Paul Rieger (Rabbiner)

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Paul Rieger (geboren am 4. Juli 1870 in Dresden; gestorben am 10. Juli 1939 in Stuttgart) war ein deutscher Gelehrter, Historiker und Reformrabbiner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Rieger besuchte das Wettiner Gymnasium in Dresden, wo er zu Ostern 1889 das Abitur ablegte. Von 1889 bis 1893 studierte er an der Universität Breslau, wo er am 11. August 1894 (über Technologie und Terminologie der Handwerke in der Mischna) promovierte. Parallel dazu studierte er auch am Jüdisch-Theologischen Seminar (1889–1894). Von 1894 bis 1896 wirkte er als Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin.

Als Rabbiner tätig war er in Potsdam von 1896 bis 1902 (hier führte er einen Jugendgottesdienst ein und initiierte 1899 die Gründung eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur), in Hamburg von 1902 bis 1915, dort am Hamburger Tempel von 1902 bis 1908 (als zweiter Prediger), in Braunschweig (hier Landesrabbiner) von 1916 bis 1922 und in Stuttgart (Stadtrabbiner und Religionslehrer an höheren Schulen) von 1922 bis 1939. Von 1924 an gab er die Gemeindezeitung für die jüdischen Gemeinden Württembergs heraus.

Er war „lange Zeit Gegner der Zionisten“ und „deutsch-nationalbewußt“ eingestellt.[1]

Paul Rieger wurde auf dem Pragfriedhof Stuttgart beigesetzt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte der Juden in Rom 1420–1870. 2 Bände, Berlin 1895 f. (zusammen mit Hermann Vogelstein).
  • Hillel und Jesus. Hamburg 1904.
  • Ein Tag aus dem Leben eines babylonischen Großkaufmanns. 1910.
  • Zur Jahrhundertfeier des Juden-Edikts vom 11. März 1812. Berlin 1912.
  • Ein Vierteljahrhundert im Kampf um das Recht der deutschen Juden. 1918.
  • Vom Heimatsrecht der deutschen Juden. 2. Auflage. 1924.
  • The Foundation of Rome in the Talmud. 1925.
  • Wir sind Deutsche! Eine Aussprache über Heimatrecht und Heimaterlebnis zwischen Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger und Dr. Müller-Claudius. in: CV-Zeitung. Nummer 9, Jahrgang 10, vom 27. Februar 1931.
  • Auch das Hakenkreuz „verjudet“? Quellen in der Bibel und im jüdischen Schrifttum. in: CV-Zeitung, Nummer 44, Jahrgang 11, vom 28. Oktober 1932.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Brocke, Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. Band 2, S. 501. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-24874-0.