Gefängnis

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Dieser Artikel behandelt Gefängnisse als Gebäude; zum gleichnamigen Film siehe Gefängnis (1949).
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Ein Gefängnis ist eine meist staatliche, teilweise inzwischen auch privat geführte Anstalt zur sicheren Unterbringung von Untersuchungs- und Strafgefangenen. Sie besteht baulich in der Regel aus einem weitflächigen Areal mit äußeren Schutzeinrichtungen (Zaunanlage oder Mauer mit Wachtürmen) sowie im Inneren aus Gebäuden zur Unterbringung der Gefangenen, des Wachpersonals sowie zur Aufnahme von Sozialeinrichtungen. Die gut einsehbaren Freiflächen dienen nicht nur zum zeitweisen Aufenthalt der Häftlinge im Freien, sondern auch zur besseren Überwachung der Zaunzugänge.

Eine Mauer umgibt das Gefängnisgebäude, um Ausbrüche zu verhindern.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefängnis war früher eine offizielle Bezeichnung des deutschen Strafrechts. Heute heißen Gefängnisse in Deutschland Justizvollzugsanstalt, dort war bis zur Neuregelung durch die Große Strafrechtsreform 1970 Gefängnis offiziell eine besondere Art der Freiheitsentziehung im Unterschied etwa zu Zuchthaus und Arbeitshaus.

In der Schweiz heißen Gefängnisse Strafanstalt und in Österreich Justizanstalt.

Das Committee for the Prevention of Torture nutzt auch den Ausdruck Haftort.

Umgangssprachlich steht Gefängnis für jede Art von strafrechtlich verordnetem Freiheitsentzug. Daneben gibt es zahlreiche weitere Ausdrücke, auch Spottnamen: (der) Knast (vom jiddischen „knassen“ für „bestrafen“), (hinter) schwedische Gardinen, Café Viereck, (das) Kittchen, (hinter) Gitter und (im) Bau, in Österreich auch (der) Häfen, Zieglstadl, (der) Tschumpus oder Gesiebte Luft (atmen). In der Schweiz und Deutschland wird das Gefängnis auch „Kiste“ genannt.

Bauweise von Gefängnissen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Gefängnis ist üblicherweise ein Gebäude, das von einer gesicherten hohen Mauer oder einem entsprechenden Zaun umgeben ist. Innerhalb der Mauer befinden sich ein oder mehrere Zellentrakte, in denen die Gefangenen untergebracht sind. Die Fenster der Zellen sind im geschlossenen Vollzug vergittert, im offenen Vollzug möglicherweise unvergittert. In der Regel sind die Insassen in Einzelhafträumen untergebracht; siehe auch Strafkolonie. Die gebräuchlichsten Bauformen von Gefängnissen sind die Kammbauweise und Kreuzbauweise. Diese Bauformen eignen sich besonders zur Trennung von unterschiedlichen Gefangenen, zum Beispiel von Untersuchungs- und Strafhäftlingen.

Im Laufe der Geschichte hat sich der Aufbau von Gefängnissen stark verändert. Ursprünglich hatten Gefängnisse mehr Ähnlichkeiten mit Verliesen und kalten, stinkenden Kellerräumen als mit den heutigen Gebäuden.

Innenansicht des historischen Presidio Modelo auf der kubanischen Isla de la Juventud

Hervorzuheben ist das Panopticon- oder Bentham-Design, welches Ende des 18. Jahrhunderts in England entworfen wurde. Hauptbestandteil dieser Idee war, dass alle Zellen kreisförmig angeordnet sind und dass jede Zelle von einem zentralen Punkt einsehbar ist (siehe Abbildung). So kann eine geringe Zahl von Justizvollzugsbeamten eine möglichst große Zahl von Insassen beaufsichtigen. Die Gefangenen bekommen so das Gefühl, ständig kontrolliert zu werden – weil sich der Beaufsichtigende nur umzudrehen braucht, um eine andere Person zu beobachten. Das Verhältnis zwischen effektiv ausgeübter Kontrolle und Selbstkontrolle der Häftlinge ist besonders günstig.

Diese Bauweise, obwohl eigentlich für das Beaufsichtigen von Fabrikarbeitern entworfen, hätte 1811 zum ersten Mal in einem Gefängnisbau verwendet werden sollen. Das Projekt wurde abgebrochen, aber die Panopticon-Idee beeinflusste einige Gefängnisbauten der viktorianischen Zeit. Eine Abwandlung des Prinzips bestand darin, dass von einem zentralen Punkt aus alle sternförmig verlaufenden Korridore eingesehen werden können.

Das Pentonville-Gefängnis in London zeigt die Merkmale eines Panopticon-Baus.

Eine Sonderbauform war das Karussellgefängnis, wo ein Zugang abwechselnd zu mehreren Zellen führte.

In modernen, mit Bewegungsmeldern und Überwachungskameras ausgestatteten Justizvollzugsanstalten spielen diese direkten optischen Kontrollmöglichkeiten nur noch eine untergeordnete Rolle. Seit Inkrafttreten des Strafvollzugsgesetzes im Jahr 1977 wird in Deutschland die bauliche Unterteilung einer Anstalt in einzelne abgeschlossene Abteilungen als sinnvoller angesehen, da dadurch die räumliche Trennung und die differenzierte Behandlung der unterschiedlichen Gefangenengruppen besser ermöglicht wird.

Eine Sonderform des Gefängnisses stellen Gefängnisschiffe dar. Diese existieren oder existierten vorrangig in Großbritannien und den USA. Sie können entweder fest vertäut in einem Hafen oder bis zu mehrere Kilometer vor den Küsten des jeweiligen Landes liegen. Gefängnisschiffe werden heute von einigen Staaten als kostengünstige Alternative angesehen, um überbelegte Gefängnisse zu entlasten. Sie werden nach militärischen Standards gebaut und weisen beispielsweise besonders stabile Stahlwände im gesamten Schiff auf. Zudem gelten im Unterschied zu herkömmlichen Gefängnissen besondere Regelungen, da beispielsweise Brände oder Aufstände verheerende Konsequenzen haben können.

Alltag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefängnisinnenhof

Gefängnisse dienen – neben der Untersuchungshaft, verschiedenen Arten von Zivilhaft, Ordnungshaft sowie Abschiebehaft – dem Vollzug der Freiheitsstrafe: Häftlinge dürfen das Gefängnisgebäude nicht verlassen, ihre Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt. Das heißt, ein Aufenthalt im Gefängnis ist kein Verzicht auf (bescheidenen) Komfort, sondern der Zwang, sich für eine bestimmte Zeit im Gefängnisgebäude aufzuhalten. Innerhalb des Gefängnisses unterliegt der Gefangene der sogenannten Platzgebundenheit: Er hat sich bezüglich seines Aufenthaltsortes an die Weisungen der Bediensteten zu halten.

Je nach Land und je nach individuellen Restriktionen ist es üblich, dass Häftlinge die Gelegenheit erhalten, in ihrer Freizeit Spiel und Sport zu betreiben. Fernseher in den Hafträumen sind mittlerweile die Regel, soweit sich der Gefangene die Anschaffung leisten kann. Die wenigsten Gefangenen haben Zugang zu Computern oder dem Internet. Der Bezug von Zeitungen und Zeitschriften ist erlaubt (§ 68 StVollZG). Des Weiteren gibt es Gefängnisbüchereien und andere Möglichkeiten zum Zeitvertreib. Die Unmöglichkeit von Ehe- und Familienleben während der Haftzeit ist eine der schwersten Einschränkungen für die Gefangenen.

Allerdings gibt es in mehreren Ländern, wie z. B. Österreich, auch für die Gefangenen im geschlossenen Strafvollzug die Möglichkeit, ihren Lebenspartner in privater Atmosphäre zu treffen.

Anders als im (inzwischen abgeschafften) Zuchthaus, wo die Häftlinge mit Zwangsmitteln zur harten körperlichen Arbeit (z. B. Steinbrucharbeiten, Torf stechen) angehalten wurden, gibt es in einem Gefängnis keine Zwangsarbeit, die Gefangenen sind aber sehr wohl zur Arbeit verpflichtet (Deutschland: § 41 Strafvollzugsgesetz): Arbeit ist ein zentrales Element des modernen Behandlungsvollzugs. In Deutschland gilt dies, sobald sich der Gefangene in Strafhaft befindet. Arbeitsverweigerung wird deshalb disziplinarisch bestraft. Jugendliche Gefangene sind aus erzieherischen Gründen grundsätzlich zur Arbeit verpflichtet. Viele Gefangene arbeiten in anstaltseigenen Betrieben wie der Wäscherei, in der Schneiderei, in Werkstätten auf dem Gefängnisgelände, als Reiniger, in der Bäckerei oder in der Küche der Einrichtung, um Geld zu verdienen. Nach JVollzGB kann der Gefangene über einen Teil seines Lohnes (in Deutschland 3/7, das sogenannte Hausgeld) frei verfügen (zum Beispiel für Einkäufe im Gefängniskiosk, für Zigaretten etwa), ein anderer Teil (in Deutschland 4/7, Überbrückungsgeld) kann als Rücklage für die Zeit nach der Entlassung dienen, aber auch in einem gewissen Rahmen zur Schuldentilgung herangezogen werden. Sondergeld kann von Außenstehenden bis zu einer gewissen Höhe und mit Verwendungseinschränkungen für den Gefangenen eingezahlt werden. Ähnliche Regelungen gelten in Österreich und der Schweiz.

Innentür (Tongeren in Belgien)

Das Arbeitsentgelt wird nach der Leistung des Gefangenen und der Art der Arbeit entsprechend der Strafvollzugsvergütungsordnung in fünf Stufen gewährt. Der durchschnittliche Stundenverdienst eines Gefangenen lag 2005 bei ungefähr 1,35 €.

Ein üblicher Tagesablauf sieht etwa wie folgt aus:

  • 6:00 Uhr: Wecken und Aufschluss, Ausgabe der Frühstückskost
  • 7:00 Uhr: ausrücken zur Arbeit, Arbeit nach Anordnung
  • 12:00 Uhr: Mittagessen, danach weitere Arbeit
  • 16:00 Uhr: Freizeit (Hofgang, Sport- und Freizeitgruppen, Umschluss)
  • 18:00 Uhr: Abendessen
  • 21:00 Uhr: Einschluss (Gefängnissprache: Pop Shop)

Dieser Tagesablauf kann von Anstalt zu Anstalt variieren (zum Beispiel späterer Aufschluss und/oder Einschluss bereits um 16:00 Uhr).

Die Abläufe im Gefängnis sind hoch standardisiert und bürokratisch festgelegt. Die Gefangenen müssen beispielsweise auf einem Laufzettel einen Antrag stellen, wenn sie innerhalb des Gefängnisses das Stockwerk verlassen wollen. Anliegen müssen schriftlich in Form eines Rapportzettels beantragt werden. In der JVA Mannheim etwa fallen für rund 900 Gefangene 100.000 Laufzettel und 150.000 Rapportzettel an.

Juristische Einspruchsmöglichkeiten gestalten sich für Gefangene oftmals schwierig. So werden mitunter erfochtene Urteile in Strafvollzugssachen zugunsten eines Gefangenen von Gefängnisleitungen ignoriert, was beispielsweise in Bayern mehrfach vom Bundesverfassungsgericht gerügt wurde. Da dies keine Einzelfälle sind, sprechen Kriminologen von „renitenten Strafvollzugsbehörden“.

Anmerkung: Grundsätzliche Informationen über den Ablauf einer Gefängnisstrafe von der Aufnahme bis zur Entlassung siehe Strafvollzug.

Gefängnistypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein US Marshal des JPATS während eines Gefangenentransportes per Flugzeug

Gefängnisse sind nicht nur von der Außenwelt abgeschirmte Anstalten, sondern auch Fahrzeuge, z. B. Flugzeuge und Gefängnisschiffe, die für Gefangenentransporte verwendet werden. Haftzellen gibt es auch in vielen Gerichten der Welt, unter anderem in Gerichtssälen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es offene, geschlossene und halboffene Strafanstalten. Bei den auch einer breiten Öffentlichkeit bekannten Gefängnissen handelt es sich stets um Anstalten des geschlossenen Vollzugs. Die in besonders gesicherten Gefängnissen mit baulicher Abgrenzung zur Außenwelt eingewiesenen Gefangenen befinden sich in der Regel rund um die Uhr in der Einrichtung. In der Halbgefangenschaft, dem offenen Vollzug, ist es dem Gefangenen dagegen erlaubt, tagsüber die Einrichtung zu verlassen, um einer geregelten Arbeit nachzugehen. Für den offenen Vollzug kommen nur diejenigen Gefangenen in Betracht, die den besonderen Anforderungen dieser Haftart genügen.

Das Strafvollzugsgesetz sieht vor, dass Kriminelle mit leichteren Vergehen während ihrer Haftstrafe nach Möglichkeit von den Schwerkriminellen getrennt untergebracht werden. Es gibt zudem eine Trennung von Erst- und Mehrfachverurteilten, Erwachsenen und Jugendlichen, Frauen und Männern sowie Strafgefangenen und Untersuchungsgefangenen (§ 141 Strafvollzugsgesetz, Differenzierung). Eine andere wichtige Einteilung richtet sich nach der Straflänge. Für Täter, die Sexual- oder andere Gewaltdelikte begangen haben, gibt es Sozialtherapeutische Anstalten. Hier werden in einem therapeutischen Setting wesentlich intensivere und vielseitigere Behandlungsangebote als im normalen Strafvollzug zur Verfügung gestellt: Gruppen- und Einzelpsychotherapie, deliktorientierte Gruppen, soziales Lernen in Wohngruppen, kreatives Arbeiten sowie schulische Liftung und gegebenenfalls berufliche Bildung sollen entsprechend motivierte Gefangene in die Lage versetzen, ihre Probleme intensiv zu bearbeiten, um weiteren Delikten vorzubeugen.

Psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter werden unter bestimmten Umständen im Maßregelvollzug untergebracht.

Polizei:

Haftzelle der deutschen Polizei

Große Gefängnisse deutscher Polizeien werden Haftanstalten genannt. Dies ist eine Zwischenstation, bis die Gefangenen dem Haftrichter oder sonstigen Behörden vorgeführt bzw. einer JVA oder einer geschlossenen Einrichtung zugeführt werden.

Eine Besonderheit ist die Gefangenensammelstelle (GeS oder Gesa). Die GeS wird eingerichtet, wenn zu erwarten ist, dass reguläre Haftplätze nicht mehr ausreichen.

Dies ist z. B. der Fall bei Großveranstaltungen, Großdemonstrationen oder Demonstrationen mit hohem Störeranteil. Dabei handelt es sich meistens um spezielle Räumlichkeiten wie in Stadien, Container, Busse oder notfalls um einen abgesicherten Sammelplatz im Freien (Einkesselung).

Sammelzellen im Signal-Iduna-Park in Dortmund. Für jeden Fanblock gibt es separate Zellen.

Historische Gefängnistypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitslager, Korrektionsanstalt auch Detentionsanstalt oder Besserungsanstalt genannt, Festungshaft, Gefängnisinsel, Gefängnisschiff, Hexenturm, Hungerturm, Karzer, Kerker, Konzentrationslager, Schuldturm, Strafgefangenenlager in der Zeit des Nationalsozialismus (eine KZ-Form), Zuchthaus.

Bekannte Gefängnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland

Österreich

Schweiz

Frankreich

England

Nordirland

Vereinigte Staaten

Weltweit

Geheime Gefängnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geheime Gefängnisse (englisch: Black jails) sind vor der Öffentlichkeit geheimgehaltene Gefängnisse, die von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen betrieben werden. Diese Gefängnisse beherbergen meist nur wenige Gefangene über wenige Monate.

  • Im November 2009 wurde bekannt, dass es in China geheime Gefängnisse gibt, in denen chinesische Lokal- und Provinzbehörden Menschen einsperren, um sie daran zu hindern, eine Petition einzureichen.[3]
  • Im Verlauf des Kriegs gegen den Terror entstanden sogenannte Black sites, vom US-Militär betriebene geheime Gefängnisse außerhalb der USA.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl der Gefangenen pro 100.000 Einwohner
Land Anzahl
USA 751[4]
Russland 713
Turkmenistan 534[5] (2009)
Belize 487
Kuba 487 (2003)
Amerikanisch-Samoa (zu USA) 446 (2004)
Weißrussland 426
Puerto Rico (zu USA) 356
Ukraine 356
Singapur 350
Kasachstan 348[6] (2009)
Südafrika 335
Estland 333
Französisch-Guayana 315
Lettland 292
Vereinigte Arabische Emirate 288 (2004)
Mongolei 269
Taiwan 259
Thailand 256
Chile 240
Litauen 240
Polen 234[7]
Libyen 217[8]
Iran 212[9]
Israel 209
Mexiko 196
Brasilien 191
Neuseeland 186
Tschechische Republik 185
Luxemburg 167
Rumänien 164
Vereinigtes Königreich 148[10]
Spanien 145
Australien 126
Portugal 121
Volksrepublik China 119[11]
Kanada 107
Österreich 105
Serbien 104
Italien 104
Deutschland 91[12]
Belgien 91
Türkei 91
Griechenland 90
Frankreich 85[13]
Schweiz 83
Niederlande 73[14]
Kiribati 72
Irland 72[15]
Schweden 64
Dänemark 61
Pakistan 57
Syrien 58 (2004)
Japan 37
Indien 30 (2004)
Nigeria 30
Island 29
Färöer 15

In Deutschland gab es zum 30. März 2011 ca. 60.000 Strafgefangene, darunter ca. 3300 Frauen.[16][17] Den in den letzten Jahren stagnierenden Gefangenenzahlen war in den 1990er Jahren ein deutlicher Anstieg vorausgegangen: Zwischen 1992 und 2000 war die Zahl der in den Justizvollzugsanstalten einsitzenden Gefangenen um ca. 50 % gestiegen. Die Belegung erreichte damit wieder annähernd das Niveau von Mitte der 1980er Jahre, lag aber unter dem Mitte der 1960er Jahre (gemessen an der jeweiligen strafmündigen Bevölkerung) (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Die nebenstehende Tabelle basiert auf der Publikation World Prison Population List (seventh edition)[18], die vom „Internationalen Zentrum für Gefängnisstudien“ („International Centre for Prison Studies“) des King’s College in London herausgegeben wurde. Die Zahlen stammen aus dem Zeitraum von 2005 bis 2007. Sofern Werte davon abweichen oder einer anderen Quelle entnommen sind, ist dies gekennzeichnet. Laut der angegebenen Publikation liegt der weltweite Durchschnittswert knapp unter 148 Inhaftierten pro 100.000 Staatsangehörigen. Die Liste enthält nur eine Auswahl aller in der Publikation verfügbaren Werte. Bei Staaten, die den gleichen Vergleichswert aufweisen, erfolgt die Nennung in alphabetischer Reihenfolge.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefängnisse werden häufig unter humanitären Gesichtspunkten kritisiert, so ergab eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, dass 25 Prozent der befragten erwachsenen Häftlinge mindestens einmal im Monat Opfer von Gewalt durch Mithäftlinge werden.[19] Immer wieder stellen Kritiker fest, dass sich vor allem in großen Gefängnissen paradoxerweise rechtsfreie Räume bilden, in denen Gewalt, Vergewaltigungen, Drogenhandel und Diebstahl an der Tagesordnung sind[20].

Auch das System Gefängnis als solches sieht sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, ineffizient und zu teuer zu sein und seinem Auftrag, Täter zu resozialisieren und wieder in die Gesellschaft zu integrieren, nicht gerecht zu werden. In Deutschland liegen die Kosten pro Häftling bei jährlich 35.770 Euro (Stand 2003)[21].

In ihrem 1939 erschienenen Buch „Punishment and Social Structure“ unterzogen Georg Rusche und Otto Kirchheimer Gefängnisse einer marxistischen Kritik; für sie stellen Strafvollzug und Haft eine Form der Herrschaft von einer Klasse über eine andere dar. Prominent ist die Analyse des französischen Philosophen Michel Foucault, der in „Überwachen und Strafen“ nicht nur die Ineffizienz von Gefängnissen thematisiert, sondern auch auf ihre Wirkung auf Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft hinweist. Foucault war auch Mitglied der Groupe d´information sur les prisons, G.I.P. (Gruppe Gefängnisinformation), die sich dafür einsetzte, die Zustände in französischen Gefängnissen öffentlich zu machen. Besonders in den 1970er Jahren wurde von Seiten linker Aktivisten auch die Abschaffung von Gefängnissen gefordert. Die Organisation Critical Resistance, die von der Bürgerrechtlerin Angela Davis mitgegründet wurde, setzt sich vor allem für die Rechte von Häftlingen in den USA ein und prägte den Begriff des „prison industrial complex“ (in Anlehnung an den Militärisch-industriellen Komplex)[22]. In Deutschland engagiert sich die Initiative „Entknastung“ gegen Missstände in Gefängnissen und veranstaltet Konferenzen über Gefängnis-Kritik[23].

Eine häufig geäußerte Kritik lautet, dass es Menschen, die wegen vergleichsweise harmloser Delikte in Haft kommen, erst im Gefängnis wirklich in Kontakt mit dem kriminellen Milieu kommen: „Besonders junge Menschen werden oft im Gefängnis erst zu Verbrechern gemacht – und somit zu einem noch größeren Problem für die Gesellschaft“[24], so der Jurist und Strafvollzugs-Experte Bernd Maelicke. Der Journalist Martin Klingst bezeichnete Gefängnisse als „Schulen des Verbrechens“[25]. Der Kriminalsoziologe Edwin M. Lemert prägte den Begriff der „Sekundären Devianz“: Laut diesem werden Delinquenten durch Strafmaßnahmen in die Rolle des Kriminellen gedrängt, da sich ihr Selbstbild durch die Erfahrungen des Strafvollzugs in dieser Weise verändert.

In dem 2016 veröffentlichten Buch "Die Schwere der Schuld" stellt der Gefängnisdirektor Thomas Galli die Sinnhaftigkeit von Strafvollzugsanstalten in Frage: Er vertritt darin die Ansicht, dass Haftstrafen Kriminelle noch gefährlicher machen können und dass viele Gefängnisse geschlossen werden und stattdessen andere Strafmaßnahmen wie gemeinnützige Arbeit angewendet werden sollten. Dadaurch gebe es mehr Mittel und Personal, um sich um die wirklich gefährlichen Straftäter zu kümmern.[26][27]

Zudem erschwert es das soziale Stigmata der Haftstrafe vielen Entlassenen, anschließend wieder in eine geregelte, zivile Existenz zurückzufinden. Maelicke kritisiert, dass Verurteilte nach ihrer Haftentlassung oft wieder in dieselben sozialen Strukturen geraten, die sie erst ins Gefängnis gebracht hätten: „...der Ernstfall für die Resozialisierung ist die Zeit nach der Entlassung“[28]. Laut einer Studie des Bundesjustizministeriums von 2014 werden durchschnittlich 34 Prozent aller entlassenen Strafgefangenen innerhalb von drei Jahren nach der Verurteilung oder Entlassung erneut straffällig, innerhalb von sechs Jahren liegt die Rückfall-Quote bei 44 Prozent[29]. Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen Gefängnis und Armut: Wer für eine begangene Straftat seine Geldstrafe nicht zahlen kann, kann durch die Ersatzfreiheitsstrafe stattdessen mit Haft bestraft werden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die osthessische Justizvollzugsanstalt Hünfeld ist das erste teilprivatisierte Gefängnis in der Bundesrepublik Deutschland. Als Aufseher sind dort ausschließlich Beamte tätig.

In der JVA Büren sind neben den Justizbeamten auch ca. 90 Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes beschäftigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gefängnisse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gefängnis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Gefängnis – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Gefängnis öffnet seine Türen. Trierischer Volksfreund, 11. September 2009, abgerufen am 30. August 2013.
  2. Dominik Nagl: No Part of the Mother Country, but Distinct Dominions – Rechtstransfer, Staatsbildung und Governance in England, Massachusetts und South Carolina, 1630–1769. Berlin 2013, S. 166 f. (online)
  3. Human Rights Watch: „An Alleyway in Hell“ – China’s Abusive „Black Jails“
  4. Statistik USA
  5. Statistik Turkmenistan (Memento vom 30. April 2010 im Internet Archive)
  6. Statistik Kasachstan
  7. Statistik Polen (Memento vom 25. Oktober 2007 im Internet Archive)
  8. Statistik Libyen
  9. Statistik Iran
  10. Statistik Vereinigtes Königreich
  11. Statistik Volksrepublik China
  12. Statistik Deutschland (Memento vom 9. Oktober 2010 im Internet Archive)
  13. Statistik Frankreich
  14. Statistik Niederlande
  15. Statistik Irland
  16. Zahl der Häftlinge leicht gesunken auf rp-online.de, abgerufen am 7. Juli 2012.
  17. Statistisches Bundesamt, Rechtspflege, Bestand der Gefangenen und Verwahrten in den deutschen Justizvollzugsanstalten nach ihrer Unterbringung auf Haftplätzen des geschlossenen und offenen Vollzugs jeweils zu den Stichtagen 31. März, 31. August und 30. November eines Jahres
  18. world-prison-pop-seventh (Memento vom 25. Februar 2007 im Internet Archive)
  19. Viktimisierungserfahrungen im Justizvollzug 2012 erschienene Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen
  20. „Die Schlechterungs-Anstalt“ Artikel erschienen am 16. August 2012 in Die Zeit
  21. Horst Entorf: Evaluation des Maßregelvollzugs: Grundzüge einer Kosten-Nutzen-Analyse In: Darmstadt Discussion Papers in Economics. 183, 2007
  22. Webseite von Critical Resistance
  23. Webseite von Entknastung
  24. „Zu Verbrechern gemacht“ Interview erschienen am 6. März 2014 in Die Zeit
  25. „Einsperren ist teuer und sinnlos“ Artikel erschienen am 11. April 2002 in Die Zeit
  26. „Wegsperren macht Täter gefährlicher“. In: Mittelbayerische Zeitung. Abgerufen am 4. April 2016 (de-de).
  27. SPIEGEL-Gespräch mit Gefängnisdirektor Thomas Galli, der dafür eintritt, Gefängnisse abzuschaffen DER SPIEGEL 2016/12. In: magazin.spiegel.de. Abgerufen am 4. April 2016.
  28. „Die Schlechterungs-Anstalt“ Artikel erschienen am 16. August 2012 in Die Zeit
  29. Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen 2007 bis 2010 und 2004 bis 2010 Studie erschienen am 14. Januar 2014 (PDF)
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