PCLinuxOS

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PCLinuxOS
Logo
Bildschirmfoto
Screenshot
PCLinuxOS KDE-Desktop 2016.03
Basisdaten
Entwickler Bill Reynolds (Texstar)
Aktuelle Version 2016.03
(8. März 2016)
Abstammung GNU/Linux
↳ SLS
↳ Slackware
↳ Red Hat Linux
↳ Mandrake Linux
↳ PCLinuxOS
Architekturen x86_64
Lizenz GPL und andere Lizenzen
Sonstiges Sprache: Englisch
Inoffizielle deutsche Version
Website www.pclinuxos.com

PCLinuxOS – kurz PCLOS – ist eine US-amerikanische Linux-Distribution, die ursprünglich auf Mandrake zurückgeht und vor allem für den Desktop-Einsatz zugeschnitten ist. Sie gehörte laut einer Umfrage aus dem Jahr 2007 zu den zehn meistgenutzten Distributionen und wird weiterhin auf der Vergleichsseite Distrowatch als eine der Hauptdistributionen aufgeführt.[1]

Laut verschiedener Tests zeichnet sich PCLinuxOS durch seine Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit sowie die überdurchschnittlich gute Hardwareerkennung aus.[2] Von Heimanwendern oft benutzte Software wie Codecs für Multimediadateien, Flash und Java sind bei PCLinuxOS vorinstalliert. PCLinuxOS kann mit verschiedenen Desktop-Umgebungen installiert werden, die auf die Bedürfnisse und vorhandene Hardware der Nutzer zugeschnitten sind.[3]

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bill Reynolds (in der Entwicklerszene bekannt als Texstar)[4], heute der Hauptentwickler von PCLinuxOS, bot ab 2000 auf einer eigenen Quelle namens PCLinuxOnline selbstkompilierte RPM-Pakete für Mandrake Linux an, um diese Distribution zu verbessern.

2003 entschied sich Reynolds aus Unzufriedenheit mit der Politik von Mandrake einen Fork der Version 9.2 von Mandrake zu erstellen, die er PCLinuxOS nannte.[4] Die ersten Versionen, die als Previews bezeichnet wurden, ähnelten noch stark dem Original, seitdem hat sich die neue Distribution jedoch immer weiter vom Mandriva Linux entfernt. Der Großteil der Pakete, zum Beispiel der Kernel, die GNU Compiler Collection oder die KDE Software Compilation 4 wurden unabhängig von Mandriva kompiliert, daher hat PCLinuxOS auch sein eigenes Repository. Des Weiteren hat PCLinuxOS eigene Grafiken und Icons sowie eine eigene Menü-Struktur.

Die Version PCLinuxOS 2007 mit der internen Versionsnummer .94, deren stabiles Release am 21. Mai 2007 veröffentlicht wurde, war eine vollkommene Neugestaltung des Systems, weshalb ein normales Upgrade von früheren Versionen nicht möglich war. Zudem wurden kosmetische Verbesserungen, wie ein neues Logo und eingebaute 3D-Desktopeffekte via Beryl und Compiz eingefügt. Alle weiteren Versionen sollen auf .94 aufbauen, da seitdem das Entwicklungsmodell eines Rolling Release, also einer kontinuierlichen Weiterentwicklung aller in der Distribution enthaltenen Programme, eingeführt wurde.

Anfang November 2007 wurde die erste größere Bearbeitung der 2007er Version vorgenommen, die unter anderem einen neuen Kernel beinhaltete. Im Januar 2008 wurde eine neue MiniMe-Version veröffentlicht, die nur die wichtigsten Basis-Programme enthält und etwa 300 MB groß ist.

Die am 11. März 2009 erschienene Version 2009.1 basierte weiterhin auf K Desktop Environment 3, da die Entwickler eine vergleichbare Funktionalität mit KDE Plasma Desktop 4 nicht erreicht hatten.[5] Die Version basiert weiterhin auf der Codebasis der Version 2007, ist also von dieser aus per Paketverwaltung aktualisierbar.

Am 5. Mai 2010 wurde die Version 2010.1 mit KDE Plasma Desktop 4 veröffentlicht. Alle nachfolgenden Veröffentlichungen sind Schnappschüsse der aktualisierten Version 2010.1.

PCLinuxOS erscheint in den aktuellen Versionen 2016.03 ausschließlich als 64-Bit-Ausführung und kommt mit Kernel 4.4.4 LTS, grub2 sowie voller UEFI-Unterstützung.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PCLinuxOS MATE-Desktop 2016.03

PCLinuxOS ist eine für den einfachen Desktop-Gebrauch gedachte Linux-Distribution, während der Server-Einsatz eine eher geringe Rolle spielt. Die Live-CD bietet die Möglichkeit persönliche Dateien und Konfigurationsdateien auf einen USB-Stick abzulegen. Das System kann aber auch auf eine Festplatte installiert werden; die CD enthält, wenn dekomprimiert, etwa zwei Gigabyte an Software, wie KDE Software Compilation 4, LibreOffice, GIMP und viele weitere Applikationen.

Die Distribution zählt zu den ersten, die das von Debian stammende Paketmanagement-Programm APT in Verbindung mit dem RPM-Paketsystem in der Variante APT-RPM und dessen grafischem Aufsatz Synaptic nutzt.

PCLinuxOS legt großen Wert auf Kompatibilität, so sind zum Beispiel NDISwrapper oder Codecs für zahlreiche proprietäre Multimediaformate (z. B. MPEG) vorinstalliert, was bei anderen Distributionen aufgrund der daraus resultierenden unklaren Rechtslage unterlassen wird. Das umstrittene Paket libdvdcss ist zwar nicht vorinstalliert, aber im offiziellen Repository vorhanden.

Weiterhin ist in PCLinuxOS das Skript mklivecd integriert, das dem Benutzer erlaubt, einen “Schnappschuss” von seiner Installation zu machen (mit allen Einstellungen, Programmen, Lesezeichen, Dokumenten, Bildern, etc.) der dann zu einem ISO-CD-Image komprimiert wird. Dadurch ist es sehr einfach, Backups zu machen sowie seine eigene PCLinuxOS-basierte Distribution zu erstellen.

Seit der Version 2007 nutzt die Distribution ein Rolling-Release-Versionssystem. Upgrades erfolgen über die Paketverwaltung und es gibt keinen Feature-Freeze, von allen Programmen wird also möglichst die neueste Version angeboten.

Um die Installation von PCLinuxOS auf Festplatte zu erleichtern, bietet die deutsche PCLinuxOS-Gemeinschaft eine bebilderte Installationsanleitung an.[6] Des Weiteren kann PCLinuxOS nach erfolgreicher Installation mit dem sogenannten Lokalisierungs-Manager (addlocale) in eine von 85 Sprachen mit nur wenigen Mausklicks komplett umgestellt werden, unter anderem auch auf Deutsch.

Für die deutschsprachigen Nutzer steht außerdem eine inoffizielle Version mit der Desktop-Umgebung LXDE, die bereits komplett auf Deutsch umgestellt wurde, zum Download bereit.[7]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PCLinuxOS ist mit verschiedenen Desktop-Umgebungen erhältlich, hierzu zählen:

PCLinuxOS MATE Desktop

MATE ist eine beliebte Multi-Plattform-Desktop-Umgebung und hat sich zum Ziel gesetzt, das klassische Desktop-Konzept von GNOME 2 fortzuführen. Der Schwerpunkt von MATE liegt in der Benutzerfreundlichkeit und der Stabilität. MATE bietet alles was sich der Computer-Anwender von einer modernen IT-Umgebung erwartet.

PCLinuxOS KDE Desktop

KDE ist eine beliebte Desktop-Umgebung für den Computer und hat eine große Ähnlichkeit mit dem Windows-Betriebssystem. Der KDE-Schwerpunkt ist die Benutzerfreundlichkeit, Stabilität und Barrierefreiheit und bietet alle gängigen Programme die Computer-Anwender von einer modernen IT-Umgebung erwarten, wie beispielsweise E-Mail, Web-Browsing, Dateiverwaltung, Multimedia und Spiele.

PCLinuxOS KDE FullMonty Desktop

KDE FullMonty basiert auf der KDE-Umgebung und verfolgt ein neues Konzept. Es bietet sechs vorkonfigurierte virtuelle Arbeitsoberflächen, die jeweils Software für eine spezifische Aufgabe bereithalten. So wechselt man per Mausklick zwischen einer Auswahl von Büroprogrammen und einem Desktop, der für Aufgaben im Netz optimiert ist. Dieses Desktop-Layout wurde entworfen um den täglichen Anforderungen und Bedürfnissen der Anwender gerecht zu werden und diese zu erleichtern. "FullMonty-Desktop" enthält eine Vielzahl zusätzlicher Programme und Codecs.

Inoffizielle Derivate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PCLinuxOS LXQt-Desktop 2016.03

In den Foren der PCLinuxOS-Communitys werden auch inoffizielle Derivate - die mit dem Skript mklivecd produziert wurden - zum Download bereitgestellt. Bei diesen Derivaten sind unter anderem aktuelle Updates bereits eingespielt oder es werden weitere Desktop-Umgebungen angeboten.

Ferner gibt es auch abgespeckte Varianten der Distribution, sie richten sich an fortgeschrittene Benutzer, die die Software-Vorgaben der Standardvariante nicht wünschen und stattdessen ihr System weitestgehend selbst einrichten und konfigurieren möchten.

Im Unterschied zum Original setzen einige dieser Derivate auf Desktop-Umgebungen die eher für Cloud-Computer mit geringen Hardware-Spezifikationen, Netbooks oder ältere Computer konzipiert sind, wie zum Beispiel: Xfce, LXDE, LXQt und Trinity.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Unterschied zu anderen größeren Linux-Distributionen wird PCLinuxOS von einer unabhängigen Entwicklergemeinde ohne nennenswerte kommerzielle Interessen vertrieben, neben Bill Reynolds ist dies vor allem eine als Ripper-Gang bekannte Programmierergruppe.

Als Nachteil des Rolling-Release-Versionssystems wird genannt, dass die Release-Zyklen unregelmäßig erfolgen und vergleichsweise viel Zeit zwischen den einzelnen Versionen vergeht.

Außerdem existiert bei der Installationsroutine noch keine Mehrsprachen-Unterstützung.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PCLinuxOS
Version Datum
2016.03 8. März 2016
2014.12 18. Dezember 2014
2014.08 12. August 2014
2013.04 4. April 2013
2012.09 6. September 2012
2012.08 22. August 2012
2012.02 2. Februar 2012
2011.09 24. September 2011
2011.07 14. Juli 2011
2011.06 27. Juni 2011
2010.12 12. Dezember 2010
2010.10 28. Oktober 2010
2010.7 5. Juli 2010
2010.1 5. Mai 2010
2010 19. April 2010
2009.2 30. Juni 2009
2009.1 11. März 2009
MiniMe 2008 7. Januar 2008
2007 (alias 0.94) 21. Mai 2007
P.93a Big Daddy 21. August 2006
P.93a Junior 9. August 2006
P.93a MiniMe 4. August 2006
P.93 MiniMe 21. April 2006
P.92 21. November 2005
P.91 7. Juli 2005

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: PCLinuxOS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Top Ten Distributionen: Ein Überblick über die heute führenden Distributionen bei distrowatch.com, aktuelle Abfrage (deutsch)
  2. Vergleichstest zwischen PCLinuxOS und Mandriva bei tecchannel.de, 21. Mai 2007 (deutsch)
  3. Aus der Ecke bei linux-community.de, 16. Oktober 2014 (deutsch)
  4. a b PCLinuxOS - "So cool ice cubes are jealous" bei linux.com, 25. April 2013 (englisch)
  5. Distribution Release: PCLinuxOS 2009.1 bei distrowatch.com, 12. März 2009 (englisch)
  6. PCLinuxOS LXDE installieren bei wiki.pclos.eu, 6. Februar 2016 (deutsch)
  7. PCLinuxOS LXDE Deutsch bei sourceforge.net, 18. März 2016 (deutsch)