Pleiotropie

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Pleiotropie (gr. πλείων pleíōn = ‚mehr‘ und τρόπος trópos = ‚Drehung‘, ‚Wendung‘) oder Polyphänie (griechisch für vielfache Erscheinung) ist ein Begriff der Genetik. Darunter versteht man die Ausprägung mehrerer phänotypischer Merkmale, die durch ein einzelnes Gen hervorgerufen wird.[1] Das Gegenstück hierzu ist die Polygenie.

Als antagonistische Pleiotropie spielt die Pleiotropie eine zentrale Rolle beim heutigen Verständnis des Alterungsprozesses. Auch bei vielen erblichen Krankheiten spielen pleiotrope Effekte defekter Gene eine Rolle. In der Pharmakologie bezeichnet Pleiotropie Mehrfachwirkung eines Wirkstoffes. Pleiotrope Effekte der HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (Lipidsenker) betreffen neben der Cholesterinspiegelsenkung beispielsweise die Endothelfunktion, die Entzündungsreaktion und die Blutgerinnung.

Polyphänie kann ein Problem bei der Erzeugung gentechnisch veränderter Organismen darstellen, denn ein Fremdgen kann unter Umständen zu dem gewünschten Merkmal noch weitere Effekte im Empfängerorganismus hervorrufen. Besonders Genmanipulation an höheren Organismen, deren Genome sehr komplex organisiert sind, kann unvorhersehbare Polyphänie-Effekten zur Folge haben.[2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Murken, Hartwig Clewe (Hrsg.): Humangenetik. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart 1996, 6. Auflage, S. 101–105. ISBN 3-432-88176-2
  • Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Verlag Walter de Gruyter, 61. Auflage, Seite 1510

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Weber: Biologie Oberstufe Gesamtband, Cornelsen Verlag 2001, ISBN 3-464-04279-0, Seite 152, 171.
  2. Gerd Kaiser, Eva Rosenfeld, Katharina Wetzel-Vandai: Bio- und Gentechnologie – Anwendungsfelder und wirtschaftliche Perspektiven. Campus Verlag 1997. ISBN 978-3593358741
  3. Gert Kaiser: Bio- und Gentechnologie. Campus Verlag, 1997, ISBN 978-3-593-35874-1, S. 71 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).