Paikuli-Inschrift

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Paikuli-Inschrift (Autonome Region Kurdistan)
Paikuli-Inschrift
Paikuli-Inschrift
Überreste des Paikulimonuments

Die Paikuli-Inschrift (arabisch بيكولي, DMG Baikūlī; kurdisch په يكولي Peykulî) beinhaltet bilinguale Texte in Parthisch und Mittelpersisch aus der Sassanidenzeit und erzählt vom Triumph des sassanidischen Königs Narseh über seinen Großneffen Bahram III. Das Monument bestand ursprünglich aus einem etwa 8,40 m mal 12,60 m[1] großen Turm mit Inschriften auf zwei Seiten und befindet sich im Paikuli-Pass wenige hundert Meter westlich des Dorfes Barkal im irakischen Gouvernement as-Sulaimaniya. Der Standort markiert die Stelle, an der sich Narseh mit seinen Unterstützern getroffen haben soll und der Umsturz Bahrams beschlossen wurde.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narseh war der jüngste Sohn Schapurs I., der in der Thronfolge jedoch mehrmals übergangen wurde. Dennoch diente Narseh seinem Neffen Bahram II. anscheinend loyal.[2] 293 folgte Narseh jedoch dem Ruf mehrerer Adliger und ging gegen seinen jungen Großneffen Bahram III., der erst kurz zuvor den Thron bestiegen hatte, militärisch vor. Narseh hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein gehobenes Alter erreicht und konnte auf eine langjährige administrative Erfahrung zurückblicken. Er war den Schilderungen der Inschrift zufolge anscheinend der Aufforderung mehrerer persischer Großen gefolgt, die sich in der damaligen politischen Lage einen stärkeren und erfahreneren König wünschten und deshalb Narseh zum neuen König erwählten. Aus dem nur kurzen Bürgerkrieg gegen Bahram III. ging Narseh siegreich hervor und bestieg den Thron Persiens.

Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit mittelpersischer Sprache beschrifteter Block
Eine der Büsten Narsehs

Das Monument, das von den lokalen Bewohnern Bot-ḵāna (Götzentempel) genannt wird, wurde im 19. Jahrhundert von europäischen Reisenden entdeckt und als erstes vom britischen Major Henry Creswicke Rawlinson in 1844 erforscht. Er übergab seine Aufzeichnungen an Edward Thomas, der sie umfangreich kommentiert 1868 veröffentlichte. Ernst Herzfeld besuchte die Stätte im Sommer 1911 und nahm einige Abdrücke. Er leitete seine Zeichnungen und Fotografien an Carl Friedrich Andreas in Göttingen. Im Sommer 1913 kam er wieder und führte seine Arbeit fort. Er machte von 97 Blöcken Abdrücke, begann die zerstreuten Blöcke zu ordnen und fertigte erste hypothetische Rekonstruktionen an. 1924 veröffentlichte er sein sämtliches Wissen über das Monument. Seine Rekonstruktion und Lesung der Inschriften waren zum größten Teil korrekt. Die Forscher Prods Oktor Skjærvø und Helmut Humbach untersuchten die Inschrift später[3] und ab 2006 führte ein italienisches Team der Universität Florenz unter Carlo G. Cereti in Kooperation mit den lokalen kurdischen Autoritäten Konservierungs- und Ausgrabungsarbeiten durch. Sie entdeckten in der Umgebung 19 bisher unbekannte beschriftete Blöcke.[4] Alle beschrifteten Blöcke befinden sich in einem Museum in Sulaimaniya.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Monument hat einen quadratischen Grundriss mit etwa 8,40 m Seitenlänge.[5] Herzfeld konnte die Höhe nur schätzen, da das Monument schon lange in sich zusammengebrochen war. Bei einem Höhe-zu-Breite-Verhältnis von 3:2 gab er die Turmhöhe mit 12,60 m an.[6] An den Kanten saßen dreiviertel Säulen, die etwa 12,50 cm hervorstanden. Das Monument muss aber breiter gewesen sein, da laut Skjærvø und Humbach der mittelpersische Text schon 9,30 m breit ist.[7]

Das rechteckige Monument besteht aus einzelnen Kalksteinblöcken mit einer durchschnittlichen Größe von 40 × 60 × 40 cm. Das Innere ist mit einer Betonmischung aus Fluss- und Kieselsteinen ausgefüllt, die durch Gips als Bindemittel anstatt Zement zusammengehalten wird. Die äußeren Blöcke waren mit dem Füllmaterial nur lose verbunden, was Herzfeld als "nachlässige Technik" bezeichnete.[8] Die einzelnen Blöcke zeigen auf ihrer Oberseite zwei wenige Zentimeter tiefe Löcher, in denen metallene Klammern saßen, die die Blöcke zusammenhielten. Einige der Blöcke sind beschriftet, während der Großteil eine geglättete Außenfläche hat. Der Kalkstein wurde wohl direkt aus der Umgebung gewonnen. An allen vier oberen Kanten der Seiten waren Büsten Narsehs angebracht, die noch erhalten sind.

Bedingt durch den Standort in einem Tal treten starke, sandhaltige Winde auf, die die Steine abschleifen. Neben diesen Schleifspuren sind viele Blöcke mit Pilzen oder Bakterienkolonien besiedelt.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Seiten des Turms waren beschriftet: Die westliche Seite beinhaltete den mittelpersischen Text und die gegenüberliegende östliche Wand den parthischen Text. Der entzifferte Text besteht aus Einleitung, Hauptteil und Abschluss. Der Hauptteil beschreibt drei Ereignisse. Die Ereignisse bis zum Treffen von Narseh mit den Adeligen, die Niederlage Bahrams III. und die Verhandlungen zwischen Narseh und den Adeligen über die Zukunft des Reiches und die Thronbesteigung. Der Inhalt lässt sich wie folgt zusammenfassen:[9]

1. Einleitung:

Narsehs Genealogie wird wiedergegeben.

2. Hauptteil:

Narsehs Neffe und amtierender König Bahram II. stirbt. Ohne Narsehs Wissen wird Bahrams Sohn als Bahram III. neuer König. Daraufhin fragt eine Gruppe Adeliger Narseh, ob er nicht aus Armenien zurückkehren könne, um den Usurpator zu besiegen und seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron einzunehmen. Narseh macht sich auf den Weg und trifft die Adeligen bei Paikuli. Bahram III. zieht gegen seinen Onkel und beide Seiten mobilisieren ihre Verbündeten. Doch am Ende unterliegt Bahram III. und wird bestraft. Nach seinem Sieg lässt Narseh eine Versammlung Adeliger den geeigneten König wählen. Die Wahl fällt auf Narseh, der akzeptiert.

3. Abschluss:

Narseh befriedet das Land und schließt auch mit dem Römischen Reich Frieden. Dann folgt eine Auflistung aller Herrscher, die Narseh als König der Könige anerkennen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herzfeld, S. 23
  2. Zu Narseh siehe die Ausführungen bei Ursula Weber: Narseh, König der Könige von Ērān und Anērān. In: Iranica Antiqua 47 (2012), S. 153–302.
  3. Skjærvø et Humbach 1978, 1980, 1983
  4. Cereti et Terribili, 2014
  5. Herzfeld, S. 23
  6. Herzfeld, S. 24
  7. Skjærvø et Humbach, Part 2, S. 10
  8. Herzfeld, S. 24
  9. Skjærvø et Humbach, Part 3.1; S. 3–5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Herzfeld: Die Aufnahme des sasanidischen Denkmals von Paikūli. APAW, Jg. 1914, phil.-hist. Kl., no. 1, Berlin 1914
  • Prods Oktor Skjærvø und Helmut Humbach: The Sassanian Inscription of Paikuli- Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden
  • Carlo G. Cereti und Gianfilippo Terribili: The Middle Persian and Parthian Inscriptions on the Paikuli Tower. In: Iranica Antiqua 49, 2014, S. 347–412, doi:10.2143/IA.49.0.3009246

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 35° 6′ 2″ N, 45° 34′ 59″ O