Panzerfaust 44

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Die leichte Panzerfaust 44 mm (auch „Leichte Panzerfaust“ oder „Lanze“) war eine für die Bundeswehr entwickelte, rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe. Sie wurde in den 1960er Jahren bei der Bundeswehr eingeführt, verlor aber mit der Entwicklung von Kampfpanzern mit Verbundpanzerung ihre Wirksamkeit und wurde in der Folge ausgemustert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leichte Panzerfaust 44 der Bundeswehr
Blick durch das Zielfernrohr mit Entfernungsangaben

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waffe wurde für die Panzerabwehr konstruiert. Sie basierte auf der Panzerfaust 150, die noch für die Wehrmacht entwickelt worden war. Die Dynamit Nobel AG produzierte die Waffe für die Bundeswehr.[1]

Wirksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leichte Panzerfaust wurde von einem Schützen bedient und war wirksam gegen haltende Panzer bis 200 Meter und gegen fahrende Panzer bis 150 Meter Entfernung. Die Durchschlagsleistung lag bei bis zu 375 mm gewalztem Panzerstahl.[1] Sie zählte zur Standardbewaffnung der Infanterie.[2]

Die Industrie wurde im Januar 1972 beauftragt, einen Ersatz für die leichte Panzerfaust 44 mm zu entwickeln, was letztlich zur Ablösung der Waffe ab 1992 bei der Bundeswehr durch die Panzerfaust 3 führte.[1]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waffe bestand aus Rohr, Abfeuerungseinrichtung, Zieleinrichtung und dem Granatkopf. Sie wog feuerbereit etwa 10 kg. Die Panzerfaust verschoss Hohlladungsgeschosse nach dem Prinzip des rückstoßfreien Geschützes. Die Rückstoßenergie des Projektils wurde durch die Energie einer sich entgegengesetzt nach hinten bewegenden Masse bzw. Gasmenge ausgeglichen. Die Waffe besaß einen Kammerverschluss, so dass der Schütze zunächst einen Treibladungszünder aus dem Griffstück einbringen musste, der dann nach dem Abdrücken die Treibladung der Granate zündete.[1] Abgeschossen wurde die Panzerfaust stehend, sitzend oder kniend, die Waffe wurde dabei auf die Schulter aufgelegt und beidhändig an Haltestück und Griffstück gehalten.

Um die Panzerfaust ohne oder mit defekter Zieleinrichtung abzufeuern, konnte eine einfache, ausklappbare Notvisiereinrichtung benutzt werden. Zu Ausbildungszwecken war es möglich, einen Zielkontrollspiegel zu verwenden.

Hergestellt wurden zwei verschiedene Modelle, wovon sich das spätere Modell 44-2A1 durch eine leicht verbesserte Version der Notvisiereinrichtung vom Vorgängermodell 44-2 unterscheidet. Die verwendeten Munitionstypen sind in der Liste von Bundeswehrmunition ersichtlich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BMVg: Heeresdienstvorschrift (HDv) 215/32 für die Handhabung der leichten Panzerfaust
  • BMVg: Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 3/16 „Die leichte Panzerfaust“
  • Taschenbuch für Wehrausbildung 19. Auflage – 1977 Walhalla und Praetoria Verlag
  • Johannes Heinen, Rechtsgrundlagen Feldjägerdienst, Walhalla U. Praetoria, 2007, ISBN 978-3-8029-6532-6
  • André Deinhardt: Panzergrenadiere – eine Truppengattung im Kalten Krieg: 1960 bis 1970, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2011, ISBN 978-3486704648
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen: Schützenwaffen. (1945–1985). In: Illustrierte Enzyklopädie der Schützenwaffen aus aller Welt. 5. Auflage. Band 1+2. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1988, ISBN 3-89488-057-0, Waffen, S. 164.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d André Deinhardt: Panzergrenadiere – eine Truppengattung im Kalten Krieg: 1960 bis 1970, Seite 130
  2. Heinen Seite 59, s. Lit.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Panzerfaust 44 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien