Zum Inhalt springen

Pfarramt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Pfarramt ist ein in allen großen Konfessionen des Christentums bekanntes Amt, das als wesentlich für die Aufgabenerfüllung der jeweiligen Kirche angesehen wird. Gleichzeitig bezeichnet man mit Pfarramt auch das Pfarrbüro, also die Verwaltungsstelle einer Kirchengemeinde oder mehrerer Kirchengemeinden.

Evangelische Kirche

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Protestantismus wird unter Pfarramt der Dienst der Wortverkündigung, der Sakramentenspendung, der Unterweisung und der Seelsorge an einen als Kirchgemeinde (in den östlichen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland und in der Schweiz[1]) oder Kirchengemeinde bestimmten und räumlich begrenzten Adressatenkreis verstanden, unabhängig von der Person des Pfarrers, die gerade das Amt bekleidet.[2]

Voraussetzung für die Übernahme eines Pfarramts ist die Ordination des Theologen. Der Akt der Einsetzung in ein konkretes Pfarramt wird Investitur, Installation oder Einführung genannt.[3]

Römisch-katholische Kirche

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Katholizismus decken sich kirchenrechtlich Pfarramt und Pfarrei.[4] Die Priesterweihe ist Voraussetzung für die Übertragung eines Pfarramtes durch den Bischof der betreffenden Diözese.[5]

Geschichtliche Entwicklung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Kirchgemeinde in Deutschland und Österreich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, steht das Pfarramt in keinem unmittelbaren Verhältnis zum Staat bzw. zur Kommune, ist also keine öffentliche Behörde. Es ist in Zielbestimmung und Ausformung eine innerkirchliche Institution.[6]

In Deutschland hat diese Verhältnisbestimmung die Weimarer Reichsverfassung von 1919 ergeben, nachdem bereits im Kulturkampf im 19. Jahrhundert der Staat, namentlich der preußische, dem Pfarramt wesentliche standesamtliche Aufgaben wie z. B. das Führen eines Eheregisters genommen hatte.[7]

Seit den 60er Jahren sind neben den klassischen, auf ein Territorium bezogenen Parochialpfarrämtern zahlreiche neue übergemeindliche Funktionspfarrämter entstanden: z. B. in Krankenhäusern, in Gefängnissen, für die Jugend und für Bildungsarbeit.[8][9]

Zukunftsaussichten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Westeuropa zeichnet sich ein zunehmender sowohl Priester- als auch Pfarrermangel ab, der die Besetzung der Pfarrämter beeinflussen und zu Neustrukturierungen führen wird.[10]

Pfarrämter, die lange Zeit vakant bleiben, können aufgehoben werden. Kurzfristig wird es zu Vereinigungen kommen, bei denen sich neue Seelsorgeeinheiten bilden, z. B. in Form von Pfarrverbänden, Pfarramtliche Verbindungen oder Pastorationsgemeinschaften.[11]

  • Michael Klessmann: Das Pfarramt. Einführung in Grundfragen der Pastoraltheologie. Vandenhoeck & Ruprecht, 1. Auflage 2012, ISBN 978-3-7887-2622-5.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Pfarrei. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 18. Februar 2026.
  2. Pfarrbuero im Wandel (PDF). In: Berufsverband der Pfarramtssekretärinnen und Pfarramtssekretäre der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Abgerufen am 20. Februar 2026.
  3. retro|bib - Seite aus Meyers Konversationslexikon: Invertebrata - In vino veritas. Abgerufen am 20. Februar 2026.
  4. Deutsche Bischofskonferenz: Aufbau. Abgerufen am 18. Februar 2026.
  5. Priester, Laien, Teams: Wer leitet die Pfarreien? In: Katholisch.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.
  6. Das Pfarramt im Nachbarschaftsraum - EKHN. Abgerufen am 18. Februar 2026.
  7. deutschlandfunk.de: Religion in der Weimarer Reichsverfassung - Die Staatskirche ist abgeschafft. 31. Juli 2019, abgerufen am 18. Februar 2026.
  8. Zur Zusammenarbeit funktionaler und parochialer Dienste im Kirchenbezirk. In: Zentrum theologische Aus- und Fortbildung. 2002, abgerufen am 18. Februar 2026.
  9. FAQ Jugendarbeit. In: Landesstellenplanung ELKB. 5. Juli 2022, abgerufen am 18. Februar 2026.
  10. Jens Eberl: Krise in der Kirche: Kaum noch Interesse am Priesteramt. In: Tagesschau.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.
  11. Gemeinsam neue Wege gehen. Kirchengemeinden auf dem Weg in die Vereinigung. evangelisch-in-westfalen.de, abgerufen am 18. Februar 2026.