Pelindaba

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Kernforschungszentrum Pelindaba

Pelindaba oder Valindaba ist Südafrikas wichtigstes Kernforschungszentrum in der Nähe des Hartbeespoort-Stausees, etwa 33 km (22 Meilen) westlich von Pretoria. Es wird seit 1999 von dem staatlichen Unternehmen Nuclear Energy Corporation of South Africa (NECSA) betrieben und war der Ort, an dem in den 1970er Jahren südafrikanische Atombomben entwickelt, gebaut und anschließend eingelagert wurden. Nach Angaben des U.S. State Department soll im September 1979 Südafrika einen Nukleartest (Vela-Zwischenfall) vor seiner Küste mit einer Explosionskraft von 2,5 bis 3 Kilotonnen durchgeführt haben.[1]

Gegenwärtig sind Strahlenforschung und nukleare Entsorgung die Hauptarbeitsgebiete. Das Forschungszentrum betreibt einen Reaktor mit 20 MW Leistung und einen Teilchenbeschleuniger mit einem 4-Megavolt-Van-de-Graaff-Generator.[2]

Der Forschungsreaktor wurde 1960 im Rahmen des friedlichen Atomprogramm Atoms for Peace geplant, erhielt den Namen SAFARI-1 (1st South African Fundamental Atomic Research Installation) und lief ab 1965 mit einer Leistung von zunächst 6,75 MW. Die Leistung wurde durch das Kühlsystem begrenzt. 1968 wurde die Leistung auf 20 MW erhöht, nachdem die Kapazität des Kühlsystems ausgebaut worden war. Als Spaltstoff wurde zunächst hochangereichertes Uran aus den USA verwendet. Im Jahr 1970 wurde die staatlich kontrollierte Uranium Enrichment Corporation (UCOR) mit dem Ziel gegründet, eine Anreicherungsanlage, Y-plant genannt, in Velindaba zu errichten. Ministerpräsident Balthazar Johannes Vorster setzte im selben Jahr das Parlament darüber in Kenntnis, dass die Atomenergiebehörde Südafrikas (South African Atomic Energy Board) ein bisher einzigartiges Konzept der Urananreicherung auf der Grundlage der Gasdüsen-Technologie vorangetrieben hat. Mit dem Bau der experimentellen Urananreicherungsanlage wurde 1971 begonnen. Sie war ab März 1977 betriebsbereit und lieferte ab Januar 1978 den Spaltstoff. Mitte des Jahres 2006 wurde auf schwachangereichertes Uran umgestellt.[3][4][5] Im September 1989 gab Präsident Frederik Willem de Klerk die Anweisung, das Nuklearwaffenprogramm zu beenden. Gegenwärtig wird Uran aus den stillgelegten südafrikanischen Atomwaffen verwendet.

Nach Auffassung einiger Quellen erlangte Südafrika die Technologie der Uran-Anreicherungsanlage in Velindaba (Pelindaba East oder Y-plant) durch eine Zusammenarbeit mit deutschen Firmen und Wissenschaftlern. Spaltbares Material wurde von hier zum Betrieb des Kernkraftwerks Koeberg geliefert.[6][7] Die deutsche Regierung bestätigte damals, dass es eine Zusammenarbeit zwischen der südafrikanischen ESCOM und dem privaten Institut für Reaktorsicherheit gab, die 1976 auf ihren Einspruch hin eingestellt wurde. Im Verlauf dieser Kooperation ging es um Aspekte der Standortwahl sowie um Konstruktionfragen und es war Südafrikanern erlaubt worden, in bundesdeutschen Nuklearforschungseinrichtungen zu arbeiten.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laurie Nathan, Jacklyn Cock: War and society: the militarisation of South Africa. Claremont (David Philip) 1989, Teil 2, S. 6 Introduction ISBN 0-86486-115-X
  2. NECSA: Research and Conference (engl.)
  3. SAFARI-1: Achieving Conversion to LEU A Local Challenge - Bericht der NECSA
  4. Thomas B. Cochran: Highly Enriched Uranium Production for South African Nuclear Weapons. In: Science & Global Security, 1994, Volume 4, S. 163, 174 (PDF; 1,9 MB)
  5. Central Intelligence Agency: Weekly Surveyor, 5. Mai 1975 (PDF; 174 kB)
  6. Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. Bonn 1981, S. 434
  7. Zdenek Červenka, Barbara Rogers: The nuclear axis. Secret collaboration between West Germany and South Africa. London (Friedmann) 1978 ISBN 0-905290-01-1
  8. SAIRR: Survey of Race Relations in South Africa 1979. Johannesburg 1980. S. 86

Weblinks[Bearbeiten]

-25.80055555555627.933888888889Koordinaten: 25° 48′ 2″ S, 27° 56′ 2″ O