Patellaspitzensyndrom

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Klassifikation nach ICD-10
M76.5 Tendinitis der Patellarsehne
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Das Patellaspitzensyndrom (en: jumper’s knee) ist eine Enthesiopathie des Ursprungs der Kniescheibensehne, die eigentlich ein Band ist (lat.: Ligamentum patellae), am unteren Pol der Kniescheibe (lat.: Patella).

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorgerufen wird die Erkrankung durch eine akute oder chronische Überlastung mit gleichzeitiger Kniebeugung und damit Abknickung am Sehnenansatz. Am häufigsten sind Sportler betroffen, die viel springen (z. B. Volleyball, Basketball, Weitsprung, Hochsprung) – daher ist im Englischen die Bezeichnung jumper’s knee gebräuchlich. Auch Kniebeugen beim Hanteltraining kann eine solche Überlastung darstellen.

Auch eine verkürzte Beinmuskulatur, ein Achsenfehler des Beins, eine Beinlängendifferenz oder eine angeborene Bandschwäche wirken prädisponierend.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei entsprechender sportlicher Belastung kommt es am unteren Pol der Kniescheibe zu Schmerzen wechselnder Intensität – oft bei Beginn im Sinne eines Anlaufschmerzes, aber auch, bei Fortschreiten der Entzündung, im Alltag, etwa beim Treppensteigen oder jeder anderen Streckung des Kniegelenks gegen Widerstand.

Die Region schmerzt auf Druck. Eine Rötung oder Schwellung sind selten sichtbar. Die Ultraschall-Untersuchung kann eine Verdickung der Sehne und eine Umgebungsentzünding zeigen. In der Kernspintomografie findet sich zudem ein Ödem des Sehnenansatzes, teilweise kann sich auch ein Knochenmarködem an der Patellaspitze ausbilden. Das konventionelle Röntgenbild ist dagegen anfänglich meist unauffällig, dient aber zum Ausschluss anderer Erkrankungen, wie etwa der Larsen-Johansson-Krankheit oder des Morbus_Osgood-Schlatter. Beide machen ähnliche Symptome. Später können sich Unregelmäßigkeiten der Knochenkontur an der Patellaspitze und Kalzifikationen in Sehnenansatz zeigen.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erster Linie gilt es vorzubeugen. Überlastungen sollten durch sinnvolle Dosierung vermieden werden. Vor dem Sport sollten Aufwärm- und Dehnungsübungen erfolgen, danach ausreichende Pausen.

Zur Therapie sind Schonung und vorsichtige Muskeldehnung sinnvoll. Weiterhin kommen Physiotherapie und physikalische Therapie mit Eiseinreibungen, Ultraschall oder Stoßwelle zur Anwendung. Bei Bedarf und Verträglichkeit können entzündungshemmende Medikamente in Form von Salben, Pflaster oder Tabletten zur Anwendung kommen. Cortison-Injektionen sollten nicht in die Sehne erfolgen, allenfalls in das sehnennahe Gewebe, und nicht häufiger wiederholt werden, da sie mit einem Risiko für Sehnenrisse verbunden sind.

Eine Orthese („Patellaband“ oder „Patellabandage“), die mit einer über der Sehne zentrierten Pelotte lokal Druck am Sehnenansatz ausübt, kann ebenfalls hilfreich sein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Joachim Wirth (Hrsg.): Praxis der Orthopädie. Band 2: Operative Orthopädie. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Georg Thieme, Stuttgart u. a. 2001, ISBN 3-13-125683-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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