Pentti Haanpää

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Pentti Mikael Haanpää (* 14. Oktober 1905 in Pulkkila; † 30. September 1955 in Pyhäntä) war ein finnischer Schriftsteller, der vorwiegend Erzählungen und Romane über einfache Menschen aus dem Volk verfasste, etwa Landstreicher, Schuster, Flößer, Soldaten. Dabei wusste der Bauernsohn und „Meister der kleinen Form“[1] in zahlreichen Kurzgeschichten auch Episoden, die unbedeutend erscheinen, Kontur zu verleihen. Seine Sprache ist derb und hintersinnig zugleich. Bei der etablierten Kritik machte sich „Naturtalent“ Haanpää um 1930 durch seine sozialistischen und antimilitaristischen Positionen unbeliebt, so dass er nur noch in kleinen linken Verlagen veröffentlichen konnte. 1948 verlieh ihm der Staatspräsident die Pro Finlandia-Medaille. Haanpää starb mit knapp 50 Jahren wahrscheinlich durch Unfall.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Auch die Vorfahren Haanpääs schrieben bereits, obwohl sie Bauern waren und blieben. Zum Teil bekleideten sie in ihrer (nordfinnischen) Region öffentliche Ämter. Haanpää begreift sich schon mit 16, nach der Volksschule, als Schriftsteller und veröffentlicht in Zeitschriften. Er absolviert ein paar Fernstudienkurse der Volkshochschule. Einen Beruf erlernt er nicht. Sind seine literarischen Einkünfte in den kommenden Jahrzehnten gar zu dürftig, hält er sich mit Landwirtschaft, Fischfang und Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Aber er ist auch nie Wanderarbeiter oder Flößer gewesen, wie etwa Pate Teikka, Held seines um 1930 verfassten Romanes Teufelskreis, in dem er den Beschönigungen der „Freien Marktwirtschaft“ auf die Finger klopft. Für Richard Semrau hat Haanpää mit Teikka die erste fordernde proletarische Figur in der finnischen Prosa geschaffen.[2] Trotz ihrer Sympathie für die benachbarte Sowjetunion bleiben sowohl Teikka wie sein Schöpfer Einzelkämpfer. In der nordfinnischen Einöde gibt es ohnehin keine nennenswerte gewerkschaftliche Bewegung. Vom Kriegsdienst einmal abgesehen, verbringt Haanpää sein ganzes Leben in seinem Heimatdorf Piippola. Ab und zu reist er nach Helsinki, einmal zum Eismeer und nach China. Einige Versuche, einen städtischen Beruf zu ergreifen oder gar nach Kanada auszuwandern, scheitern. Er leidet nicht wenig unter der heimatlichen Enge und Eintönigkeit, nimmt sie jedoch seiner Verwurzelung zuliebe inkauf.[3]

Teufelskreis der Lohnabhängigkeit[Bearbeiten]

Schon mit 20 gibt Haanpää sein Debüt als Buchautor: Maantietä Pitkin (1925). Diese Erzählung bringt ihm überwiegend Lob ein. 1925/26 leistet er Militärdienst. Wie sehr ihm die Rolle als geschundener Soldat gegen den Strich geht, zeigt sein Buch Kenttä ja kasarmi (Exerzierplatz und Kaserne) von 1928, das ihm prompt Missfallen einträgt, gar „einen der größten Literaturskandale im Lande“ auslöst, wie Manfred Peter Hein berichtet. „Das gefeierte 'Naturtalent' hatte sich vergriffen, hatte die Nation bespuckt, hatte geistigen Selbstmord begangen.“[3] Zwei weitere Buchmanuskripte mit starker Sozialkritik, Noitaympyrä (Teufelskreis) und Vääpeli Sadon tapaus (Die Stiefel der Neun) aus den 1930er Jahren, können erst 1956 erscheinen. Der Verlag Kirjailijain Kustannusliike veröffentlicht immerhin mehrere Bände mit Erzählungen Haanpääs. Mit Kollegen wie Arvo Turtiainen, Katri Vala, Viljo Kajava und Elvi Sinervo gehört Haanpää in dieser Zeit der marxistisch orientierten literarischen Gruppe Kiila (Keil) an. Auch zu den beiden Kriegen gegen die Sowjetunion 1939-44, Winterkrieg und Fortsetzungskrieg genannt, wird Haanpää eingezogen. Für ihn bedeutet Krieg Leid, Angst und Erschöpfung, wie es sich auch in seinen Büchern Korpisota (Urwaldkrieg) und den bereits erwähnten Yhdeksän miehen saappaat (Stiefeln der Neun) niederschlägt. Im (episodenhaften) Roman Jauhot (Der Einfall des Gouverneurs) von 1949 werde der „unüberhörbare Unterton gesellschaftskritischer Anklage“ von der „holzschnittartigen, ebenso naturalistischen wie humoristischen Zeichnung der Menschen“ überdeckt, urteilt Kindlers. Haanpää verzichte auf jedes Moralisieren. „Die Sprache ist knapp, unsentimental, doch nicht ohne verhaltene Poesie.“[1]

Ein Bootsunglück[Bearbeiten]

Seit 1940 mit der Buchhalterin Aili Karjalainen verheiratet, wird dem Erzähler 1945 Tochter Elsa geboren. Auch mit steigender Beliebtheit im Lande bleibt er seiner einfachen Lebensweise treu. Neben der Anspruchslosigkeit schätze man Aufrichtigkeit, Freundlichkeit, Unangepasstheit an Haanpää, schreibt Semrau.[2] 1953 gehört er einer finnischen Schriftsteller-Delegation an, die die VR China besucht. Zwar hat er gelegentlich die Beschränkung der Redefreiheit in der UdSSR kritisiert, doch in seinem ein Jahr darauf erscheinenden rühmenden Buch über China verkneift er sich entsprechende Kritik.[4] In den 1960er Jahren wird Haanpääs Gesamtwerk in 10 Bänden herausgegeben.

Er selber erlebt diese Gesamtausgabe nicht mehr. Im September 1955 Teilnehmer eines Angelausfluges auf dem See Iso-Lamujärvi bei Pyhäntä, kommt ein Sturm auf. Dabei ertrinkt Haanpää. Die genauen Todesumstände seien umstritten, schreibt Robert Brantberg, somit Selbstmord (statt Unfall) nicht ausgeschlossen. Fest stehe nur, die Ausflügler, darunter der erfahrene Fischer Haanpää, hätten tüchtig dem Koskenkorva und diversen Schnäpsen zugesprochen.[5]

Deutschsprachige Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Der Einfall des Gouverneurs (Jauhot), Rostock 1965
  • Erzählungen (Juhut), Helsinki/Stuttgart 1982
  • Der Teufelskreis (Noitaympyrä), Helsinki/Stuttgart 1983
  • Die Stiefel der Neun (Yhdeksän miehen saapaat), Helsinki/Stuttgart 1983

Literatur[Bearbeiten]

  • Kai Laitinen: „Pentti Haanpää“, in: Suomen kirjallisuus, Band 5, Helsinki 1965, Seite 385-408
  • Elsa Erho: „Tie ja kulkijat Pentti Haanpään tuotannossa“, in: Sananjalka 8, 1966, Seite 169-183
  • Eino Kauppinen: Pentti Haanpää I. Nuori Pentti Haanpää 1905-1930, Helsinki 1966
  • Elsa Erho: „Pentti Haanpään ilmaisuraivo“, in: Sananjalka 9, 1967, Seite 214-232
  • Kai Laitinen: Finnlands moderne Literatur, Hamburg 1969, Seite 105-109
  • Kai Laitinen: „Escape from the Vicious Circle. An Introduction to Pentti Haanpää“, in: Books from Finland, 1976, Seite 54-58
  • Aarne Kinnunen: Haanpään pitkät varjot. Pentti Haanpään kertomataiteesta, Helsinki 1982
  • Vesa Karonen: Haanpää elämä, Helsinki 1985
  • Kari Sallamaa: Kaksisuuntaiset silmät, 1996
  • Juhani Koivisto: Leipää huudamme ja kiviä annetaan, 1999

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kindlers Neues Literaturlexikon, Ausgabe München 1988
  2. a b Nachwort zu Teufelskreis, Helsinki/Stuttgart 1983
  3. a b Manfred Peter Hein, Nachwort zu Erzählungen, Helsinki/Stuttgart 1982
  4. Petri Liukkonen 2008, abgerufen am 19. September 2011
  5. Robert Brantberg 2009, abgerufen am 19. September 2011

Weblinks[Bearbeiten]