Stadtbefestigung, der als Stallung für das städtische Heilig-Geist-Spital diente (daraus ist einer seiner beiden Namen abgeleitet)
  • Untertor, Stadttor in Richtung Westen
  • Gemalter Turm, nordwestlicher Eckturm mit aufwendiger ornamentaler Bemalung
  • Grüner Turm, nordöstlicher Eckturm der Unterstadt, durch die ehemalige städtische Bauhütte mit dem Frauentor verbunden; die Namensgebung geht auf die grün glasierten Dachziegel zurück
  • Schellenbergerturm, südöstlicher Eckturm der Oberstadt; durch einen Blitzschlag mit nachfolgendem Brand teilweise zerstört, im Volksmund (nach einer legendären Bewohnerin) als Katzelieselesturm bekannt
  • Dazu kommen mehrere kleinere Turmbastionen, die als Geschützstellungen die langen Seiten der Stadtmauer unterteilen, sowie die Kirchtürme der drei Altstadt-Kirchen (Liebfrauenkirche, Sankt-Jodok-Kirche und Evangelische Stadtkirche).

Weitere Sehenswürdigkeiten:

Weitere Kirchen siehe Abschnitt Religionen.

Kunst im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

Skulptur von Peter Lenk zur Erinnerung an die „Schwabenkinder“

Den Kreuzbrunnen am Frauentorplatz ziert eine Kreuzigungsgruppe des 17. Jahrhunderts. Die Originale der Figuren wurden im 20. Jahrhundert aus konservatorischen Gründen durch Kopien ersetzt.

Ein Kriegerdenkmal von 1878 mit Germaniastatue von Josef Dressel (im Alten Friedhof an der Georgstraße) und eine Kaiser-Wilhelm-Büste an der Karlstraße sind Beispiele für Denkmäler des 19. Jahrhunderts. Bei der Aufstellung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals kam es 1888 zum Eklat, da die katholische Bevölkerung aufgrund des Kulturkampfs nicht an der Einweihung teilnahm. In großer Zahl sind Grabdenkmäler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts auf dem Hauptfriedhof Ravensburg erhalten.

Auch in den 1960er Jahren erregte die geplante Aufstellung einer Skulptur heftige Diskussionen zwischen den Konfessionen: eine nach einem Kriegsgelübde gestiftete Mariensäule als Friedenssäule wurde von der evangelischen Bevölkerung am Standort Marienplatz vehement abgelehnt. Die von der Künstlerin Maria Elisabeth Stapp gestaltete Säule wurde dann an der Wilhelmstraße bei der katholischen Liebfrauenkirche aufgestellt (und später etwas versetzt an den heutigen Standort an der Herrenstraße).

Die Brunnenskulptur Caide des in Ravensburg geborenen Bildhauers Robert Schad (in der Öffentlichkeit ausschließlich als Schad-Brunnen bekannt) steht auf dem nördlichen Marienplatz.[20] Schad selbst hat die mehrteilige Skulptur als Darstellung von „Kopf- und Bauchmenschen“ interpretiert. Die Aufstellung Anfang der 1990er Jahre war von heftigen Kontroversen begleitet. Der ursprünglich geplante Aufstellungsort zwischen Rat- und Lederhaus wurde verworfen, auch wurde Schads ursprünglicher Wettbewerbsentwurf als ungeeignet kritisiert. Nach Änderungen durch Robert Schad konnte der Brunnen am jetzigen Standort aufgestellt werden. Danach kritisierten Anwohner die Lärmentwicklung, so dass zusätzlich lärmdämpfende Metallgitter in das Becken eingebaut werden mussten.

Den westlichen Stadteingang (an der Einmündung in die Weststadt aus Richtung Meersburg) markiert die Skulptur „Das blaue Haus“ von Ottmar Hörl von 1997/1998.

Die Skulptur Ravensburger Kindermarkt von Peter Lenk wurde 2002 von privater Seite an der Ecke eines Hauses in der Bachstraße angebracht und zeigt ein Schwabenkind, das auf seinen Schultern einen Knecht trägt, der auf seinen Schultern wiederum einen Geistlichen zu tragen hat. Hintergrund: bis März 1914 wurden alljährlich arme Bergbauernkinder aus Tirol, Vorarlberg und Graubünden als Saisonarbeitskräfte auf Bauernhöfen in Oberschwaben und im Allgäu eingesetzt, die am Ravensburger „Hütekindermarkt“ in der Bachstraße an die Bauern vermittelt wurden.[21]

In der oberen Marktstraße wurde 2011 in privater Initiative die monumentale Holzskulptur Ibykus II von Klaus Prior aufgestellt.

Museen[Bearbeiten]

Von 2009 bis 2013 entstand in der Ravensburger Innenstadt ein „Museumsviertel“ mit vier neuen Museen:

  • In der Marktstraße wurde am 4. Juli 2009 mit dem Museum Humpis-Quartier eines der größten kulturhistorischen Museen der Region Bodensee-Oberschwaben eröffnet.[22] Das größte und besterhaltene spätmittelalterliche Wohnquartier in Südwestdeutschland, dessen Errichtung von der Fernhandelsfamilie Humpis um 1380 begonnen wurde, besteht aus sieben Gebäuden, in denen heute reichsstädtische Geschichte und Kultur authentisch präsentiert werden soll. Man folgt dem Kaufmann Hans Humpis in die Zeit, als die „Große Ravensburger Handelsgesellschaft“ Geschäfte mit ganz Europa betrieb, sowie weiteren Ravensburgern, die in späteren Zeiten im Quartier wohnten.
  • Das Museum Ravensburger an der Ecke Marktstraße/Burgstraße zeigt am ehemaligen Verlagssitz Bücher und Spiele aus der Geschichte des Ravensburger Verlags bzw. Otto-Maier-Verlags. Das Gebäude, direkt gegenüber dem Humpis-Quartier gelegen und einst Wohnhaus der Fernhandelsfamilie Möttelin, wurde 2009/2010 grundlegend umgebaut und im Mai 2010 als Museum eröffnet.
  • Das Kunstmuseum Ravensburg mit Dauer- und Wechselausstellungen moderner Kunst wurde im März 2013 eröffnet (Architekturbüro Lederer + Ragnarsdóttir + Oei, Stuttgart).[24] Es befindet sich in der Burgstraße neben dem Museum Ravensburger.

Zahlreiche moderne Gemälde aus der Sammlung des Landkreises Ravensburg sind in den Gängen des Landratsamts (Friedenstraße) ausgestellt. Außerdem gibt es in Ravensburg mehrere private Galerien, die Wechselausstellungen zeigen.

Die Freiwillige Feuerwehr betreibt in der Feuerwache im Salzstadel ein Feuerwehrmuseum mit 15 Großgeräten und weiteren Ausstellungsstücken. Die Ortschaft Eschach besitzt ein eigenes Heimatmuseum in Weißenau.

Theater[Bearbeiten]

Das Konzerthaus Ravensburg, erbaut 1896–1897 vom Wiener Büro Fellner & Helmer, ist mit 574 Plätzen das größte Theater in Ravensburg. Es wird regelmäßig für Gastspiele, Konzerte und Aufführungen lokaler Kulturträger genutzt. Die älteste Theatertradition in Ravensburg hat das Rutentheater, bei dem Ravensburger Schüler seit 1821 jedes Jahr Märchenaufführungen präsentieren. Die Aufführungen finden ebenfalls im Konzerthaus statt.

Kleiner besetzte klassische Konzerte (Solokonzerte, Kammermusik) finden in Ravensburg normalerweise nicht im Konzerthaus, sondern im mittelalterlichen Schwörsaal im Waaghaus in der Stadtmitte oder im barocken Festsaal des Klosters Weißenau im Ortsteil Weißenau statt.

Das 1987 begründete Theater Ravensburg spielt seit den 1990er Jahren mit eigenem Ensemble in fester Spielstätte (mit etwa 150 Sitzplätzen) in der Nordstadt. Auf dem Programm stehen hauptsächlich selbst produzierte Schauspiele und Kabarettprogramme.

Die Kleinkunstbühne Zehntscheuer präsentiert seit 1983 in einer renovierten Fachwerkscheune in der Innenstadt Theater, Musik, Kabarett und Comedy.

Das Figurentheater Ravensburg im Keller des Alten Theaters (rund 70 Sitzplätze) in der Innenstadt spielt Puppentheater für Kinder und Erwachsene.

Für größere Kulturveranstaltungen stehen im gemeinsamen Oberzentrum Ravensburg/Weingarten/Friedrichshafen das Kultur- und Kongresszentrum in Weingarten (bis zu 900 Plätze) und das Graf-Zeppelin-Haus (bis zu 1300 Plätze) in Friedrichshafen zur Verfügung; für noch größere Veranstaltungen wie etwa Rock- und Popkonzerte werden die Oberschwabenhalle in Ravensburg (erbaut 1959) und die ZF-Arena Friedrichshafen verwendet.

Sport[Bearbeiten]

Der größte Sportverein in Ravensburg ist die Sektion Ravensburg des Deutschen Alpenvereins mit fast 7000 Mitgliedern.[25] Der TSB Ravensburg besitzt fast 4000 Mitglieder, die in zahlreichen Sportarten aktiv sind.

Den größten Zuschauerzuspruch der Ravensburger Sportvereine hat die Profimannschaft des EV Ravensburg (seit 2010 Ravensburg Towerstars), die seit der Saison 2007/08 in der zweiten Eishockey-Liga spielt und 2011 Meister dieser Liga wurde.

  • Der TC Ravensburg spielt die Saison 2008 mit der ersten Herrenmannschaft in der zweiten Tennis-Bundesliga und mit der ersten Damenmannschaft in der Württembergliga.
  • Der FV Ravensburg stieg 2013 in die Fußball-Oberliga Baden-Württemberg (die fünfthöchste Spielklassenebene) auf.
  • Die U20 männlich-Mannschaft des TSB Ravensburg (Abteilung Basketball) spielt seit der Saison 2005 in der Jugend Oberliga, der höchsten Spielklasse Deutschlands, die U18 männlich seit 2007 ebenfalls.
  • Der ESV Ravensburg, Abteilung Kegeln, spielt seit der Saison 2008/09 wieder in der ersten Bundesliga.
  • Die Ravensburg Razorbacks spielen ab der im Mai 2013 beginnenden Saison in der 2. American Football Bundesliga (GFL2).
  • Die Stadt veranstaltet seit 2004 jährlich ein Radrennen durch die Innenstadt von Ravensburg. Bekannte Rennfahrer wie Jens Voigt (Gewinner 2004), Jan Ullrich (Gewinner 2005), Stefan Schumacher (Gewinner 2006), Matthias Kessler, David Kopp und Linus Gerdemann nahmen bereits an diesem Rennen teil.
  • Die Judokas des TSB Ravensburg stiegen 2008 in die Baden-Württembergliga und 2009 in die Regionalliga auf. 2010 wurden die Judokas von der Stadt Ravensburg als beste Mannschaft 2009 geehrt. 2013 werden sie in Regionalliga Vizemeister und qualifizieren sich für die Aufstiegskämpfe zur 2. Bundesliga.
  • Der Ravensburger BC spielt seit 2013 in der 1. Bundesliga Dreiband.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Rutenfest[Bearbeiten]

Darstellung eines Transports der mittelalterlichen Großen Ravensburger Handelsgesellschaft beim Rutenfestzug

→ Hauptartikel: Rutenfest Ravensburg

Das fünftägige, zum Schuljahresende im Sommer stattfindende, Rutenfest ist ein seit dem 17. Jahrhundert belegtes traditionelles Volksfest, in das die Einwohner (auch ehemalige) sehr viel Engagement stecken. Trommelgruppen und Fanfarenzüge trommeln Stadtbewohner, Freunde und Förderer an, so dass tagelang allgegenwärtiger Trommelklang zu hören ist. Die Stadt ist mit Fahnen geschmückt, viele private Gartenfeste ergänzen das offizielle Programm.

Die Rutenfestkommission Ravensburg veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Schulen und der Stadtverwaltung Programmpunkte, die auch viele Besucher aus der Region anziehen. Höhepunkte des Rutenfests sind

  • der Frohe Auftakt in der Altstadt mit ca. 30.000 Besuchern
  • die Vorstellungen des von Schülern dargebotenen Rutentheaters (seit 1821 als Schülertheater belegt)
  • der Historische Rutenfestzug durch die historische Altstadt Ravensburgs mit ca. 5500 Mitwirkenden
  • verschiedene Schießwettbewerbe, als deren bedeutendster das Adlerschießen gilt (seit 1823 belegt), ein Armbrustschießen für männliche Gymnasiasten mit der Armbrust auf einen hölzernen Reichsadler. Parallel hierzu gibt es seit 2003 auch einen Schießwettbewerb für Gymnasiastinnen. Außerdem gibt es ein Bogenschießen der Realschüler und ein Armbrustschießen der Hauptschüler (Wappenschießen). Alle fünf Jahre wird für ehemalige Ravensburger Gymnasiasten das Altenschießen veranstaltet.

Fasnet[Bearbeiten]

Papierkrattler der Schwarze-Veri-Zunft

In der Reichsstadt Ravensburg wurden Fastnachtsbräuche mit Einführung der Paritätsverfassung abgeschafft.

1908 wurde die Fasnetsgesellschaft Milka e. V. gegründet, die sich auf karnevalistische Saalveranstaltungen konzentriert. Der Name ist auf eine unpopuläre Milchpreiserhöhung zurückzuführen und steht für den Spottnamen „Milch-Kommandit-Aktien-Gesellschaft“. Unter diesem Motto fand damals ein Umzug statt, auf dem der ganze Produktionszweig von Milch, Butter und Käse in origineller Aufmachung dargestellt wurde.

Seit den 1960er Jahren wird in Ravensburg auch die schwäbisch-alemannische Fasnet gefeiert. Treibende Kraft ist die Schwarze Veri Zunft, die nach dem Schwarzen Veri, einem Räuber des 19. Jahrhunderts, benannt wurde, mit ihren Narrenfiguren Räuber, Hexenliesel und Papierkrattler (eine Figur, die auf die frühe Papiermacherei in Ravensburg ab 1402 Bezug nimmt und die angebliche Hochnäsigkeit der Papiermacher karikiert). Hauptanziehungspunkt ist der große Narrensprung am Fasnetsmontag, an dem auch viele Zünfte der Umgebung teilnehmen. Die Schwarze-Veri-Zunft ist Mitglied des Alemannischen Narrenrings. In allen Ravensburger Teilorten gibt es ebenfalls Narrenzünfte.

Andere regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Oberschwabenschau ist eine jährlich im Oktober stattfindende, traditionelle regionale Produktmesse mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt. Sie fand erstmals im September 1965 satt. 2009 hatte die neun Tage dauernde Ausstellung 92.000 Besucher.

Neuere jährliche Veranstaltungen sind das Spielefest Ravensburg spielt, der Stadtlauf Ravensburg läuft, das Jazzfestival Jazz in town und die Inlineveranstaltung Ravensburg rollt.

Seit 1998 findet jährlich Ende September in mehr als 20 Galerien die Ravensburger Kunstnacht statt.[26]

Das Karate-Sommercamp des KJC Ravensburg mit über 1000 Gästen aus dem In- und Ausland findet seit 1982 jährlich im Karate-Bundesleistungszentrum Ravensburg statt.

Preise[Bearbeiten]

Gemeinsam mit der Nachbarstadt Weingarten ehrt die Stadt Ravensburg seit 1977 Künstler und Wissenschaftler mit dem „Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten“. Seit 1989 vergibt die Stadt den Kleinkunstpreis „Ravensburger Kupferle“. Der „Ravensburger Medienpreis“ ist eine Auszeichnung der Stiftung Ravensburger Verlag.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Ravensburg

Ravensburg liegt an einem Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 30, 32 und 33 etwa 15 km nördlich von Friedrichshafen, wo ein Verkehrsflughafen zur Verfügung steht.

Die nächsten Autobahnzugänge liegen bei Ulm (A 7, A 8) und bei Wangen (A 96).

Ravensburg hat seit 1847 einen Bahnhof an der Südbahn UlmFriedrichshafen, die Teil der ersten durchgehenden Strecke des württembergischen Eisenbahnnetzes von Heilbronn bis nach Friedrichshafen ist. Neben den Zügen der DB verkehrt seit einigen Jahren auch die Bodensee-Oberschwaben-Bahn auf der Bahnstrecke.

Ravensburg gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an, hat aber einen eigenen Tarif für den Stadtbus Ravensburg Weingarten.

Straßenbahn[Bearbeiten]

Hauptartikel: Straßenbahn Ravensburg–Weingarten–Baienfurt

Im Jahre 1888 wurde eine 4,2 km lange dampfgetriebene Straßenbahnstrecke (Spurweite 1000 mm) zwischen Ravensburg und Weingarten eröffnet. Sie wurde 1910 elektrifiziert und 1911 durch eine 2,4 km lange Strecke bis Baienfurt erweitert. Am 23. Februar 1959 wurde die Strecke Ravensburg–Weingarten stillgelegt, im Juni 1959 folgte die Reststrecke Weingarten–Baienfurt. Der ehemalige Betriebshof der Straßenbahn wird heute für die Busse der RAB genutzt.

Fernmeldewesen[Bearbeiten]

Fernmeldeturm

Ravensburg hat seit 1990 auch einen eigenen 84 Meter hohen Fernmeldeturm (Geographische Koordinaten: 47° 47′ 40″ N, 9° 37′ 22″ O47.7944444444449.6227777777778). Er ist im Unterschied zu zahlreichen Fernmeldetürmen ähnlicher Höhe kein Typenturm, sondern ein Sonderturm.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Der Name der Stadt ist nicht zuletzt durch die hier ansässige Firmengruppe Ravensburger AG weltberühmt geworden. International bekannt und erfolgreich sind besonders die Produkte der Ravensburger Spieleverlag GmbH und ihrer zahlreichen Schwesterunternehmen, die u. a. Gesellschaftsspiele und Puzzles herstellen, der vor allem für Kinder- und Jugendbücher bekannte Ravensburger Verlag sowie das Ravensburger Spieleland (in der Nachbargemeinde Meckenbeuren).

Tekrum ist ein Hersteller von „Premium-Gebäck-Spezialitäten“. Das 1897 von Theodor Krumm gegründete Unternehmen war bis 1997 ein Familienbetrieb. Seit Januar 2005 gehört Tekrum vollständig zum Griesson-de-Beukelaer-Konzern.

OMIRA (Oberland Milchverwertung Ravensburg GmbH) ist Hersteller von Milchprodukten aller Art, die zum Teil in ganz Deutschland und Teilen Europas erhältlich sind. Letzteres trifft insbesondere auf die unter der Marke MinusL vertriebene laktosefreie Milch zu.

Die Mönchmühle, eine Handwerksmühle am Rande der Altstadt, spezialisiert auf die Herstellung hochwertiger Mehle für Bäckereien und Haushalte aus Weizen, Dinkel und Roggen.

Ansonsten ist die Region stark vom Maschinenbau geprägt, der sich aus der ausgeprägten Mühlentradition (Korn-, Papier-, Säge- und andere Mühlen) und dem Bedarf der frühindustriellen Papier- und Textilindustrie entwickelt hat. Wichtigste Vertreter dieser Branche in Ravensburg sind die heute zu Voith bzw. Andritz AG gehörenden Unternehmen, die aus dem 1856 eröffneten Betrieb des Schweizer Escher-Wyss-Konzerns (seit 1969 Sulzer) hervorgegangen sind. Weitere Maschinenbauunternehmen sind u. a. die Maschinenfabrik Arnold GmbH & Co, die Bezner Maschinen GmbH, die LCM-Schokoladenmaschinen GmbH, die Rugel Maschinenfabrik GmbH & Co. KG und die Schuler Konstruktionen GmbH & Co. KG.

Erwähnenswert sind außerdem die Automobilzulieferer-Firmengruppe EBZ (Engineering Bausch & Ziege GmbH), die 2008 die ThyssenKrupp Drauz Nothelfer GmbH von der ThyssenKrupp Technologies übernommen hat (firmiert neu als EBZ SysTec), die Verpackungshersteller Paccor Packaging Solution (früher Zach Verpackungen), die in den 80ern von der Autobar Gruppe übernommen und weiter an die Veriplast Gruppe veräußert wurde,[27] und Moosmann & Co. die Werkzeugfabrik Hawera Probst und das aus einer traditionsreichen Ravensburger Apotheke hervorgegangene Pharmaunternehmen Vetter Pharma.

Auch Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien sind in Ravensburg ansässig, wie etwa die Mage Solar AG, ein internationaler Anbieter von Systemkomponenten für Photovoltaikanlagen auf Wohn-, Gewerbe- und Nutzgebäuden sowie auf Freiflächen. Die Firmen der Solpower-Gruppe, insbesondere die Solpower AG und die Pro Solar Solarstrom GmbH sind bedeutende Anbieter von photovoltaischen Anlagen unter eigenem Markennamen. Auch thermische Solaranlagen werden von verschiedenen kleineren Unternehmen projektiert; die in diesem Bereich zeitweise bedeutende Pro Solar Energiesysteme GmbH gehört mittlerweile zur General Solar Systems Deutschland GmbH in Regensburg und hat einen Großteil der Arbeitsplätze dorthin verlagert.

Bis 2013 war das Unternehmen Carthago im Teilort Schmalegg ansässig - ein bekannter Hersteller von Wohnmobilen.

In den 1920er Jahren erlangte die Firma Hermann Spohn mit exklusiven Karosserien, die meist auf Maybach-Fahrgestelle montiert wurden, einiges Ansehen. Verschiedene Mitglieder der Industriellenfamilie Spohn – tätig in der Textil-, Maschinenbau- und Baubranche – traten in Ravensburg seit Ende des 19. Jahrhunderts als großzügige Spender auf. Julius Spohn stiftete u. a. das Konzerthaus und das Gebäude für das humanistische Gymnasium, heute Spohn-Gymnasium. Auf dem Hauptfriedhof hat die Familie eines der aufwendigsten Familiengräber.

Das Munzinger-Archiv bietet recherchierte, verifizierte und grundlegende Daten für die alltägliche Arbeit in journalistischen Redaktionen, Verlagen, Sendern oder für sonstige Interessenten auf der ganzen Welt. Die kostenpflichtige Datenbank umfasst Personen, Länder, Sport, Chronik, Pop, Gedenktage, Film, KLG (ein kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur), KDG (Komponisten der Gegenwart). Der Zugriff ist über das Online-Portal, über CD-ROM oder die klassische Loseblattsammlung möglich.

Die dwp eG ist ein 1988 von mehreren Weltläden in der Region Oberschwaben gegründeter Importeur von Fairen Handel-Produkten. dwp vertreibt die Waren über Weltläden, Regionalverteiler, Großverbraucher und Naturkostläden in Deutschland und im europäischen Ausland.

Für Informationen zum Rundfunksender „Ravensburg“ siehe: Sender Ravensburg (Wilhelmskirch)

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Streuobstwiese im Ortsteil Eggartskirch (Ortschaft Taldorf)

Im Mittelalter wurde an den Hängen des Schussentals Wein angebaut. Ein Großteil der Rebflächen südlich der Stadt unterhalb Sankt Christina bis nach Weingartshof waren im Besitz des Klosters Weißenau, teilweise auch an Ravensburger Bürger verpachtet, während die Flächen im Rauenegg östlich der Stadt im Eigentum Ravensburger Bürger waren. Nach einigen klimatisch schlechten Jahren Ende des 18. Jahrhunderts richtete das Kloster Weißenau im Kirchsprengel Sankt Christina oberhalb der Weinberge eine Bierbrauerei ein. Im Laufe des 19. Jahrhunderts folgten weitere schlechte Jahre. Außerdem verdrängten wohl Importweine den einheimischen Wein, der wegen ungenügender Ausbaumethoden qualitativ nicht mithalten konnte. So wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts die meisten Rebgärten aufgegeben. Inwieweit die sich damals ausbreitende Reblaus oder der zunehmende Bierkonsum auch eine Rolle spielten, ist nicht geklärt. Große Teile der Flächen am Rauenegg wurden Anfang des 19. Jahrhunderts wertvolles Bauland; im Bereich Sankt Christina existierte noch bis ca. 1960 ein privat betriebener Weinbaubetrieb.[28]

Auf den weniger steilen Flächen wurden teils Obstgärten und Streuobstwiesen angelegt, in Stadtnähe wurden einige Flächen auch in Sommerfrischen und Schrebergärten umgewandelt. Seit rund 30 Jahren wird vereinzelt wieder Wein angebaut. Die Stadt Ravensburg betreibt einen Weinberg mit den Sorten Müller-Thurgau und Spätburgunder am Rauenegg; außerdem gibt es einen gemeindeeigenen Weinberg in der Ortschaft Taldorf. Die Flächen zählen zum Bereich Württembergischer Bodensee des Anbaugebiets Württemberg.

Daneben war Ravensburg in früheren Jahrhunderten für seine Leinenproduktion bekannt; zum Rösten des Flachses wurde am Flappach (Stadtbach) oberhalb der Stadt in Ittenbeuren eine große Anzahl kleiner Teiche angelegt, die heute als Fischteiche genutzt werden.

Heute herrschen vor allem im Süden und Westen der Stadt Obstbau und Hopfengärten vor. Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee im Ortsteil Bavendorf betreibt Grundlagenforschung sowie anwendungsorientierte Untersuchungen und Beratung von Landwirten.

Daneben spielt in der Region Milchwirtschaft noch eine gewisse Rolle, besonders in den tieferen und stadtnahen Lagen geht deren Bedeutung aber immer weiter zurück. Fast ganz verschwunden aus der Landschaft ist der früher für Oberschwaben so typische Getreideanbau (vor allem Dinkel, aber auch Gerste und Weizen); auf dem Rahlenhof jedoch wird heute sogar Bio-Braugerste angebaut. Die Region zeichnet sich überhaupt durch einen hohen Anteil von Demeter- und Biolandbetrieben aus.

Medien[Bearbeiten]

Die Schwäbische Zeitung hat in Ravensburg ihren Sitz und betreibt dort auch eine Lokalredaktion. Auch die regionalen Anzeigenblätter Wochenblatt und INFO sind in Ravensburg mit Lokalredaktionen vertreten.

Hinzu kommen die nur im Stadtgebiet erscheinenden Anzeigenblätter Stadtkurier, wie das INFO vom Medienhaus Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG (Schwäbische Zeitung) herausgegeben, und Ravensburger Stadtmagazin, herausgegeben vom Südkurier Medienhaus.

In Ravensburg befinden sich außerdem Sendestudios der Radiosender Radio 7 und SWR4 Baden-Württemberg sowie ein Studio des Regionalfernsehsenders Regio TV Bodensee.

Das Munzinger-Archiv (siehe „ansässige Unternehmen”) wird als Personen-Datenbank von Verlagen und Journalisten bundesweit täglich genutzt.

Justiz[Bearbeiten]

Gebäude des Landgerichts

Ravensburg ist Sitz des Amtsgerichts Ravensburg, des Landgerichts Ravensburg, verschiedener Kammern des Arbeitsgerichts Ulm, der Polizeidirektion, der Staatsanwaltschaft Ravensburg sowie der Justizvollzugsanstalt Ravensburg im Stadtteil Hinzistobel.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Hoch- und Fachschulen[Bearbeiten]

In Ravensburg ist einer der Standorte der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg, der ehemaligen Berufsakademie Ravensburg. Ferner gibt es eine Schule für Gestaltung (Freie Kunstschule), das Institut für Soziale Berufe Ravensburg in katholischer Trägerschaft sowie eine Zweigstelle der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie.

Die Hochschule Ravensburg-Weingarten hat ihren Sitz in Weingarten.

Die Außenstelle Weißenau der Universität Tübingen befasste sich von 1959 bis 1992 mit Astronomie (ein inzwischen demontiertes Radioteleskop mit 26 Meter Durchmesser ermöglichte dort radioastronomische Beobachtungen). Von 1983 bis zur Schließung 2001 befasste sich die Außenstelle auch mit Neuropsychologie.

Schulen und Kindergärten[Bearbeiten]

Die Stadt Ravensburg betreibt drei allgemeinbildende Gymnasien (Albert-Einstein-Gymnasium, Spohn-Gymnasium, Welfen-Gymnasium), eine Realschule, eine Grund- und Hauptschule (Stefan-Rahl-Schule Obereschach), zwei selbständige Werkrealschulen (Werkrealschulen Kuppelnau und Neuwiesen), sieben selbständige Grundschulen (Grundschulen Klösterle, Kuppelnau, Neuwiesen, Oberzell, Schmalegg, Weißenau und Weststadt) und eine Förderschule (Sankt Christina).

Der Landkreis Ravensburg ist Träger von drei beruflichen Schulen: Edith-Stein-Schule (Haus- und landwirtschaftliche Schule, unter anderem mit ernährungswissenschaftlichem, agrarwissenschaftlichem und biotechnologischem Gymnasium), Gewerbliche Schulen (unter anderem mit technischem Gymnasium) und Humpis-Schule (kaufmännische Schule, unter anderem mit Wirtschaftsgymnasium). Auch die Martinusschule für Geistigbehinderte mit Schulkindergarten und die Fachschule für Landwirtschaft stehen unter Trägerschaft des Landkreises.

Ferner gibt es die Staatliche Schule für Kranke Weißenau und eine Krankenpflegeschule am Zentrum für Psychiatrie Weißenau.

Ravensburg beherbergt neben den staatlichen Schulen eine Reihe von Privatschulen, darunter das Bildungszentrum St. Konrad mit Grund- und Werkrealschule, Realschule und Gymnasium, die Bernd-Blindow-Schule, an der Ausbildung und Weiterbildung, die Fachhochschulreife, Abitur und sogar ein Studium möglich ist, die Grundschule Klösterle und die Theresia-Gerhardinger-Realschule (ehemals von den Armen Schulschwestern betrieben), eine Freie Waldorfschule, das Institut für sozialpädagogische Berufe, die Josef-Wilhelm-Schule (Private Berufsschule des Berufsbildungswerks Adolf Aich), das Kolping-Bildungswerk (mit Abendrealschule, Abendgymnasium, Kolping-Berufskolleg und sozialwissenschaftlichem Gymnasium), die Krankenpflegeschule und Kinderkrankenpflegeschule am Krankenhaus Sankt Elisabeth, die Krankenhausschule Sankt Nikolaus, die Private Kaufmännische Schule Schindele, ein Zentrum für Naturheilkunde und Homöopathie sowie die Hör-Sprachzentrum gGmbH mit Heimsonderschule für Gehörlose, Schwerhörige und Sprachbehinderte.

Ravensburg bietet insgesamt 1700 Kindergartenplätze in 32 Kindergärten in öffentlicher, kirchlicher oder privat-gemeinnütziger Trägerschaft (darunter unter anderem ein Waldorf-Kindergarten sowie ein Waldkindergarten) und erfüllt damit die gesetzlichen Vorgaben. Elf Einrichtungen in Ravensburg und Weingarten bieten darüber hinaus Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren an.

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

Ihren Ursprung in der Sozialarbeit der katholischen Kirche haben das Berufsbildungswerk Adolf Aich und die Einrichtungen der Behinderten- und Altenhilfe der Stiftung Liebenau.

Darüber hinaus unterhält die aus der evangelischen Sozialarbeit entstandene BruderhausDiakonie Einrichtungen der Altenhilfe und der Sozialpsychiatrie. Die Zieglerschen Anstalten, seit 2009 mit dem neuen Namen „Die Zieglerschen“, betreiben ein Sprachheilzentrum, bieten betreutes Wohnen im Rahmen der Behindertenhilfe und verschiedene Betreuungsangebote im Rahmen der Jugendhilfe an.

Krankenhäuser[Bearbeiten]

Das Krankenhaus Sankt Elisabeth mit einer Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin Sankt Nikolaus und das Heilig-Geist-Spital (geriatrischer Schwerpunkt) stehen unter Trägerschaft der größtenteils landkreiseigenen Oberschwabenklinik.

Im ehemaligen Kloster Weißenau und den umliegenden Neubauten liegt der Standort Weißenau des ZfP Südwürttemberg. Dort befindet sich eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie ein psychiatrisches Fachpflegeheim mit Außenwohngruppen und eine Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Die Weißenauer Werkstätten dienen der beruflichen Reintegration psychisch behinderter Menschen. In Ravensburg betreibt das ZfP Südwürttemberg außerdem eine Tagesklinik sowie die SINOVA Klinik für psychosomatische Medizin.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die Stadt Ravensburg hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen (chronologisch sortiert nach Verleihung):[29]

  • 1875: Raimund Heh (1809–1891), Realschullehrer und Rektor
  • 1877: Joseph Ruetz (1802–1879), Pfarrer
  • 1884: Karl Stempfle (1817–1885), Stadtpfarrer und Dekan
  • 1897: Julius Spohn (1841–1919), Fabrikant und Kommerzienrat
  • 1905: Joachim Gans Edler Herr zu Putlitz (1860–1922), Intendant des Stuttgarter Hoftheaters
  • 1934: Georg Spohn (1870–1948), Fabrikant
  • 1950: Richard Spohn (1880–1959), Fabrikant
  • 1957: Karl Erb (1877–1958), Kammersänger
  • 1966: Albert Sauer (1902–1981), Oberbürgermeister
  • 1970: Alfons Dreher (1896–1980), Stadtarchivar
  • 1970: Karl Spohn (1887–1983), Fabrikant
  • 1987: Karl Wäschle (* 1922), Oberbürgermeister
  • 2010: Hermann Vogler, (* 1944) Oberbürgermeister[30]

Die Ehrenbürger der früheren Gemeinden Eschach und Taldorf werden ebenfalls in der Ehrenbürgerliste der Stadt Ravensburg geführt:[31]

  • Gebhard Fugel (1863–1939), Maler (Taldorf)
  • Otto Timme (1891–1979), Pfarrer (Eschach)
  • Josef Strobel (1901–1967), Bürgermeister (Taldorf)
  • Bernhard Kessler (1911–1973), Pinselmachermeister (Eschach)
  • Erwin Munz (1902–2001), Rektor (Eschach)

Träger der Ehrenmedaille der Stadt Ravensburg sind:

  • Karl Lang (†), Arzt
  • Reinhold Nonnenbroich († 1999), Apotheker und Gründer des Wirtschaftsforums
  • Otto Julius Maier, Verleger und IHK-Funktionär
  • Albrecht Krauss, langjähriger Vorsitzender der Rutenfestkommission
  • Helmut Winter, Direktor der Berufsakademie
  • Pinchas Erlanger (1926–2007), Aktivist für die deutsch-israelische Freundschaft

Zu den Trägern der Verdienstmedaille der Ortschaft Taldorf siehe Artikel Taldorf.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstige Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Heinrich der Schwarze (1075–1126), Herzog von Bayern, starb in Ravensburg
  • Ulrich von Schmalegg-Winterstetten (13. Jahrhundert), Minnesänger aus Schmalegg
  • Jörg Amann (um 1450 bis nach 1521), Stadtarzt und Autor eines Pestbüchleins
  • Heinrich Institoris (ca. 1430 bis ca. 1505), Verfasser des „Hexenhammers“, führte seinen ersten Hexenprozess in Ravensburg
  • Jakob Russ (vor 1482–nach 1506), Bildhauer, Bürger von Ravensburg
  • Johannes Susenbrot (1484/85 bis wohl 1542), Lateinlehrer in Ravensburg und europaweit beachteter Lehrbuchautor
  • Johann Caspar Bagnato (1696–1757), Baumeister, heiratete 1729 die Ravensburgerin Maria Anna Walser und erwarb die Bürgerrechte
  • Johannes Bumüller (1811–1890), Gymnasialprofessor und Schriftsteller
  • Tobias Hafner (1833–1921), Lehrer, Schriftsteller und Lokalhistoriker, lebte und starb in Ravensburg
  • Theodor Schnell d. Ä. (1836–1909), Bildhauer und Kirchenausstatter, Gründer und Leiter eines „Ateliers für christliche Kunst“ in Ravensburg
  • Friedrich Bumüller (1842–1914), Stadtarzt und Sanitätsrat
  • Siegfried Straub (1896–1915), Dichter, wuchs in Ravensburg auf
  • Karl Müller (1897–1982), Politiker (SPD), Stadtrat, MdL, MdB, lebte in Ravensburg
  • Willi Burth (1904–2001), Kinobesitzer und für die Erfindung des „Burth’schen Tellers“ mit dem „Oscar“ ausgezeichnet, lebte ab 1934 in Ravensburg
  • Jost Metzler (1908–1975), U-Boot-Kommandant, lebte und starb in Ravensburg
  • Josef W. Janker (1922–2010), Schriftsteller, lebte und starb in Ravensburg
  • Willi Papert (1924–1980), Arrangeur, Dirigent, Komponist und Musiker, lebte in Oberzell
  • Karl Nuber (1932–2008), Geschäftsführer der Molkerei Omira
  • Peter Eitel (* 1938), Historiker und Stadtarchivar
  • Nortrud Boge-Erli (* 1943), Kinderbuchautorin, wuchs in Ravensburg auf
  • Oswald Metzger (* 1954), Politiker (CDU), ehemaliger MdB und MdL, Oberbürgermeisterkandidat von Ravensburg, lebt in Ravensburg
  • Andreas Schockenhoff (* 1957), Bundestagsabgeordneter der CDU für den Wahlkreis Ravensburg sowie stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, lebt in Ravensburg
  • Alfred Lutz (* 1963), Historiker
  • Andreas Schmauder (* 1966), Historiker und Stadtarchivar
  • Cornelius Claudio Kreusch (* 1968), Jazzpianist, Produzent, Entrepreneur
  • Bettina Kohrs (* 1970), Künstlerin, wuchs in Ravensburg auf
  • Michael Helming (* 1972), Schriftsteller, lebt in Ravensburg
  • Kay One (* 1984), Rapper, wuchs in Ravensburg auf

Sonstiges[Bearbeiten]

Für die Deutsche Bahn ist ein ICE 3 mit dem Namen Ravensburg unterwegs. Da die Bahnstrecke der Südbahn, an der Ravensburg liegt, jedoch nicht elektrifiziert ist, kann der am 15. April 2004 getaufte Triebzug 325 seine Patenstadt nicht anfahren.

Am 28. September 2008 legten die Ravensburger AG und die Stadt Ravensburg zusammen mit über 10.000 Puzzlefans auf dem Marienplatz in weniger als fünf Stunden das weltgrößte Puzzle mit 1.141.800 Teilen und einer Fläche von 600 Quadratmetern. Ravensburg übertraf damit den alten Puzzlerekord von rund 212.000 Teilen und bekam dafür einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. 20 Teile des Puzzles legten zuvor mit Hilfe von Geocachern bis zu 20.546 Kilometer zurück.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Georg Eben: Versuch einer Geschichte der Stadt Ravensburg von Anbeginn bis auf die heutigen Tage. 2 Bände. Gradmann, Ravensburg 1835 (Nachdruck: Genth, Oggelshausen 1987).
  • Johann Daniel Georg von Memminger: Gemeinde Ravensburg. In: Beschreibung des Oberamts Ravensburg. Cotta, Stuttgart/ Tübingen 1836.
  • Tobias Hafner: Geschichte der Stadt Ravensburg. Dorn, Ravensburg 1887.
  • Alfons Dreher: Geschichte der Reichsstadt Ravensburg und ihrer Landschaft von den Anfängen bis zur Mediatisierung 1802. 2 Bände. Dorn, Ravensburg 1972, ISBN 3-87437-084-4 (Band 1) und ISBN 3-87437-085-2 (Band 2).
  • Rudi Holzberger: Ravensburg. Ansichten und Profile. Oberschwäbische Verlagsanstalt, Ravensburg 1987, ISBN 3-926891-00-9.
  • Alfred Lutz: Ravensburg. Porträt einer ehemaligen Freien Reichsstadt. 2. Auflage. Biberacher Verlagsdruckerei, Biberach 1991, ISBN 3-924489-37-8.
  • Peter-Johannes Schuler: Ravensburg. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 7, LexMA-Verlag, München 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Sp. 486–488.
  • Peter Eitel (Hrsg.): Ravensburg im Dritten Reich. Beiträge zur Geschichte der Stadt. Oberschwäbische Verlagsanstalt, Ravensburg 1997, ISBN 3-926891-19-X.
  • Albert Schmid (Hrsg.): Fasnacht in Ravensburg. Ein Streifzug von 1353 bis heute. Oberschwäbische Verlagsanstalt, Ravensburg 2000, ISBN 3-926891-25-4.
  • Peter Eitel: Ravensburg im 19. und 20. Jahrhundert: Politik, Wirtschaft, Bevölkerung, Kirche, Kultur, Alltag. Thorbecke, Ostfildern 2004, ISBN 3-7995-0138-X.
  • Alfred Lutz: Zwischen Beharrung und Aufbruch. Ravensburg in den Jahren 1810 bis 1847. (Zugleich Dissertation der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 1999). Aschendorff, Münster 2005, ISBN 3-402-05912-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ravensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ravensburg – Quellen und Volltexte zur Stadtgeschichte
 Wikivoyage: Ravensburg – Reiseführer
 Wikinews: Ravensburg – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. statistik.baden-wuerttemberg.de
  3. Dieter Berger: Duden. Geographische Namen in Deutschland: Herkunft und Bedeutung der Namen von Ländern, Städten, Bergen und Gewässern. Dudenverlag, Mannheim 1999, ISBN 3-411-06252-5.
  4. Kruse, Rudolf, Schillig, Walter: Weingarten. 1992, ISBN 3-924489-61-0, S. 80, 81, 85.
  5. FB Schwaben 13 (1952–1954) S. 22.
  6. Sammlung des Klosters Weingarten.
  7. R. Rademacher: Die vorgeschichtliche Besiedlung des Veitsberges bei Ravensburg. – Tübingen, Magisterarbeit, 1986.
  8. „Über Ort und Zeitpunkt der Geburt Heinrichs des Löwen haben wir nur wenige genaue Nachrichten. Er selbst hat gesagt, daß er in Schwaben geboren sei (‚se de Suevia oriundum‘), ob aber auf der Ravensburg bleibt ungewiss.“. In: Joachim Ehlers: Heinrich der Löwe. Biographie. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-787-1. (Rezension) (Standardwerk), S. 47.
  9. Stadtportrait auf der Homepage der Stadt, abgerufen am 10. März 2014
  10. Kruse, Rudolf, Schillig, Walter: Weingarten. 1992, ISBN 3-924489-61-0, S. 152.
  11. Revolutionen im Südwesten – Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg, Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft hauptamtlicher Archivare im Städtetag Baden-Württemberg, Info Verlag, Karlsruhe, 2. Auflage. 1998, S. 501.
  12. Am Stichtag 30. September 2011 hatte Ravensburg erstmals über 50.000 Einwohner. Quelle: Statistische Landesamt Baden-Württemberg, nach einer Pressemitteilung der Stadt Ravensburg vom 19. Januar 2012: Stadt hat 50.000er-Marke gekanckt.
  13. http://193.197.29.120/_LeoGraph/public/doGraph.php?ONDB_ID=20120&T=V53&doTable – spätere Statistiken sind dort nicht vorhanden.
  14. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 70. Bild der Gedenktafel: Datei:Ravensburg Grüner-Turm-Straße Ehem Synagoge Tafel.jpg.
  15. Stadtarchiv Ravensburg, Gisela Fricke, Auskunft vom 17. März 2010.
  16. Ein/e zweite(r) Beigeordnete(r) trug bis 2013 die Amtsbezeichnung „Bürgermeister/-in“ und war für das Baudezernat zuständig („Baubürgermeister/in“). Seit Amtsantritt von Dirk Bastin am 15. Juli 2013 heißt dieses Amt nur noch „Baudezernent“.
  17. Pressemitteilung der Stadt Ravensburg: „Ravensburg macht keine neuen Schulden“, 11. Dezember 2008 (ehemals http://www.ravensburg.de/aktuelles/2703_6672.htm, im Internet Archive nicht vorhanden).
  18. Text und beide Melodien
  19. ravensburg.de
  20. ravensburg.de
  21. Anschaulich schildert dies schon 1866 die populäre Zeitschrift „Die Gartenlaube“ unter dem Titel „Ein Kinderhandel“ (Volltext bei Wikisource).
  22. Armin Müller: Humpis-Quartier erwacht zu neuem Leben. In: Chronico. Maganzin für Geschichte. 9. Juli 2009.
  23. wirtschaftsmuseum-ravensburg.de
  24. Schwäbische Zeitung, 8. März 2013.
  25. DAV Sektion Ravensburg, 19. Februar 2014.
  26. www.ravensburg.de
  27. STILLEGUNG DES PRODUKTIONSBEREICHS „TIEFZIEHEN“ IM WERK RAVENSBURG
  28. Zur Geschichte der Rebleute von Sankt Christina (Internet Archive).
  29. Peter Eitel: Ravensburg im 19. und 20. Jahrhundert: Politik, Wirtschaft, Bevölkerung, Kirche, Kultur, Alltag. Thorbecke, Ostfildern 2004, ISBN 3-7995-0138-X, S. 399.
  30. schwaebische.de
  31. Quelle: Informationstafel im Rathaus Ravensburg