Orienthaus

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Orienthaus im Sommer 1999

Das Orienthaus (englisch Orient House, arabisch ‏بيت الشرق‎ beit al-sharq) befindet sich in Ostjerusalem im Viertel American Colony in der Abu Ubaida str. 8 und war von 1983–2001 das Hauptquartier der PLO in Jerusalem. Das Haus wurde 1897 von Ismail Musa al-Husseini errichtet, dessen Vater 1918–1920 Bürgermeister Jerusalems war. Die angesehene Familie Husseini beherbergte immer wieder hohe Gäste, wie den deutschen Kaiser Wilhelm II. (1898) oder den äthiopischen Kaiser Haile Selassie (1936).

1945 starb Ismail Husseine und vererbte das Haus seinem Sohn Ibrahim, der es zum Hotel „The New Orient House” umgestaltete. Es war eines der ersten Hotels Ostjerusalems. Von 1949 bis 1950 war darin das UNRWA-Quartier für das jordanische Jerusalem untergebracht. Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde das Hotel geschlossen, nur mehr privat genutzt, ein Stockwerk untervermietet und verkam immer mehr.

1983 eröffnete Faisal Husseini im Haus die Arab Studies Society, die statistische Daten über die Palästinenser sammelte. 1988 schlossen die Israelis das Haus „aus Sicherheitsgründen” wegen Husseinis Aktivitäten für die PLO und die Erste Intifada.

1992 wurde es renoviert und am 26. Oktober wiedereröffnet. Daraufhin übernahm das Gebäude wieder eine wichtige diplomatische Rolle, auch für den Friedensprozess. Vor Einführung der palästinensischen Autonomie erhielt Sari Nusseibeh dort ein Büro für seine Arbeitsgruppen zur Vorbereitung der zukünftigen Ministerien.

Faisal Husseine wurde offizieller Repräsentant der PLO und das Orienthaus entwickelte sich zum heimlichen Rathaus Ostjerusalems. Ab dem Sommer 1999 verstärkten sich die Bemühungen Israels, die „illegalen Aktivitäten” der palästinensischen Autonomiebehörde im Orienthaus zu beenden. Ausländische Diplomaten wurden aufgefordert, das Haus nicht mehr für Treffen zu benutzen. Immer wieder gab es Versuche das Haus behördlich zu schließen, Demonstranten versammelten sich im Hof und demonstrativ fuhren dann Diplomaten vor.

Am 10. August 2001, nach dem Tod Faisal Husseinis und als Reaktion auf das Selbstmordattentat in der Pizzeria Sbarro, wurde das Orienthaus von der Polizei geschlossen, durchsucht und Computer, Ordner und persönliche Gegenstände von Faisal Husseini beschlagnahmt. Polizisten hissten dabei demonstrativ die israelische Flagge auf dem Haus, mussten diese aber nach Protesten kurz darauf wieder entfernen.

Seit damals gab es immer wieder Bemühungen, das Orienthaus wieder zu öffnen, doch Israel verweigert die Zustimmung dazu. Im November 2008 startete auch die EU eine Initiative mit einer entsprechenden Forderung an Israel.[1] Im Januar 2010 gab es auch einen Beschluss des Nahost-Quartetts,[2] Israel aufzufordern, die Wiedereröffnung zuzulassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. HaAretz-Artikel vom 1. Dezember 2008
  2. HaAretz-Artikel vom 17. Januar 2010

Weblinks[Bearbeiten]