Pantaleon (Musikinstrument)

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Das Pantaleon (auch Pantalon) ist ein historisches, mit Schlägeln geschlagenes Saiteninstrument.

Geschichte und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Musiker Pantaleon Hebenstreit (1668–1750) führte seine selbstentwickelte Großform des Hackbretts bei einer Frankreichreise im Jahr 1705 mit. Bei Johann Mattheson heißt es dazu: „König Louis XIV. in Franckreich soll das Instrument getauffet, und Pantalon genennet haben.“ Von diesem Zeitpunkt an hieß das Instrument dann nur noch Pantal(e)on oder zumindest (wie bei Telemann) pantalonisches Cymbal.

Ein Pantaleon war etwa viermal so groß wie ein heutiges Hackbrett. Über die beiden Resonanzböden waren je etwa 90 Saitenpaare gespannt, über dem einen Darmsaiten, über dem anderen Drahtsaiten aus Stahl und Messing. In der Tiefe reichte das Instrument bis zum Kontra-E. Geschlagen wurde das Pantaleon mit Holzschlägeln, die auf einer Seite mit Leder überzogen waren. Hebenstreit ließ diese Instrumente von Gottfried Silbermann bauen. Mit diesen Änderungen war das Instrument auch für Kunstmusik geeignet, wodurch sich seine große Popularität im 18. Jahrhundert erklärt. Johann Kuhnau äußerte sich ausführlich über die neue Erfindung (abgedruckt bei Johann Mattheson, Critica musica, Bd. 2, Hamburg 1722).

Auch Georg Philipp Telemann rühmte Hebenstreit und seine Virtuosität in seiner Autobiographie, wo er von seiner Zusammenarbeit in Eisenach berichtet:

Die Absicht war in Eisenach anfangs nur auf eine Instrumental-Musik gerichtet, deren Glieder der nie genug zu rühmende Hr. Pantaleon Hebenstreit zusammen suchte, und welchen ich, als Concertmeister, vorgesetzet ward: mithin bey der Tafel und in der Kammer die Violine, und das übrige, zu spielen hatte; da jener den Nahmen eines Directoris führte, in der letzten aber auch mitgeigete, und auf seinem bewundernswürdigen Cymbal sich hören ließ.

Nach der Erfindung des Hammerklaviers oder Hammerflügels, die auch durch Pantaleon Hebenstreits dynamische Spielweise angeregt war, verschwand sein Instrument, das nicht einfach zu spielen war, aus der Musikpraxis.

Das Pantaleon-Clavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion eines Pantaleons aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts von Martin-Christian Schmidt, Rostock (1992) im Technischen Museum Wien, wo auch ein Video mit Klangbeispielen unter Darmbesaitung (Peter Widensky) und Metallbesaitung (Rudolf Scholz) verfügbar ist

Auch die frühesten Tafelklaviere wurden „Pantaleons“ genannt, da Pantaleon Hebenstreit mit seinem Instrument das Vorbild des dynamischen „Hammeranschlags“ war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margit Übellacker: Studien zum Pantaleon – Teil I: Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Glareana. Nachrichten der Gesellschaft der Freunde alter Musikinstrumente. Jg. 57, Heft 1, 2008, ISSN 1660-2730, S. 4–27, (Digitalisat (PDF; 9,84 MB)).
  • Margit Übellacker: Studien zum Pantaleon – Teil II: Zur Doppelboden-Konstruktion. In: Glareana. Nachrichten der Gesellschaft der Freunde alter Musikinstrumente. Jg. 57, Heft 2, 2008, ISSN 1660-2730, S. 44–66, (Digitalisat (PDF; 12,93 MB)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]